Wie einen guten und verständlichen Text schreiben?

Kernaussage: Ein guter Text ist verständlich, angenehm, interessant und anregend. Ein Sachtext erklärt in einer logischen Reihenfolge alle Punkte erklären, die nötig sind, damit der Leser die Aussage des Textes verstehen kann.

 

Was ist ein Text?

Es gibt mehrere Text-Definitionen, keine ist allgemein anerkannt.

 

„Ein Text ist ein Kommunikationsinstrument, mit dem ein Autor einem Leser eine Mitteilung über einen Sachverhalt macht. Der Autor versucht dabei das Bewusstsein des Lesers mittels sprachlicher Formulierungen so zu steuern, dass der Leser versteht, was der Autor meint.“ (Schnotz, W. (2006). Textverständnis, in: Rost, D.H. (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. (3. Aufl.), Weinheim: Psychologie Verlags Union, S. 769-777)

 

Jeder Text hat mindestens eine Mitteilung (eine Aussage). Eine beliebige Folge von Buchstaben (z. B. uihagnudn) ist kein Text.

 

Definition: Ein Text ist die Folge schriftlicher Sprachzeichen, die mindestens eine Aussage haben.

 

Jeder Text hat zwei Seiten: den Inhalt der Aussage und den Stil der Aussage. Der Stil bei einem Text ist Art und Weise, wie die Aussage formuliert ist (siehe unten 3. Hindernis).

 

Was ist ein guter Text?

Ein guter Text ist verständlich, angenehm, interessant und anregend.

 

Es lässt sich „unser Grundrecht auf verständliche, angenehme, interessante Lektüre zu drei Grundforderungen zusammenfassen … 1. Schreiber und Redner: Fasse Dich kurz! … 2. Faß die Sache – triff das Ziel … 3. Liebe deinen Leser wie dich selbst! … Was sie [die Leser] angenehm finden, was sie anregt: Das zählt.“ (Schneider, W. (1988). Deutsch für Kenner. Die neue Stilkunde. Hamburg: Gruner + Jahr, S. 40 u. 41)

 

Ein Text ist interessant, wenn er dem Leser etwas Neues und Nützliches bietet. Er ist angenehm, wenn der Leser sich unterhalten fühlt. Und er ist anregend, wenn der Leser dazu gebracht wird, seine Vorstellungskraft einzusetzen.

 

Wann ist ein Text gut zu verstehen?

„Allenthalben fehlt es an der Einsicht, dass immer einer sich plagen muss, wenn ein komplizierter Vorgang verständlich beschrieben werden soll: der Schreiber oder der Leser. Schreiber neigen dazu, diese Plage auf die Leser abzuwälzen …“ (Schneider, W. (1988). Deutsch für Kenner. Hamburg: Gruner + Jahr, S. 43)

 

Auf Grundlage ihre Forschungsergebnisse haben Hamburger Psychologen vier Merkmale gefunden, die einen verständlichen Text auszeichnen:

 

1. Einfachheit

 

„Einfachheit bezieht sich auf die Wortwahl und den Satzbau, also auf die sprachliche Formulierung: geläufige, anschauliche Wörter sind zu kurzen, einfachen Sätzen zusammengefügt. Treten schwierige Wörter auf (Fremdwörter, Fachausdrücke), so werden sie erklärt.“ (Langer, I., Schulz von Thun, F., Tausch, R. (2002). Sich verständlich ausdrücken. München; Basel: Ernst Reinhardt, S. 16)

 

Ein verständlicher Text ist in richtigem und stilistisch gutem Deutsch geschrieben.

Was richtiges Deutsch ist sagt die Grammatik, die für die formalen Regeln der deutschen Sprache zuständig ist (die Rechtsschreibung ist ein Teilgebiet der Grammatik). Zur Grammatik gibt es unzählige Bücher und Internetseiten.

Was gutes Deutsch ist untersucht die Stilistik. Stil ist die Art und Weise, in der jemand spricht oder schreibt. Stillehren sind Bücher, die erklären was guter Stil ist (z. B. „Duden – Richtiges und gutes Deutsch“). Wolf Schneider, der Leiter der Hamburger Journalistenschule bis 1995, schreibt in seinem Buch "Deutsch fürs Leben": "Wer sich die folgenden 48 Regeln [für Journalisten] einmal einverleibt hat, braucht für gutes Deutsch oft nicht länger als für schlechtes." (Schneider, W. (2010). Deutsch fürs Leben. Reinbek: Rowohlt, S. 19).

 

2. Gliederung / Ordnung

 

"Dieses Merkmal bezieht sich auf die innere Ordnung und auf die äußere Gliederung eines Textes.
Innere Ordnung: … Die Informationen werden in einer sinnvollen Reihenfolge dargeboten.
Äußere Gliederung: Der Aufbau des Textes wird sichtbar gemacht. Zusammengehörige Teile sind übersichtlich gruppiert, z. B. durch überschriftete Absätze."  (Langer, I., Schulz von Thun, F., Tausch, R. (2002). Sich verständlich ausdrücken. München; Basel: Ernst Reinhardt, S. 18)

 

Ich kann einen komplizierten Sachverhalt nur dann einfach beschreiben, wenn ich ihn verstanden habe. Etwas verstanden haben heißt, nicht nur die Aussagen, sondern auch die Beziehungen zwischen den Aussagen zu kennen. Die Struktur ist die Art und Weise, wie die Teile eines Ganzen angeordnet sind und entsprechend in Beziehung stehen. Ich muss also die Struktur des Sachverhaltes verstanden haben, um über diesen Sachverhalt einen gut strukturierten Text schreiben zu können.

 

3. Kürze / Prägnanz (Genauigkeit)

 

Ein guter Text ist nicht zu lang und nicht zu kurz. Er beschränkt sich auf das Wesentliche. Ist ein Text zu kurz, bleiben Fragen offen. Ist er zu lang, dann beschreibt er Überflüssiges wie z. B. zu viele Details.

 

4. Anregende Zusätze

 

Ein wissenschaftlicher Text z. B. soll sachlich, aber auch anregend sein. Deshalb soll er einige anregende Zusätze enthalten. Sparsam eingesetzt erhöhen diese die Anschaulichkeit des Textes und seinen Erinnerungswert. Ein interessantes Beispiel wäre solch ein anregender Zusatz.

 

Wie entsteht eine klare Textstruktur?

Ein längerer Text (lateinisch textus: Gewebe, Zusammenfügung) hat eine hierarchische Struktur. Diese ergibt sich aus der Notwendigkeit die Hauptaussage durch Verwendung von Teilaussagen zu erklären. Die Teilaussagen werden durch Teiltexte beschrieben, die auch als Textsegmente bezeichnet werden. Diese stellen „wesentliche Sinneinheiten“ dar. In ihnen „werden Subthemen entfaltet, die zur Entwicklung des Gesamttextes (und des Hauptthemas) beitragen …“ (https://web.archive.org/web/20081222153848/http://www-user.uni-bremen.de:80/~schoenke/tlgl/tlgl.html, siehe unter Teiltext, 20.10.10)

 

„Für Harweg sind Texte sowohl als ‚hierarchisch strukturierte Gebilde‘ (Harweg 1990: 17), ‚von oben nach unten‘ unter Berücksichtigung des Textthemas gebildet als auch linear konstituiert, ‚von links nach rechts‘.“ (https://web.archive.org/web/20081222153848/http://www-user.uni-bremen.de:80/~schoenke/tlgl/tlgl.html siehe unter Textstruktur, 15.11.12)

 

Die Struktur eines Textes könnte also so aussehen:

Wie einen guten und verständlichen Text schreiben? Der rote Faden - www.learn-study-work.org

Jedes Inhaltsverzeichnis zeigt vom Prinzip her solch eine hierarchische Textstruktur. Jeder Text beantwortet eine Hauptfrage, deren Antwort die Hauptaussage des Textes ist. Genauso beantwortet jedes Kapitel und Unterkapitel eine Teilfrage, deren Antwort eine Teilaussage ist.

 

"Strukturanalysen literarischer Texte … zielen auf eine exakte Erfassung der Textbedeutung und ihres Zustandekommens. Hierzu zerlegen sie den Text in seine verschiedenen Ebenen und Elemente und suchen eine hierarchische Ordnung aufzudecken … “ (Schutte, J. (1993). Einführung in die Literaturinterpretation, Stuttgart, Weimar: J. B. Metzler, S. 94)

 

Es wäre optimal, wenn eine Authorin solch eine Textstruktur schon im Kopf hat, wenn sie mit dem Schreiben beginnt. Aber dies ist nicht notwendig (siehe unten) und ein Text beginnt auch nicht mit der Hauptaussage.

 

Der rote Faden zeigt die lineare Verknüpfung der Teiltexte. Diese müssen logisch aufeinander folgen. Das heißt, der Leser muss zuerst die Teiltexte lesen, die zum Verständnis der nachfolgenden Teiltexte notwendig sind. Es darf keine Auslassungen oder Sprünge geben.

 

Der rote Faden ist der leitende Grundgedanke, der sich durch den Text zieht. Das obige Bild macht das deutlich:

 

Definition: Den „roten Faden“ bilden alle Teiltexte, die eine Verbindung zur Hauptaussage des Textes haben und in einer logischen Reihenfolge stehen.

 

In dem obigen Bild ist das Unterkapitel 1.3 ist überflüssig, weil es keine Verbindung zur Hauptaussage hat und deshalb nicht zum roten Faden des Textes gehört. Es trägt nicht dazu bei, die Hauptaussage deutlich zu machen und sollte weggelassen werden.

 

Was ist die Hauptaussage eines Textes?

Die Hauptaussage ist die wichtigste Aussage des Textes sehr kurz formuliert, am besten in einem Satz. Sie drückt das Wesentliche an einem Text aus:

 

„Nachdem Onkel Herbert die erste Geschichte im Stern gelesen hat, ruft er zum Beispiel in die Küche: „Helga stell dir vor: Wenn das mit der Klimakatastrophe so weitergeht, wird in 40 Jahren Wiesbaden an der Nordsee liegen!“ Dieser … Küchenzuruf … ist die Antwort auf die Frage: „Was will uns der Autor mit seinem Text sagen?“ “ (Reiter, M., Sommer, S. Perfekt schreiben (2009), München, Carl Hanser Verlag, S. 20)

 

Der Küchenzuruf ist die Hauptaussage eines Textes. Oft ist es schwierig, solch eine Hauptaussage zu formulieren, weil diese von dem Blickwinkel des Lesers abhängt, mit dem er den Text sieht (was interessiert ihn an dem Text am meisten). Jeder Leser kann die Hauptaussage selber festlegen. Manchmal ist es einfacher die Hauptfrage zu bestimmen, die der Text beantwortet. Die Hauptaussage wäre dann die Antwort auf diese Hauptfrage (s. u.).

 

"Textverstehen ist ein … zielorientierter Prozess. … Mikrostrategien richten sich auf das Verstehen der aufeinanderfolgenden Textaussagen … Makrostrategien hingegen richten sich auf das Herausarbeiten der Hauptideen eines Textes.“ (Schnotz, W. (2006). Textverständnis, in Rost, D. H. (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie, Weinheim: Beltz Verlag, S. 774)

 

Warum ist das Schreiben eines Textes oft ein Problem?

"Schreiben ist harte Arbeit. Ein klarer Satz ist kein Zufall. Sehr wenige Sätze stimmen schon bei der ersten Niederschrift oder auch nur bei der dritten. Nehmen Sie das als Trost in Augenblicken der Verzweiflung. Wenn Sie finden, dass Schreiben schwer ist, so hat das einen einfachen Grund: Es ist schwer."  William Zinsser, "On Writing Well"

 

Ein Problem existiert, wenn es auf dem Weg zu einem Ziel Hindernisse gibt. Auch beim Schreiben eines schwierigen Textes können Hindernisse auftreten. Deshalb ist es wichtig, einen Schreibpan zu haben.

 

"Ein Schreibplan wird dann nötig, wenn sich der Schreiber nicht in der Lage sieht, sein kommunikatives Ziel auf direktem Weg zu realisieren. Dabei können die Hindernisse ganz unterschiedlicher Natur sein; dem Schreiber kann es an dem nötigen thematischen Wissen mangeln, er kennt die Adressaten und deren Vorwissen nicht, er hat keine Ideen zur Entfaltung des Themas, ihm fehlen passende Formulierungen und anderes mehr." (Becker-Mrotzek, M. (2007). Planungs- und Überarbeitungskompetenz entwickeln, in: Informationen zur Deutschdidaktik, 31 (2007) 1, S. 25-34)

 

1. Hindernis: "das nötige thematische Wissen fehlt"

Wer einen Text schreiben will oder muss hat meist schon einiges Wissen zu dem betreffenden Thema. Man darf nur nicht glauben, man könne deshalb den Text einfach herunterschreiben. Das können nur Experten, die zu dem Thema schon mehrere Texte verfasst haben.

 

"Es ist ein bekanntes Phänomen, auf unerwartete noch offen gebliebene Fragen zu stoßen, wenn man versucht, ein Problem zusammenhängend und überzeugend darzustellen, weil man dann weniger leichtfertig über scheinbar bekanntes hinweggeht. … Probleme dabei sind oftmals ein Indikator für unvollständige eigene Erkenntnis." (Ascheron, C. (2007). Die Kunst des wissenschaftlichen Präsentierens und Publizierens, München: Elsevier GmbH, S. 179)

 

"Schreibende müssen sich daher ständig fragen: Was will ich eigentlich sagen? Erstaunlich oft wissen sie es nicht." (Zinser, W. (2001). On Writing Well, New York: HarperCollins Publishers, S. 12, meine Übersetzung)

 

Wer eine „Schreibblockade“ hat, sollte als erstes prüfen, ob sein thematisches Wissen ausreichend ist. Neues Wissen baut immer auf schon vorhandenem Wissen auf. Das Gleiche gilt für Texte. Deshalb benötige ich andere Texte als Grundlage und als Vorbilder, wenn ich einen neuen Text schreiben will.

 

Wenn ich andere Texte kombiniere, dann ist mein neuer Text anders und hoffentlich besser als die Originale. Er soll meine Meinung und mein Denken ausdrücken. Sollte sich der Inhalt meines Textes nicht viel von einem Original unterscheiden, dann muss ich natürlich immer das Original als Quelle angeben (sonst ist es ein Plagiat).

 

Es kann sein, dass ich viele verschiedene Texte finden und lesen muss, um mir das notwendige thematische Wissen anzueignen.

 

2. Hindernis: "keine Idee zur Entfaltung des Themas"

Wer keine Idee hat zur Entfaltung des Themas, der weiß nicht, wie er seinen Text strukturieren soll. Im Folgenden wird beschrieben, wie man vom Allgemeinen zum Besonderen vorgeht, um den Text zu strukturieren / zu gliedern. (Wie vom Besonderen zum Allgemeinen = von der Stoffsammlung zur Stoffordnung vorgegangen wird: siehe auf Learn-Study-Work "Die Gliederung".)

 

In dem Zitat oben wird gesagt, dass man für das Schreiben eines schwierigen Textes einen Plan benötigt. Der erste Schritt zu einem Plan ist die Entscheidung, welche Hauptaussage der Text haben soll. Ich muss eine Literaturrecherche durchführen, um zu sehen, was andere zu dem Thema geschrieben haben, denn meine Hauptaussage muss zu der vorhandenen Literatur passen.

 

Wenn ich die Hauptaussage weiß, kann ich diese als Ausgangspunkt für meine Gliederung verwenden. Ich frage mich: Was muss ich dem Leser mitteilen, damit er die Hauptaussage versteht? Durch das Beantworten dieser Frage finde ich Teilaussagen. Diese untergliedere ich weiter: Was muss ich dem Leser mitteilen, damit er die Teilaussagen versteht?

 

So kann ich fortfahren, bis ich die unterste Ebene meiner Gliederung (die unterste Kapitelebene) erreicht habe. Ein Text sollte möglichst nicht mehr als 3 Gliederungsebenen habe, damit er nicht unübersichtlich wird. Auch auf der untersten Ebene frage ich mich: Was muss in diesem Unter-Kapitel stehen, damit der Leser die Teilaussage dieses Unter-Kapitels versteht? Als Antwort auf diese Frage schreibe ich dann den Text. Diesen untergliedere ich in Absätze, damit er gut aussieht und leichter zu lesen ist.

 

Das folgende Bild beschreibt die Vorgehensweise für die ersten beiden Gliederungsebenen eines Textes:

Wie einen guten und verständlichen Text schreiben? Textstruktur - Was muss der Leser wissen? - www.learn-study-work.org

Bei dieser Vorgehensweise muss ich natürlich den Kenntnisstand meiner Leserschaft abschätzen, um die passende Struktur zu finden: Laien muss ich mehr erklären als Fachleuten.

 

Wenn ich die Hauptaussage meines Text am Anfang noch nicht weiß, kann ich die Hauptfrage als Ausgangspunkt verwenden. Ich also mit dem Schreiben nicht warten, bis ich den ganzen Text durchgeplant habe. Ich frage mich: Welche Teilfragen muss ich beantworten, damit ich die Antwort auf die Hauptfrage finde?

 

Sobald ich eine Teilfrage gefunden habe, kann ich beginnen sie zu bearbeiten: Ich eigne mir das nötige thematische Wissen an und versuche die Antwort auf die Teilfrage gleich aufzuschreiben. Dieser erste Entwurf muss nicht perfekt sein. Ich habe mich schon oft geärgert, dass ich meine Gedanken zu einer Frage nicht gleich notiert habe. Später musste ich mich dann aber wieder neu in die Frage einarbeiten.

 

Wenn ich den Text zu einer Teilfragen geschrieben habe, ergibt sich aus ihm meist die nächste Teilfrage, die ich bearbeiten muss. Zur linearen (logischen) Gliederung meines Textes komme ich oft ganz von alleine. Ich muss nur überprüfen, ob ich nicht eine Teilfrage vergessen habe. Es kommt aber auch vor, dass ich eine bearbeitete Teilfrage, gar nicht in meinem Text aufnehme.

 

Ein guter Ausgangspunkt zum Finden von Teilfragen ist es, die Definitionen der Begriffe nachzusehen, um die es in dem Text gehen soll. Denn etwas präzise zu definieren ist nicht leicht und wirft viele Fragen auf.

 

Wenn ich den Text fertig geschrieben habe, dann habe ich hoffentlich die Antwort auf die Hauptfrage gefunden. Jetzt überprüfe ich die gewählte Struktur. Ein Text darf keine Aufzählung sein, bei dem die Aufzählungspunkte ohne logischen Zusammenhang aufeinander folgen. Solch ein Text ist langweilig. Ein logisch aufgebauter Text ist leicht zu lesen und gibt dem Leser die Gelegenheit mitzudenken.

 

Heutzutage wird oft der Ratschlag gegeben: „Tell a story!“ (Erzähl eine Geschichte!) Eine Geschichte entsteht aus der Beschreibung von aufeinander folgenden Ereignissen. Bei einer guten Geschichte denkt das Publikum mit und fragt sich: "Was geschieht als nächstes?" Bei einem Text soll das auch so sein.

 

3. Hindernis: "das Fehlen passender Formulierungen"

In einer Sprache gibt es für jedes Ding, für jede Erscheinung und für jeden Vorgang ein Wort. Wenn wir die Wörter zueinander in Beziehung setzen und Sätze formulieren, können wir Aussagen machen. Eine Aussage ist die sprachliche Darstellung eines Sachverhaltes. (Seiffert, H. (1975). Einführung in die Wissenschaftstheorie 1, München: Verlag C. H. Beck, S. 53 u. 60 ff.)

 

Anders gesagt: Wenn wir etwas Sinnvolles aussagen wollen, müssen wir die passenden Worte in eine Sinnbeziehung bringen. Einen solchen Sinnzusammenhang nennt man Satz. (Klein, H. W., Strohmeyer, F. (1967). Französische Sprachlehre, Stuttgart: Ernst Klett Verlag, S. 13).

 

Um über einen Sachverhalt verständliche Sätze formulieren zu können, muss ich

 

1) ... den Sachverhalt verstanden haben (s. o.).

 

2) ... den passenden Wortschatz besitzen.

Welche Fachwörter für einen speziellen Sachverhalt verwendet werden, sehe ich in den Texten, die andere zu diesem Sachverhalt geschrieben haben. Es gibt Formulierungshilfen, die zeigen welcher Wortschatz zum Schreiben im Studium verwendet werden sollte (z. B.
https://www.stksachs.uni-leipzig.de/files/media/pdf/studienbegleitung/schreibkurs/P31Formulierungshilfen.pdf, 11.07.15).

 

3) ... die Grammatik und die Rechtschreibung beherrschen.

 

4) ... den richtigen Stil für meine Aussagen wählen.

Wenn wir etwas tun, dann ist es nicht nur wichtig was wir tun, sondern auch wie wir es tun. Der Stil ist die Art und Weise wie wir etwas tun.

 

Wenn ich einen Freund an ein heutiges Treffen erinnern will, habe ich verschieden Möglichkeiten dies zu formulieren: "Vergiss unser heutiges Treffen nicht." "Sei heute pünktlich!", "Komm heute bitte pünktlich!", "Wenn du heute nicht pünktlich kommst, kriegst du Ärger." … Welches die passende Formulierung ist, hängt ab von der speziellen Situation. Jeder weiß wie peinlich es ist, wenn man die falschen Wörter benutzt.

 

"Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigem Wort ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen." (Mark Twain, Brief an George Bainton, veröffentlicht in "The Art of Authorship" von George Bainton)

Text schreiben - Textinhalt und Textstil - Textsorte - www.learn-study-work.org

Wenn ich einen Text schreiben will, dann benötige ich erst einmal eine Idee zu dem, was ich mit dem Text aussagen will. Dann überlege ich, ob der geplante Text zu einer Textsorte gehört. Manchmal kann ich zwischen mehreren möglichen Textsorten wählen (z. B. zwischen einem Brief und einer Email).

 

"Verfügen Texte über die gleichen Merkmale, Formen, Zielsetzungen und werden in ähnlichen kommunikativen Situationen verwendet, so können sie bestimmten Textsorten zugeordnet werden." (Fischer, C. (2010). Texte, Gattungen, Textsorten und ihre Verwendung in Lesebüchern. Dissertation, Justus-Liebig-Universität Gießen, S. 15)

 

Für jede Textsorte wurden Stilregeln festgelegt. Wenn ich also einen Text schreiben will, der zu einer bestimmten Textsorte gehört (z. B. einen Geschäftsbrief oder ein Gedicht), muss ich mich über die für diese Textsorte geltenden Stilregeln informieren und sie befolgen.

 

Da die Stilregeln für die Textsorten meist nur grobe Regeln sind, gibt es immer noch Möglichkeiten den Text in einem persönlichen Stil zu schreiben. Anzustreben ist immer ein Stil, der den Text für den Leser leicht verständlich macht.

 

"Stil entsteht durch Klarheit, Einfachheit, Aufrichtigkeit und Ordnung …" (William Strunk, jr. (1959). "The Elements of Style")

 

Wenn ein Text schlecht verständlich ist, dann hat sich der Autor nicht genug angestrengt.

 

"Allenthalben fehlt es an der Einsicht, daß immer einer sich plagen muß […]: der Schreiber oder der Leser. Schreiber neigen dazu, diese Plage auf die Leser abzuwälzen ..." Wolf Schneider, zitiert in www.uni-wh.de/fileadmin/user_upload/00_Startseite/Stil-Leitfaden.pdf, 09.02.22, S. 1)

 

4. Hindernis: die Zeit fehlt zum gründlichen Überarbeiten

"Schreiben ist harte Arbeit. Ein klarer Satz ist kein Zufall. Sehr wenige Sätze stimmen schon bei der ersten Niederschrift oder auch nur bei der dritten."  (Zinser, W. (2001). On Writing Well, New York: HarperCollins Publishers, S. 12)

 

Einen einfachen Sachverhalt zu beschreiben ist nicht schwer, wie z. B. "Wir treffen uns heute um 17:00 Uhr am Bahnhof." Die Beschreibung eines komplexen Sachverhaltes aber gelingt nicht im ersten Versuch. Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage, alle Faktoren auf einmal zu bedenken, die beim Schreiben eines schwierigen Textes wichtig sind.

 

Bei einem fertigen Text muss der Leser einen "logischen Fluss" erkennen und der Stil muss zu dem Inhalt passen (die Formulierungen und die Gestaltung des Textes). Deshalb müssen anspruchsvolle Texte mehrfach überarbeitet werden, wofür Zeit einzuplanen ist.

 

Wie sieht der Schreibplan für einen schwierigen Text aus?

1. Ich schätze ab, wieviel Zeit für das Schreiben des Textes zur Verfügung steht.

 

2. Ich lege fest, welche Hauptfrage der Text beantworten soll.

 

3. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Antwort auf die Hauptfrage aussehen könnte.

Dazu führe ich eine Literatursuche durch, um andere Texte zu finden, die auch etwas zu dieser Hauptfrage sagen. Mit diesen Texten als Vorbild entwickele ich eine Idee für die Antwort auf die Hauptfrage = für die Hauptaussage meines Textes. (Vielleicht gibt es noch andere Quellen, die ich als Vorbild verwenden kann, wie z. B. jemanden befragen.)

 

4. Ich überlege mir, welche Unterfragen ich beantworten muss, damit eine Leserin meine Hauptaussage verstehen kann.

Ich lege also die Struktur meines Textes fest, das heißt, ich mache eine Gliederung.

 

5. Auch zu den Unterfragen mache ich eine Literatursuche, lese die passenden Texte und überprüfe meine Gliederung.

Beim Lesen der Literatur achte ich immer auch darauf, welchen Stil die anderen Texte verwenden (Fachwörter, Formulierungen, Gliederung, Visualisierungen). Dadurch fällt es mir später leichter meinen Text zu formulieren.

 

6. Zum Schluss schätze ich ab, ob ich den geplanten Text in der zur Verfügung stehenden Zeit fertigstellen kann.

Dabei berücksichtige ich, dass ich für die Überarbeitung des Textes zusätzliche Zeit benötige. Auch eine Zeitreserve für unerwartete Störungen plane ich ein. Wenn die Zeit für den Schreibplan nicht ausreicht, muss ich die Hauptfrage oder meine Gliederung verändern oder die Unterfragen kürzer beantworten.

 

Auch wenn mein Schreibplan noch nicht ganz ausgereift ist, kann ich mit dem Schreiben beginnen, weil ich jetzt sicher bin, den Text schreiben zu können. Weitere Einsichten kommen dann beim Schreiben.

 

Unsicherheit wird oft durch übermäßige "Informationssammlung bekämpft … oder durch blinden (weil kaum auf Informationen gestützten) Aktionismus." (Dörner, D. (2000). Die Logik des Mißlingens, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, S. 153)

 

Bei guter Planung habe ich zum Schluss noch ausreichend Zeit, meinen Text zu überarbeiten. Ich lese ihn mehrmals durch und achte auf Rechtschreibfehler und holprige Stellen. Wenn der Text gut verständlich ist und sich flüssig lesen lässt, ist er fertig.

 

Das Schreiben von guten und verständlichen Texten ist eine Fähigkeit, die sich nur durch Üben erwerben lässt.