Kernaussage: Wir sind zufrieden, wenn wir unsere Lebensziele erreichen oder ihnen wenigstens näher kommen. Seine Lebensziele und die zu ihnen passende Persönlichkeit muss jeder Mensch selber wählen. Damit ein Mensch keine psychischen Probleme bekommt, müssen gute soziale Beziehungen eins seiner Ziele sein und er muss verstehen, welche negativen Umstände solche Beziehungen wie verhindern. Zufriedenheit entsteht durch Verstehen.
Ich bin kein Psychotherapeut, der genau versteht, wie "seelische Probleme entstehen" (siehe das Zitat unten zu einer psychotherpeutischen Behandlung). Der folgende Text beschreibt deshalb meine persönliche Meinung, obwohl ich diese durch wissenschaftliche Quellen weitgehend belege. Es ist empfehlenswert, dies Quellen in den Original-Büchern zu lesen.
Freude und Glück empfinden wir in Situationen, die für uns vorteilhaft sind. Dabei ist das Glücksgefühl stärker als die Freude. Wenn ich beim Lotto 5 Euro gewinne, dann freue ich mich, wenn ich 500 000 Euro gewinne, dann bin ich glücklich. Zufriedenheit entsteht erst aus mehreren Situationen nach einer längeren Zeit, das heißt aus einer positiven Entwicklung.
"Freude ist ein ... Gefühl, das meist als Reaktion auf eine angenehme
Situation auftritt. Freude ist eher kurzfristig ... Glück bezeichnet das intensivste
Wohlbefinden, das Menschen kennen. ... es ist langanhaltender als Freude, aber
kürzer als Zufriedenheit. ... Zufriedenheit ist das stabilste gute Gefühl. ... Sie ... tritt als Ergebnis von Denkprozessen wie dem Vergleichen und Abwägen auf." (www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.441244.de/ph_01_2014_zufriedenheit.pdf,
02.03.26)
Wir sind zufrieden, wenn wir ein Ziel, das wir uns gesetzt haben, erreichen oder wenn wir diesem Ziel näherkommen.
"Zufriedenheit ist das Ergebnis eines Vergleiches. Wir setzen unsere faktische
Situation in Beziehung zu den persönlichen Idealvorstellungen [unserem Ziel] – je kleiner uns die Kluft zu sein scheint, die zwischen beiden Zuständen klafft, desto zufriedener sind wir.
Eine Rolle spielt dabei auch, ob wir uns auf einem guten Weg
sehen, die Lücke zwischen 'Ist-' und 'Soll-Zustand' verringern zu können." (www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.441244.de/ph_01_2014_zufriedenheit.pdf,
02.03.26)
Es kommt darauf an, dass wir uns die richtigen Ziele setzen. Unser erstes Ziel ist, unsere grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen, wie die physiologischen Bedürfnisse, die Sicherheitsbedürfnisse und soziale Kontakte. Die Bedürfnispyramide von Maslow ist die bekannteste Klassifikation von Bedürfnissen:
Die meisten Menschen setzen sich diese drei Ziele: 1. Keine Probleme mit/bei der Arbeit / das Einkommen muss sicher sein. 2. Ein guter Zusammenhalt in der Familie. 3. Freunde und ein Hobby haben.
Wer sich selbstverwirklichen will, setzt sich ein anspruchsvolles Ziel, das eine große Anstrengung erfordert, wie z. B. sich zu engagieren, um unsere Welt ein bisschen besser zu machen, ein großer Wissenschaftler zu werden, sportliche Höchstleistungen zu erbringen, Karriere zu machen (viel Geld zu verdienen) oder ... .
"Gewöhnlich versuchen Depressionsforscher Antwort auf die Frage zu geben, warum eine depressive Erkrankung eintritt. ... Ich möchte deshalb zusätzlich einer anderen Frage Raum geben: 'Wozu?', 'zu welchem Ziele?'. ... Diese auf das Ziel gerichtete ... Frage ist es, die auch unseren Alltag zumeist leitet: Wozu muss ich um acht Uhr aufstehen? Damit ich um Punkt neun Uhr im Geschäft bin. ... Diese Sinnzuschreibungen ersetzen die Ursachenforschung nicht. Wer aber nur nach dem Warum fragt, wird nie einen Sinn finden."
(www.researchgate.net/profile/Daniel-Hell/publication/265244580_Leseprobe_aus_Welchen_Sinn_macht_Depression/links/576796db08aedbc345f5ffd6/Leseprobe-aus-Welchen-Sinn-macht-Depression.pdf, 24.03.26, S. 16, 18)
Warum muss ich um acht Uhr aufstehen? Weil ich Geld verdienen muss. Wozu muss ich um acht aufstehen? Ich habe mir das Ziel gesetzt, um neun Uhr bei der Arbeit sein.
Beispiel: Ein Kollege fragt mich am Morgen: "Hast Du heute Lust zu arbeiten?" Meine Antwort: "Darüber denke ich gar nicht nach. Wozu bin ich hier? Um zu arbeiten."
Der Sinn des Lebens ergibt sich aus den Zielen, die wir uns setzen. Wenn also jemand fragt: "Was ist der Sinn des Lebens?" Dann antworte ich: "Das musst Du selber entscheiden, indem Du Dir Ziele setzt, die Du erreichen oder denen Du näherkommen willst."
"Nur der Mensch kennt ein Bedürfnis nach Sinn, kein anderes Lebewesen - soweit wir es nachvollziehen können. Nur der Mensch kann nach dem Sinn des Lebens allgemein und nach dem Sinn eines bestimmten Ereignisses fragen. ... Im Zusammenhang mit Psychosen [schwere psychische Störungen] ist Sinn evident wichtig, um im Anschluss von der Psychose wieder auf die Füße zu kommen. ... Vor allem aber kann die Suche nach dem Sinn im Leben ... auf dem Weg der Genesung große Bedeutung haben ..." (Bock, T., Klapheck, K., & Ruppelt, F. (2014). Sinnsuche und Genesung. Psychiatrie Verlag, S. 19, 63)
Eine Post(Nach)-Olympia-Depression (oder Post-Olympia-Blues) ist ein emotionales Tief, in das Athleten nach den Olympischen Spielen fallen, weil ihnen nach jahrelanger Vorbereitung auf dieses Höchstleistungsziel plötzlich Struktur und Motivation im Leben fehlen. Dadurch, dass der Sport den Alltag komplett bestimmt hat, fehlt den Sportlerinnen und Sportler nach der Olympiade ein neuer "Sinn des Lebens" (siehe die ARD-Fernsehdokumentation "Die Last der Spiele - Druck. Leere. Post-Olympia-Depression?", 25.03.26)
Aus einer Post-Oplympia-Depression kann sich eine klinische Depression entwickeln, die einen höheren Schweregrad hat.
"F32 Depressive Episode
Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten 'somatischen' Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust." (https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2024/block-f30-f39.htm, 25.03.26)
Eine depressive Episode muss für alle Schweregrade (leicht, mittel, schwer) in der Regel eine Dauer von mindestens 2 Wochen haben, damit eine klinische Depression diagnostiziert werden kann. (Der oben zitierte ICD-10-GM zählt nur die Symptome auf, während das Zeitkriterium in den ausführlichen klinisch-diagnostischen Leitlinien steht.)
Was können wir von dem Beispiel Post-Olympia-Depression lernen? Ein Mensch hat ein optimales Leistungsniveau, das er über eine längere Zeit aufrechterhalten kann. Dieses Leistungsniveau setzt sich zusammen aus der körperlichen und der mentalen (geistigen) Leistung. Eine körperliche Überanstrengung führt zu Verletzungen. Eine große mentale Überanstrengung (z. B. durch den Druck des "Gewinnen Müssen") führt zu psychischen Problemen und psychosomatischen Beschwerden (wie z. B. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Herz-Kreislauf-Beschwerden). Sportlerinnen und Sportler sollten sich also, wie alle Menschen, nicht längerfristig überanstrengen. Sie sollten, wenn sie ein "Lebensziel" erreicht haben, sich ein neues suchen und bei anhaltenden Problemen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Der "Sinn einer Post-Olympia-Despression" wäre, meiner Meinung nach, die Sportler darauf hinzuweisen, dass in der Vorbereitung auf die Olympiade etwas falsch gelaufen ist oder etwas gefehlt hat, wie z. B die Vorbereitung auf die Zeit nach der Olympiade. Der "Sinn einer Depression" ist also, dass sie der Anstoß sein kann, sein Leben zu verändern (s. u. folgt noch).
In der oben erwähnten Fernsehdokumentation sagt eine Athletin, dass sie die Phase der Post-Olympia-Depression überwunden hat. In den negativen Emotionen, die sie erlebt hat, steckte auch viel Positives. Im Endeffekt hat sie die Zeit in Bewegung gesetzt und sie hat sich neue Ziele gesucht.
Lebensziele sind die grundlegenden Ziele eines Menschen, die angeben, wie die Grundbedürfnisse befriedigt werden sollen (s. o.). Ein Baby benötigt Nahrung, Schlaf und Zuneigung, ein Kind die Unterstützung der Eltern und die Möglichkeit, mit anderen Kindern die Welt spielend zu entdecken. Beim allmählichen Übergang von der Kindheit zum Erwachsenen (im Jugendalter) beginnt das bewusste Nachdenken über die Lebensziele.
"Wer sich im Leben realistische Ziele setzt, kann später auf ein höheres Wohlbefinden und mehr Zufriedenheit hoffen. ... Welche Lebensziele stehen in welchem Alter im Vordergrund? ... Je jünger die Befragten, desto wichtiger schienen ihnen Ziele wie persönliches Wachstum, Status, Arbeit und gute soziale Beziehungen. Und je älter sie waren, desto bedeutender waren für sie soziales Engagement und Gesundheit." (www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Besser-leben-mit-erreichbaren-Zielen.html, 29.03.26)
Wir sind zufrieden, wenn wir unsere Lebensziele erreichen oder ihnen wenigstens näher kommen (s. o.). Dies gilt gleichermaßen für jüngere und ältere Menschen.
"Die Ziele eines Menschen sind darauf ausgerichtet, sich Wünschenswertem anzunähern oder Unangenehmes zu vermeiden. ... Im Fall von psychischen Störungen bestimmen die Ziele sogar dann noch das Handeln, wenn sie selbst zur Quelle von Leid werden. Ziele, die im Entwicklungsverlauf einmal notwendig und hilfreich waren, schränken nun die Fähigkeit zum spontanen und kreativen Handeln ein." (Schacht, M. (2009). Das Ziel ist im Weg: Störungsverständnis und Therapieprozess im Psychodrama. Springer-Verlag, S. 12).
Es besteht die Notwendigkeit seine Lebensziele zu verändern ("spontan und kreativ"), wenn sie die Ursache von Leid sind. Psychische Störungen können als Resultat zielgerichteten Handelns verstanden werden:
"Wenn erstmals Symptome auftreten, werden diese für die Betreffenden zum Problem. ... die Suche nach einer Lösung, beginnt. Nach vielen erfolglosen Bemühungen wird u. U. eine TherapeutIn oder BeraterIn aufgesucht. Im Verlauf der Therapie oder Beratung gilt es in vielen Fällen, die bislang unbewussten Ziele, die zur Störung führten, zu thematisieren. Darüber hinaus müssen alternative Ziele ins Spiel gebracht werden, um Möglichkeiten für neue Wahlen zu eröffnen. ... Mit der Entscheidung oder Wahl einer der Alternativen wird der Rubikon überschritten ... Etwas Neues nimmt unweigerlich seinen Lauf. ... Rückblickend ist es wichtig zu bewerten, ob die Lösung gut ist ... Erst dadurch wächst die Bereitschaft zur Wiederholung und damit zur Stabilisierung der neuen Handlungsstrukturen." (Schacht, M. (2009). Das Ziel ist im Weg: Störungsverständnis und Therapieprozess im Psychodrama. Springer-Verlag, S. 69-70).
Die Lebensziele eines Menschen und seine Persönlichkeit bedingen sich gegenseitig:
Er wählt seine Lebensziele entsprechend seiner Persönlichkeit. - Seine Persönlichkeit entwickelt sich abhängig davon, welche Lebensziele er sich gesetzt hat.
Es kommt nicht nur auf die Ziele an, die wir uns setzen, sondern auch auf die Art und Weise, wie wir diese Ziele erreichen wollen und das hängt ab von unserer Persönlichkeit.
"Unsere Erfahrung lehrt: kein Mensch ist wie der andere ... Gleichzeitig beobachten wir auch, dass es trotz aller Variabilität Grundmuster der Fühlens, Denkens und Handels gibt, mithilfe derer wir Menschen oft recht effektiv beschreiben können." (Roth, G., Heinz, A., & Walter, H. (Eds.). (2020). Psychoneurowissenschaften. Springer Spektrum, S. 162)
Man versteht "... in der Psychologie unter Persönlichkeit die Gesamtheit von Eigenschaften. Eigenschaften wiederum werden als Regelmäßigkeiten im Denken, Fühlen und Verhalten definiert. Dass bestimmte Verhaltensweisen oder Gefühle regelmäßig auftreten müssen, ist sinnvoll, um Eigenschaften von kurzfristigen Zuständen ... abzugrenzen. ... erst die Regelmäßigkeit oft gut gelaunt zu sein ... macht es zu einer Eigenschaft, in der sich Menschen unterscheiden." (Wrzus, C. (2022). Werden, Wer Ich Bin, Springer-Verlag, S. 2)
Definition: Die Persönlichkeit eines Menschen sind die grundlegenden Eigenschaften/Regeln, nach denen er denkt, fühlt und sich verhält.
"Ganz generell geht die Persönlichkeitspsychologie, wie die meisten psychologischen Fächer, drei Hauptaufgaben nach:
1. Beschreiben: Was ist Persönlichkeit?
2. Erklären: Wie kommt es zu Persönlichkeitsunterschieden?
3. Vorhersagen: Welche Konsequenzen haben Persönlichkeitsunterschiede für das persönliche, soziale und berufliche Leben?" (Rauthmann, J. F. (2017). Persönlich-keitspsychologie:
Paradigmen–Strömungen–Theorien. Springer-Verlag, S. 7)
Wenn wir die Persönlichkeit eines Menschen beschreiben, welche Eigenschaften sind da für uns wichtig? Angenehm ist das Zusammenleben mit Menschen, die gewissenhaft/verlässlich, feundlich/hilfsbereit und offen/tolerant sind.
Baumgarten und Allport suchten "... in deutschen bzw. englischsprachigen Wörterbüchern alle Adjektive heraus, die zur Beschreibung von Personen geeignet waren. Das waren je nach Wörterbuch 18.000–35.000 Wörter ... Aus diesen Wortlisten wurden Synonyme entfernt und die verbleibenden Hunderte von Adjektiven wurden Personen zur Bewertung von sich selbst oder einer bekannten Person vorgelegt. ... Wenn z. B. eine Person, die sowohl als wenig ehrlich eingeschätzt wird, ebenso als wenig aufrichtig und wenig redlich gesehen wird, während andere Personen als eher ehrlich, aufrichtig und redlich beurteilt werden, dann gehören diese Adjektive einer Eigenschaftsgruppe ... an. Das Ergebnis der Eigenschaftsjagd waren die Big Five der Psychologie [2]: Offenheit für Neues, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Emotionale Stabilität (auch Neurotizismus ... genannt ...)." (Wrzus, C. (2022). Werden, Wer Ich Bin, Springer-Verlag, S. 4-5)
Extraversion bedeutet, dass ein Mensch gesellig ist (im Gegensatz zu intravertierten zurückhaltenden Menschen). Neurozitismus zeigt sich in emotionaler Instabbilität, wie Nervosität, Ängstlichkeit, launenhaft: oft traurig oder wütend (im Gegensatz zu ausgeglichen, ruhig, gelassen).
"Eine neurobiologische Fundierung der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale gelingt, wenn wir von vier Ebenen der Persönlichkeit und den darauf angesiedelten sechs psychoneuralen Grundsystemen ausgehen. ... Das Stressverarbeitungssystem und das Selbstberuhigungssystem spielen hierbei die wichtigste Rolle, da sie sich zuerst entwickeln und die Ausbildung der anderen Systeme beeinflussen.
Eine günstige Entwicklung dieser beiden Systeme, die teilweise schon vor der Geburt stattfindet, ist die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung einer ausgeglichenen, in sich ruhenden Persönlichkeit mit mittleren bis hohen Werten in den Merkmalen Extraversion, Verträglichkeit, Gewissen und Offenheit und geringen Werten im Merkmal Neurotizismus. Sie bildet auch eine robuste Widerstandsfähigkeit ... gegenüber nachfolgenden negativen Entwicklungen.
Treten hingegen vorgeburtliche Störungen in der Ausbildung dieser Systeme auf, so kann dies [es] zu einer deutlichen Anfälligkeit ... gegenüber der Wirkung negativer Erfahrungen kommen." (Roth, G. (2019). Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Klett-Cotta, S. 184 - 218)
Die Persönlichkeit eines Menschen hängt also ab von seiner genetisch bedingten Biologie (der "Leistungsfähigkeit" seines Gehirns und Nervensystems) und den negativen und positiven Erfahrungen, die er vor der Geburt und im Verlauf seines Lebens macht.
"Das Gehirn ... verändert sich ein Leben lang mit jeder neuen Erfahrung, wodurch sich auch Persönlichkeit und Verhaltensweisen fortentwickeln. ... Warum sind beispielsweise eineiige Zwillinge mitunter so unterschiedlich, auch wenn sie gemeinsam aufwachsen? Um diesen Fragen nachzugehen, beobachteten Forscher ... 40 genetisch identische Mäuse. Diese teilten sich ein Gehege mit einem reichhaltigen Angebot an Beschäftigungs- und Erkundungsmöglichkeiten. ...
Fazit: Trotz gemeinsamer Umgebung und identischen Erbguts zeigten die Mäuse sehr individuelle Verhaltensmuster. Sie reagierten unterschiedlich auf ihre Umwelt. Im Laufe des rund dreimonatigen Experiments wurden diese Unterschiede immer deutlicher. ... Je aktiver sich die Mäuse verhielten, desto stärker bildeten sich neue Nervenzellen in der für Lernen und Gedächtnis zuständigen Hirnregion des Hippocampus. ... Mit der aktuellen Studie haben die Wissenschaftler nachgewiesen, dass persönliche Erfahrungen und daraus folgende Verhaltensweisen einen Beitrag zur 'Individualisierung des Gehirns' leisten." (www.uni-muenster.de/news/view.php?cmdid=3562&lang=en, 08.04.26)
Auch wenn die Gene und die Umweltbedingungen gleich sind, kommt es doch zu Unterschieden in der Biologie und den gemachten Erfahrungen, die die Entwicklung der Persönlichkeit beeinflussen.
Die Leistungsfähigkeit seines Gehirns und Nervensystem kann man verbessern durch gesunde Ernährung, sportliche Betätigung, geistige Arbeit, Enspannung und guten Schlaf. Wenn es eine biologische Einschränkung gibt, kann diese eventuell durch einen Arzt mit Medikamenten behandelt werden.
Wie kann ein Mensch seine positiven und negativen Erfahrungen so verarbeiten, dass sich seine gewünschte Persönlichkeit entwickelt? Erwachsene können versuchen ihre Erfahrungen zu verstehen und sich dann entsprechend Verhalten. Kinder können das noch nicht. Bei ihnen steht die Gesellschaft in der Verantwortung, dass sie möglischst keine negtiven Erfahrungen machen.
"Eine psychotherapeutische Behandlung hilft Menschen Krisen zu bewältigen und ihr Leben wieder selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. ... Psychotherapeuten /-therapeutinnen arbeiten mit verschiedenen, wissenschaftlich anerkannten Methoden, die sich in der Praxis und in wissenschaftlichen Studien als wirksam und erfolgsvorsprechend erwiesen haben. Grundlegend ist hierbei eine fundierte Theorie, wie seelische Störungen entstehen. Daraus ergibt sich auch ein ... Konzept, mit dessen Hilfe seelische Erkrankungen gebessert oder gar geheilt werden können. Um dies praktizieren zu können absolvieren Psychotherapeuten/ -therapeutinnen eine fundierte Ausbildung, die mit der Qualifikation eines Facharztes zu vergleichen ist. Für diese Ausbildung ist ein abgeschossenes Medizin- oder Psychologiestudium Voraussetzung." (www.klinik-pacelliallee.de/blog/wie-funktioniert-psychotherapie/, 11.04.26)
Die Harvard-Studie über Glück:
"Was uns wirklich glücklich macht, das untersuchen Wissenschaftler der Harvard University seit mehr als 80 Jahren in der umfangreichsten Studie zur Glücksforschung über einen besonders langen Zeitraum. Seit 1938 begleiten sie rund 2.000 Menschen aus drei Generationen in einer Langzeitstudie bei ihrem Streben nach dem Glück [siehe nächstes Zitat]. ... Auch wenn die Bedürfnisse eines jeden Menschen individuell sind, haben die Wissenschaftler den wichtigsten Faktor für ein glückliches Leben ausgemacht: Gute soziale Beziehungen ... Sie machen uns glücklicher und gesünder." (www.ardalpha.de/wissen/psychologie/glueck-gluecksforschung-weltglueckstag-gluecklich-tag-des-gluecks-100.html, 13.04.26)
"Wir haben drei wichtige Lektionen über Beziehungen gelernt.
Erstens sind soziale Beziehungen wirklich gut für uns und Einsamkeit ist tödlich. ... Die zweite Lehre ist, dass es nicht nur auf die Anzahl der Freunde ankommt und nicht darauf, ob man eine feste Bindung hat oder nicht, sondern auf die Qualität von engen Beziehungen. Ständig im Konflikt zu leben, ist sehr schlecht für die Gesundheit. ... Die dritte wichtige Lehre über Beziehungen und Gesundheit ist, dass gute Beziehungen nicht nur unseren Körper schützen, sondern auch das Gehirn. ... Gute Beziehungen müssen nicht ständig glatt verlaufen. Einige unserer Paare über 80 gerieten täglich aneinander, aber solange sie das Gefühl hatten, in schweren Zeiten auf den anderen zählen zu können, belasteten diese Auseinandersetzungen ihre Erinnerung nicht. ... Genau wie die Generation Y [in] der neuesten Umfrage glaubten viele unserer Männer als junge Erwachsene tatsächlich, sie müssten für ein gutes Leben Ruhm, Reichtum oder Spitzenleistungen anstreben. Aber in diesen 75 Jahren zeigt unsere Studie immer wieder, dass es denjenigen am besten ging, die in Beziehungen, Familie, Freunde und Gemeinschaft investierten." (www.ted.com/talks/robert_waldinger_what_makes_a_good_life_lessons_from_the_longest_study_on_happiness, 15.04.26, Transcript eingestellt auf Deutsch)
Wer sich als Lebensziel gute soziale Beziehungen gesetzt hat (und die physiologischen Bedürfnisse und die Sicherheitsbedürfnisse nach Maslow erfüllt sind - s. o.), wird mit dem "Big Five"-Persönlichkeitsmodell zufrieden sein, weil dieses genau die Eigenschaften beinhaltet, die für gute soziale Beziehungen notwendig sind: Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Neues.
Faktorenanalysen ergaben "fünf Faktoren, die inzwischen als Big Five bezeichnet werden. ... Die Big Five enthalten Eysencks Temperamentsdimensionen E und N [Extraversion und Neurotizismus] ...
Das ist kein Zufall, denn Eysenck kam zu E und N durch Faktorenanalysen von Temperamentsvariablen.
Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen bezieht sich auf intellektuelle Neugier, Gefühl für Kunst und Kreativität und korreliert positiv [geht einher] mit Intelligenz und vor allem Bildung.
Gewissenhaftigkeit bezieht sich auf Ordentlichkeit, Beharrlichkeit und Zuverlässigkeit und korreliert mit Schulleistung und Intelligenz. Extraversion bezieht sich wie schon bei Eysenck auf
Geselligkeit, Ungehemmtheit und Aktivität. Verträglichkeit bezieht sich auf Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Wärme im Umgang mit anderen. Neurotizismus (oft auch emotionale Instabilität
genannt) bezieht sich wie schon bei Eysenck auf Nervosität, Ängstlichkeit und Gefühlsschwankungen." (Neyer, F. J., & Asendorpf, J. B. (2024). Psychologie der Persönlichkeit.
Springer-Verlag, S. 128)
Das Problem bei den Big Five liegt darin zu vestehen, welche Eigenschaften genau zu den einzelnen Faktoren gehören (jede Quelle beschreibt das mit anderen Worten) und wie sich die fünf Faktoren voneinander unterscheiden (es fehlt teilweise an Trennschärfe). Gehört die wichtige Eigenschaft Toleranz zu "Offenheit" oder zu "Verträglichkeit"? Es gibt Menschen, die sind sehr freundlich, aber nur zu Personen, die die gleiche Meinung haben, wie sie selber. Zu welcherm Faktor gehört Ehrlichkeit, zu "Gewissenhaftigkeit" oder zu "Verträglichkeit"? Weil Ehrlichkeit so eine wichtige Eigenschaft ist, wurde zu den "Big Five" der Faktor "Ehrlichkeit/Bescheidenheit" hinzugefügt und dieses neue Persönlichkeitsmodell "HEXACO" genannt (siehe https://hexaco.org/scaledescriptions, 22.04.26)
Beispiel: Welche Eignschaften soll eine gute Freundin/ein guter Freund haben? Natürlich sollte sie/er freundlich, mitfühlend, nachsichtig und hilfsbereit sein (verträglich sein). Sie/er sollte zuverlässig, verantwortungsbewusst (gewissenshaft sein) und tolerant sein, wenn man mal eine andere Meinung hat und zusätzlich sollte sie/er nicht langweilig, sondern einfallsreich und intelligent sein (offen für Erfahrungen sein).
Wer in seinem Leben danach strebt, Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen, wird bei dem "Big Five"-Modell die Eigenschaften "Durchsetzungsvermögen" und "Leistungsbereitschaft" vermissen.
Für gute soziale Beziehungen spielt auch das Temperament eine Rolle. Ein Mensch sollte allerdings nicht zuviel und nicht zuwenig Temperament haben. Wenn ein Mensch zu schüchtern ist, hat er keine oder nur wenige soziale Kontakte. Wenn ein Mensch gesellig ist, hat er viele Beziehungen, es kommt aber auf deren Qualität an (siehe das Zitat oben).
Beispiel: Ich habe einmal an einem großen Sprachkurs in England teilgenommen und irgendwie hatten sich die schüchternen Leute zu einer Party verabredet. Das war eine sehr schöne Party.
"Jerome Kagan und seine Kollegen konzentrierten ihre empirische Forschung auf eine Temperamentskategorie namens 'Reaktivität'. Vier Monate alte Säuglinge, die bei der Darbietung neuer Reize 'motorisch erregt und ängstlich' reagierten, wurden als hochreaktiv eingestuft. Diejenigen, die 'motorisch entspannt blieben und bei denselben unbekannten Ereignissen weder weinten noch sich ärgerten', wurden als niedrigreaktiv bezeichnet [13]. Diese hoch- und niedrigreaktiven Säuglinge wurden im Alter von 14 und 21 Monaten erneut 'in verschiedenen unbekannten Laborsituationen' getestet. Hochreaktive Säuglinge zeichneten sich überwiegend durch ein Profil starker Angst vor unbekannten Ereignissen aus, das Kagan als gehemmt bezeichnete. Im Gegensatz dazu zeigten niedrigreaktive Kinder nur geringe Angst vor neuen Situationen und wiesen ein ungehemmtes Profil auf (Kagan). Bei einer erneuten Beobachtung im Alter von 4,5 Jahren behielt jedoch nur ein geringer Anteil der Kinder aufgrund von vermittelnden Faktoren wie zwischenzeitlichen Familienerfahrungen ihr erwartetes Profil bei. Kinder, die auch nach dem 4,5. Lebensjahr noch stark gehemmt oder enthemmt waren, hatten ein
höheres Risiko, Angststörungen bzw. Verhaltensstörungen zu entwickeln [14]" (https://en.wikipedia.org/wiki/Temperament?_x_tr_sl&_x_tr_tl&_x_tr_hl, 16.04.26)
Fazit des Zitats: Babys/Kinder sollten nicht zuviel Angst (stark gehemmt) und nicht zu wenig Angst haben (stark enthemmt). Das Stressverarbeitungssystem und das Selbstberuhigungssystem sollten normal funktionieren (siehe Zitat ganz oben).
Die Big-Five-Faktoren Extraversion und Neurotizismus ordne ich dem Temperament zu (s. o.), die Faktoren Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Neues dem Charakter eines Menschen.
Ein Baby wird mit bestimmten geerbten Eigenschaften geboren. Als Kind hat es als Vorbilder die Eltern und Großeltern und eventuell andere Menschen, mit denen es viel zusammen ist. Diesen Vorbildern entsprechend entwickelt es seinen Charakter. Im Jugendalter sucht es nach seinen eigenen Lebenszielen, die sich dann im Verlauf seines Lebens anpassen.
Die oben zitierte Havard-Studie über Glück:
"Kürzlich befragte man Mitglieder der Generation Y [oft Millennials genannt, die Geburtsjahrgänge ca. 1981 bis 1996] über ihre wichtigsten Lebensziele. Über 80 Prozent antworteten, eines der wichtigsten Lebensziele sei es, reich zu werden. Und 50 Prozent aus dieser Gruppe Jugendlicher sagten, ein weiteres wichtiges Lebensziel sei es, berühmt zu werden. ... Als die Jugendlichen [1938] zur Studie kamen, wurden sie alle befragt und medizinisch untersucht. Wir besuchten sie zu Hause und befragten ihre Eltern. Dann wurden diese Jugendlichen erwachsen und wählten verschiedene Lebenswege. Sie wurden Fabrikarbeiter, Anwälte, Maurer und Ärzte. Einer wurde Präsident der USA. Einige wurden Alkoholiker einige schizophren. Einige erklommen die soziale Leiter von ganz unten nach ganz oben. Bei anderen ging der Weg in die andere Richtung." (www.ted.com/talks/robert_waldinger_what_makes_a_good_life_lessons_from_the_longest_study_on_happiness, 15.04.26, Transcript eingestellt auf Deutsch)
Können wir uns auch große Lebensziele setzen, von denen wir zu träumen wagen? Martin Luther King hatte sich als "unrealistisches" Ziel die Gleichberechtigung der farbigen Bevölkerung gesetzt. Dieses Ziel ist bis heute nicht zu 100 % erreicht, aber er hat viel dazu beigetragen, dass dieses Ziel näher kommt.
"In Deutschland haben sich die Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen seit 2014 mehr als verdoppelt. ...
Demnach waren Frauen im Jahr 2024 insgesamt an 87,55 Millionen Tagen wegen psychischer und Verhaltensstörungen arbeitsunfähig gemeldet. Zehn Jahre zuvor waren es der Statistik zufolge 43,51 Millionen Tage. Bei Männern liegt die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen mit 60,39 Millionen im Jahr 2024 niedriger. Bei ihnen ist der Anstieg aber noch drastischer: 2014 fielen sie 26,88 Millionen Tage aus." (www.zdfheute.de/panorama/krankheitstage-psychische-erkrankungen-verdoppelt-arbeitsunfaehigkeit-100.html, 18.04.26)
"Laut einer heute in Hannover veröffentlichten Forsa-Umfrage für die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) war nach Einschätzung der Eltern von Sechs- bis Zehnjährigen ein Viertel der Kinder (24 Prozent) in den vergangenen vier Wochen häufig gestresst, sei es in der Schule oder im Alltag. Insgesamt 42 Prozent der Mütter und Väter gaben an, dass der Druck und die psychische Belastung in den vergangenen ein bis zwei Jahren zugenommen hätten. ..." (www.aerzteblatt.de/news/schon-jedes-vierte-grundschulkind-fuhlt-sich-laut-kkh-umfrage-gestresst-bfdbc658-7601-46f9-bb87-c79432b8f2cf, 28.04.26)
Der Anstieg der Krankheitstage in Deutschland und der psychischen Belastung von Kindern lässt sich nicht damit erklären, dass die "Gene" schlechter geworden sind.
"In der Mehrheit der Branchen lag 2023 die Anzahl der psychisch bedingten AU-Tage [Arbeitsunfähigkeits-Tage] unter dem Durchschnitt, jedoch im Gesundheitswesen sehr deutlich um ein Fünftel darüber ... Mit Blick auf die Berufsgruppen zeigt sich: Dort, wo sich Menschen in ihrem beruflichen Alltag um das Wohlbefinden anderer kümmern und zudem noch Personalmangel herrscht, sind die Belastungen besonders hoch. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kitas und in der Altenpflege hatten 2023 mit 534 bzw. 531 Tagen je 100 Versicherte die meisten AU-Tage." (www.dak.de/dak/unternehmen/reporte-forschung/psychreport-2024_57364#rtf-anchor-zentrale-ergebnisse-aus-dem-psychreport, 18.04.26)
Die Arbeitenden in Kitas und in der Altenpflege haben keine schlechteren "Gene" als andere Berufstätige.
"Die Genforschung hat in den letzten Jahren unser Verständnis von psychischen Erkrankungen revolutioniert. Für viele Phänomene, die bisher nur theoretisch beschrieben worden waren, sind biologische Grundlagen entdeckt worden. So konnte zum Beispiel der prägende Einfluss früher Kindheitserfahrungen nachgewiesen werden. Anhand von Tierversuchen zeigte sich, dass Stress, etwa durch mangelhafte Versorgung oder durch Trennung von der Bezugsperson hervorgerufen, das hormonelle System und damit die Entwicklung der neuronalen Verbindungen in ungünstiger Weise beeinflusst." (www.aerzteblatt.de/archiv/genetik-und-psyche-bedeutung-der-gene-nicht-ueberschaetzen-75935913-7214-4655-9540-a1785eae964f, 18.04.26)
Es gibt die Meinung, dass psychische Probleme durch ein Zusammenspiel von "Genen" und Lebensumständen entstehen (multifaktorielle Genese):
"Menschen mit einer Veranlagung für Depression haben ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere depressive Episoden zu erleben - selbst wenn ihre Lebensumstände günstig erscheinen. Im Gegensatz dazu entwickeln Menschen ohne eine solche Veranlagung normalerweise keine Depression, selbst wenn sie mit großen Herausforderungen konfrontiert sind.
Die Veranlagung, an Depression zu erkranken, kann entweder von den Eltern geerbt oder z.B. durch traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit erworben werden. Bei Personen mit einer Veranlagung können dann beispielweise Lebensereignisse oder körperliche Veränderungen (z.B. hormonelle Veränderungen) eine depressive Episode auslösen. Ist die Veranlagung für Depression sehr hoch, können depressive Episoden auch ohne äußere Auslöser auftreten, d.h. wenn scheinbar 'alles in Ordnung ist.' ...
Da bei einer Depression immer beide Seiten beteiligt sind, erklärt das auch, warum sowohl mit Medikamenten als auch mit Psychotherapie behandelt werden kann." (www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen/ursachen-und-ausloeser, 23.044.26)
Psychische Krankheiten können also durch eine Psychotherapie (Gesprächstherapie) kombiniert mit Medikamenten behandelt werden.
"Psychotherapie ist die therapeutische Behandlung psychischer Erkrankungen durch qualifizierte Fachkräfte im Bereich der psychischen Gesundheit. Sie befasst sich mit Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen und zielt darauf ab, das Wohlbefinden des Betroffenen zu verbessern. Die Kombination von Psychotherapie und Medikamenten ist der wirksamste Weg, die Genesung zu fördern." (mhanational.org/resources/mental-health-treatments/, 18.04.26)
Es gibt aber auch die gegenteilige Meinung, dass die Umwelt entscheidend ist.
"Selbst angenommen, eine Aussage wie 'Meine Intelligenz ist zu 90 % erblich' wäre korrekt, und der Satz wäre überhaupt sinnvoll – was beides nicht der Fall ist –, dann wären diese hypothetischen 90 % trotzdem der Teil, an den wir keinen Gedanken zu verschwenden brauchen. Weil wir sie nicht ändern können. ... Es hat darum überhaupt keinen Zweck, schicksalsverhext auf echte oder mut-maßliche genetische Belastungen zu starren. Das ist nur Verschwendung von Zeit und Kraft. Was Ihnen jeder gute Psychotherapeut sagen würde, gilt auch für Ihre Gene: Hören Sie auf, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Gestalten Sie die Zukunft. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie ändern können." (Lehmann, K. (2022). Für Mein Gehirn Bin Ich Selbst Verantwortlich. Springer, S. 39)
Egal wie groß man den Einfluss der "Gene" bewertet, die Lebensumstände spielen für die Betroffenen von psychischen Problemen eine Rolle. Wir können nicht verhindern, dass Menschen auf der Erde negative Erfahrungen machen. Nur in unserem unmittelbaren Wirkungsbereich können wir Einfluss nehmen und selbst dort ist unser Einfluss begrenzt. (Wir können auch nur im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen, damit wir uns nicht selber gefährden).
Beispiel: Wie versuchen unsere Kinder zu schützen vor schweren oder anhaltenden negativen Erfahrung (z. B. vor einem Verkehrsunfall oder Mobbing). Begrenzte negative Erfahrungen sind nicht nur nicht zu verhindern, sondern sie sind für die Entwicklung eines Kindes notwendig.
Zuerst kann die Hausärztin/der Hausarzt um Hilfe gefragt werden. Sie/er kann an Fachärzte oder Therapeuten überweisen.
Hier kann man sich informieren:
- www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen?format=html
- www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen
- www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/krankheit/behandlungundpflege/behandlungundpflege.aspx
- ...
Jeder Mensch muss selber über seine Lebensziele und seine dazu passende Persönlichkeit entscheiden.
"Die Trennung nach einer kurzen intensiven Liebe habe ihn in eine Lebenskrise gestürzt, erzählt ... Das war vor 25 Jahren. ... ihm fehlten Freunde, und in der Nähe fand er keine Selbsthilfe für Männer, denen es ging wie ihm. Also gründete er selbst die Gruppe, die er brauchte. Heute ist ein Verein daraus entstanden." (Der Spiegel 18/26, S. 91)
Was kann man aus diesem Beispiel lernen? Das Leben ist ein Gleichgewicht aus positiven und negativen Erfahrungen. (Das erinnert an die chinesische Lehre von Ying und Yang.) Wenn wir zufrieden sind und gerade viels positive Erfahrungen machen (frisch verliebt), dann sollten wir auch mögliche negative Erfahrungen "im Blick" haben (eine Trennung). Wenn diese negative Möglichkeit dann eintritt, "wirf sie uns nicht aus der Bahn". Wenn wir unzufrieden sind und psychische Probleme haben, müssen wir an mögliche positive Erfahrungen denken, wie Mitgefühl anderer, professionelle Hilfe, Selbstwirksamkeit, ... . In der Psychologie wird unter Selbstwirksamkeit die feste Überzeugung einer Person verstanden, auch schwierige Situationen, Herausforderungen oder Krisen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können.
In einer negativen Phase und auch präventiv ist es wichtig, Stress zu reduzieren (dazu werde ich einen eignen Text schreiben). Ratschläge wie "denken Sie immer positiv" sind nicht hilfreich. Auch wenn wir noch jung sind und uns gut fühlen, sollten wir doch präventiv einen gesunden Lebensstil verfolgen (siehe auf Learn-Study-Work "Was ist ein gesunder Lebensstil?").
Zu extreme Werte der Persönlichkeit können auch nachteilig sein.
"Auch wenn es prinzipiell vorteilhaft ist, gewissenhaft, verträglich, extravertiert
oder emotional stabil zu sein, können Extremausprägungen in beiden Richtungen Nachteile in unterschiedlichen Bereichen haben ... Niedrige Werte in Emotionaler Stabilität (d. h.,
Neurotizismus hoch) stehen oft mit Angststörungen und einem höheren Risiko an Depressionen zu erkranken im Zusammenhang. Zu hohe Emotionale Stabilität, d. h. wenn jemanden nichts mehr aus der
Ruhe bringt oder stresst, führt möglicherweise dazu, dass man Gefahren übersieht oder zu spät reagiert. Sehr niedrige Werte in Verträglichkeit gehen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre
Erkrankungen z. B. einem Herzinfarkt einher. Möglicherweise gibt es oft Konflikte mit anderen, man misstraut ihnen und schlägt hilfreiche Unterstützung aus. Zu verträgliche und vertrauensvolle
Menschen laufen auf der anderen Seite Gefahr, häufig getäuscht und ausgenutzt zu werden, was die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen schmälert." (Wrzus, C. (2022). Werden, Wer Ich
Bin, Springer-Verlag, S. 34-35)
Menschen, die sehr gewissenhaft (verantwortungsbewusst) und verträglich (hilfsbereit) sind, laufen Gefahr als dumm angesehen und zum Mobbingopfer zu werden.
Wie weh es tut, sich von einer sehr extremen Persönlichkeit zu trennen, zeigt dieser Film (Vorsicht - er ist sehr hart): www.youtube.com/watch?v=4F7_OvLyW2c, 13.05.26.
Weitere Texte auf Learn-Study-Work: "Was ist Respekt?", "Wie auf respektoses Verhalten reagieren?", "Was ist Gesundheit?", "Was ist ein gesunder Lebensstil?", "Wie Probleme lösen?"