Wie studieren?

Kernaussage: Wofür studiert man? Für einen Job mit Routineaufgaben muss man nicht an einer Hochschule studieren.

 

Der folgende Text soll einmal drei Teile haben: Zuerst werden einige grundlegende  Fragen beantwortet. Dann wird beschrieben werden, wie ein ideales Studium aussehen sollte. Zum Schluß wird erklärt, wie man zurechtkommen soll, wenn das Studium nicht ideal ist. (Der Text ist noch nicht ganz ausgereift und wird laufend überarbeitet.)

 

Einmal habe ich zu einer Professorin gesagt: "Studieren heißt mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel zu lernen." Ihre Antwort: "Warum nicht mit etwas mehr Anstregung noch mehr lernen?" Tja, warum nicht? Weil manchmal weniger mehr ist, weil übertriebene Quantität der Qualität schadet.

 

Der "Spiegel" schreibt: "Mit Perfektionismus kommt man beim Studieren ... nicht weit." (www.spiegel.de/start/richtig-studieren-drei-strategische-fehler-im-studium-und-wie-man-sie-vermeidet-a-63b159b2-fc05-4e76-a6e3-909ed8b3a5e0, 09.12.21).

 

Ich interpretieren diesen Satz so: Man soll nur das lernen, was man für die Prüfungen braucht. In dem Artikel steht, man soll das Wichtige lernen. Was das Wichtige ist, wird leider nicht genau erklärt.

 

Wer alles tiefgreifend verstehen will, der wird scheitern. Das ist zwar richtig, aber wer nicht versucht, wenigsten das Grundlagenwissen "perfekt" zu beherrschen, der wird in seinem Leben auch nicht glücklich werden (meine Hypothese).

 

Es gibt also zwei Meinungen:

  1. Es reicht, wenn man für die Prüfungen lernt, weil dort alles das abgefragt wird, was man später braucht.
  2. Man soll auch ein klein wenig Idealist sein und lernen Probleme zu lösen.
Wie studieren? Warum studiere ich? Ich brauche Kreativität und die Fähigkeit Problem zu lösen - www.learn-study-work.org

(Die beiden Texte "Wie studieren?" und "Wie lernen?" auf Learn-Study-Work gehören zusammen, weshalb Sie auch "Wie lernen?" lesen sollten.)

 

Was sind die Ziele eines Studiums an einer Hochschule?

Für die Studierenden ist es im Verlaufe ihres Studiums erst einmal wichtig, alle Prüfungen zu bestehen und dies mit einer möglichst guten Note. Was sie nach dem Studium können müssen, darüber haben nur wenige eine klare Vorstellung.

 

"Künftige Arbeitgeber [und auch die Gesellschaft; F. S.] erwarten von Hochschulabsolventen, dass sie in der Praxis Probleme lösen. ... Hochschulen müssen Studierenden Kompetenzen vermitteln und Studierende müssen diese selbst erwerben. Das erfordert Anstrengung. Es geht um Vermittlung und Erwerb von Grundlagenwissen und Methoden, der Fähigkeit, Probleme zu definieren und zu lösen." (Lange, J. (2013) Herausforderungen in Lehre und Studium, www.stifterverband.com/forum_hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html), 06.04.14, nach unten scrollen)

Wie studieren? Die Ziele eines Studiums an einer Hochschule - Problemlösen und Kommunikations sind die wichtigsten Fähigkeiten - www.learn-study-work.org

„Bei einem Problem besteht Diskrepanz zwischen einem Ist- und einem Soll-Wert, zwischen beiden Zuständen besteht eine Barriere, [die überwunden werden muss] … Bei einer Aufgabe besteht zwar eine geistige Anforderung, die Methoden zur Bewältigung sind jedoch bekannt. … Der Unterschied zwischen Problem und Aufgabe ist vom Vorwissen abhängig, … d. h. die gleiche Situation kann für eine Person eine Aufgabe und für eine andere Person ein Problem darstellen …“ (www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/mitarb/ms/PH_Einfuehrung.pdf, S. 11, 02.05.14, interessant sind die Seiten 1 – 13)

 

Nach einer Berufsausbildung soll man in dem jeweiligen Berufsfeld Aufgaben ausführen und kleinere Probleme lösen können. Ein Studium soll die Fähigkeit vermitteln größere Probleme lösen zu können, auch solche, die unerwartet auftreten.

 

Ein Beispiel: Eine Ärztin stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie, die von einer medizinischen Fachkraft durchgeführt wird. Die Ärztin löst das Problem und die Fachkraft hat die Aufgabe, die festgelegte Therapie optimal durchzuführen, was auch nicht einfach ist und viel Erfahrung erfordert. (Wertvoll sind Menschen, die gut arbeiten, egal an welchem Arbeitsplatz.)

 

„Das Lösen komplexer Probleme gehört zu unserem täglichen Leben: das Finden der richtigen Person, mit der man sein Leben teilen will, eine Karriere zu wählen, die nicht nur Geld einbringt, sondern auch glücklich macht. Natürlich beschränkt sich kreatives Problemlösen nicht nur auf persönliche Probleme – das Leben auf der Erde gibt uns viele harte Nüsse zu knacken: Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Kriegsgefahr, Nutzung und Verteilung natürlicher Ressourcen." (Dörner, D., & Funke, J. (2017). Complex problem solving: what it is and what it is not. Frontiers in psychology, 8, 1153, S. 6)

 

Problemlösen ist nicht möglich nicht ohne das richtige Wissen (siehe auf Learn-Study-Work "Wie Probleme lösen").

 

Was ist Wissen?

Das Wort "Wissen" hat zwei Bedeutungen:

 

1. Wissen bedeutet Kenntnis haben von etwas. Das Wissen einer Person sind die Fakten und Regeln, die die Person in ihrem Gedächtnis gespeichert hat.

 

Kenntnisse  (= Wissen) sind "das Ergebnis der Verarbeitung von Information durch Lernen. Kenntnisse bezeichnen die Gesamtheit der Fakten, Grundsätze, Theorien und Praxis in einem Arbeits- oder Lernbereich. Im Europäischen Qualifikationsrahmen werden Kenntnisse als Theorie- [= Regel] und/oder Faktenwissen beschrieben" (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 10.08.21)

 

2. Wissen bedeutet "wissen wie" (know how). Diese Bedeutung wird auch mit Skill (Fertigkeit) oder Kompetenz bezeichnet (für mich sind Skill und Kompetenz das Gleiche).

 

Fertigkeiten sind "die Fähigkeit, Kenntnisse anzuwenden und Know-how einzusetzen, um Aufgaben auszuführen und Probleme zu lösen. Im Europäischen Qualifikationsrahmen werden Fertigkeiten als kognitive Fertigkeiten (logisches, intuitives und kreatives Denken) und praktische Fertigkeiten (Geschicklichkeit und Verwendung von Methoden, Materialien, Werkzeugen und Instrumenten) beschrieben" (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 10.08.21)

 

Definition: Wissen ist zum einen die Kenntnis von Fakten und Regeln und zum anderen die Fähigkeit Fakten und Regeln anwenden zu können.

 

"Wie der Nobelpreisträger Herbert Simon weise feststellte, hat sich die Bedeutung von "Wissen" verlagert von der Fähigkeit sich an Informationen zu erinnern und sie zu wiederholen, zur Fähigkeit sie zu finden und zu nutzen ..." (National Research Council (2000). How People Learn: Brain, Mind, Experience, and School: Expanded Edition. Washington, DC: The National Academies Press, S. 5)

 

Besteht Wissen aus Fakten und Regeln?

"Als Wissen wird üblicherweise ein für Personen oder Gruppen verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln verstanden  ..." (https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen, 02.08.21)

 

"Im Europäischen Qualifikationsrahmen werden Kenntnisse [= Wissen] als Theorie- und/oder Faktenwissen beschrieben"
(https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 10.08.21)

 

Was ist der Unterschied zwischen Theorien und Regeln? In der Wissenschaft werden Regeln oft als "wissenschaftliche Gesetze" bezeichnet.

 

"Wissenschaftliche Gesetze ähneln wissenschaftlichen Theorien insofern, als es sich um Prinzipien handelt, mit denen sich das Verhalten der natürlichen Welt vorhersagen lässt. ... Gewöhnlich beziehen sich wissenschaftliche Gesetze auf Regeln, wie sich die Natur unter bestimmten Bedingungen verhält, häufig in Form einer Gleichung. Wissenschaftliche Theorien sind eher übergreifende Erklärungen dafür, wie die Natur funktioniert und warum sie bestimmte Eigenschaften aufweist." (Poulsen, T. (2010) Introduction to Chemistry. CK-12 Foundation, https://openedgroup.org/books/Chemistry.pdf, S. 15)

 

Theorien sind eine Kombination von Regeln zu einem bestimmten Thema. Also besteht Wissen aus Fakten und Regeln.

 

"Ein Fakt ist eine objektive Beobachtung oder Messung, die von jedem geschulten Beobachter nachprüfbar ist." (Moores, E. M., Twiss, R. J. (2014) Tectonics. Long Grove: Waveland Press, S. 248)

 

"Im weitesten Sinne kann eine Regel jede Aussage sein, die besagt, dass eine bestimmte Schlussfolgerung gültig sein muss, wenn eine bestimmte Prämisse erfüllt ist, d.h. jede Aussage, die als Satz in der Form 'wenn ... dann ...' formuliert werden kann." (Hitzler P., Krötzsch M., Rudolph, S. (2009). Foundations of Semantic Web Technologies. Chapman & Hall/CRC, S. 213 - 216)

  

Regeln sind bedingte Aussagen, die angeben, zu welchem Ergebnis man kommt, wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt ist: wenn diese Bedingung erfüllt ist, dann ergibt sich dies Ergebnis.

 

Beispiel für eine Regel: Wenn ich die Fläche eines Rechtecks berechnen will, kann ich die Formel: Fläche A = Länge x Breite verwenden. Die Formel ist eine Regel: Wenn ich die Länge mit der Breite multipliziere, dann erhalte ich die Fläche des Rechtecks. Das geht aber nur, wenn ich die Werte für die Länge und die Breite kenne. Die Werte sind Fakten.

 

Beispiel für das Anwenden von Regeln: Raps wandert von oben nach unten durch einen Behälter und wird mit heißer Luft im Gegenstrom getrocknet (siehe Bild). Es gilt die Regel, dass heiße Luft viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Um die Trockenleistung zu verbessern sollen in den Behälter zusätzliche Heizkörper eingebaut werden. Ist es besser diese längs anzuordnen oder sollen die Heizkörper aus querliegenden Rohren bestehen? Bei den querliegenden Rohren kommen alle Rapskörner auf ihrem Weg von oben nach unten einmal in die Nähe eines heißen Rohres, bei den längsliegenden Heizkörpern befinden sich immer die gleichen Körner in der Nähe der Heizfläche. Es gilt die zusätzliche Regel, dass es vorteilhaft ist, wenn das Trockengut gleichmäßig erhitzt wird. Natürlich gibt es eine Temperatur, die nicht überschritten werden darf, damit der Raps keinen Schaden nimmt. Diese Temperatur ist ein Fakt, den man wissen muss.

Wie studieren? Beispiel für das Anwenden von Regeln und Fakten - Trocknung von Raps - www.learn-study-work.org

Welche Art von Wissen sollen sich Studierende im Verlauf des Studiums aneignen?

Viele Studierende glauben, dass es darum geht, nach einem Studium möglichst viel Wissen erinnern zu können. Das Wissen soll breit und tiefgreifend sein. Anders ausgedrückt bedeutet das, man soll auf möglichst vielen Gebieten möglichst viele Details kennen. So formuliert, kommen Zweifel auf, ob das überhaupt machbar ist.

 

Eine Expertin hat ein sehr tiefgreifendes Wissen, aber nur auf einem speziellen Gebiet. (Auf diesem Gebiet ist sie in der Lage schwierige Probleme zu lösen.) Das menschliche Gehirn ist keine Festplatte, die "unendlich" viele Details speichern kann (siehe auf Learn-Study-Work "Wie lernen?").

 

Es gibt drei Stufen von Wissen: oberflächliches Wissen, verstehendes Wissen und Expertenwissen. Die Grenzen zwischen diesen drei Stufen sind fließend.

Arten - Stufen von Wissen - oberflächliches - verstehendes - Experten - www.learn-study-work.org

"Biggs (1987) unterschied zwischen drei Hauptansätzen [des Lernens], nämlich dem tiefgehenden, dem erfolgsorientierten und dem oberflächlichen Lernen. Tiefgehende Lerner sind intrinsisch motiviert und haben Spaß daran, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auf der anderen Seite sind erfolgsorientierte Schüler extrinsisch motiviert und wollen aufgrund der Belohnungen, die mit einer großen Leistung verbunden sind, gut abschneiden. Schließlich sind Oberflächenlerner daran interessiert, nur die unabdingbaren Fakten zu lernen und investieren minimalen Aufwand, um dies zu erreichen. (Chamorro-Premuzic, Furnham, & Lewis, 2007)." (Chamorro-Premuzic, T., & Furnham, A. (2008). Personality, intelligence and approaches to learning as predictors of academic performance. Personality and Individual Differences 44, S. 1597)  

 

Welcher Lernansatz sinnvoll ist, ist nicht nur eine Frage der Motivation, sondern hängt vor allem davon ab, welches Ziel ich erreichen möchte. Deshalb habe ich die Namen für die Ansätze geändert.

 

1. Oberflächliches Lernen

Ich muss eine Prüfung bestehen, aber ich habe nicht die Zeit, viel dafür zu lernen, oder das Fach ist mir nicht wichtig und ich will nur die Prüfung bestehen. Dann macht oberflächliches Lernen Sinn. Ich lerne alle Fakten und Regeln auswendig und verstehe sie nur so weit, dass ich sie in der von der Prüfung geforderten Situation anwenden kann. Dieses "Oberflächenwissen" werde ich nach der Prüfung schnell wieder vergessen.

2. Verstehendes Lernen (kompetenzorientiertes Lernen)

Ich muss für eine Prüfung lernen und möchte eine gute Note bekommen. Dann versuche ich, das Thema zu verstehen, weil ich in der Lage sein muss, das Wissen in der Prüfung auf mehrere verschiedene Situationen anzuwenden. Dieses "verstehende Wissen" kann ich mir eine Zeit lang merken. (Wenn ich es nicht wieder anwende, werde ich es eines Tages vergessen.) "Verstehendes Wissen" wird als Kompetenz bezeichnet.

 

3. Experten-Lernen

Wenn ich ein Thema tiefgreifend verstehen möchte, wende ich mein Wissen zu diesem Thema auf viele problematische Situationen an. Nach einiger Zeit habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Dieses "Expertenwissen" wird mir lange in Erinnerung bleiben.

 

Ein Studium ist zu kurz, um in dieser Zeit zu einer Expertin zu werden. Aber das Ziel muss sein, sich im Verlauf des Studiums möglichst viel verstehendes Wissen anzueignen. Dann hat man die Voraussetzung sich weiterzuentwickeln.

 

„Der erste Studienabschluss vermittelt mit der Berufsbefähigung Rüstzeug für den Berufseinstieg, nicht aber für ein ganzes Berufsleben. Hochschulabsolventen müssen deshalb so studieren, dass sie weiterbildungsfähig sind, um sich selbst in der Wissenschaft und im Beruf weiter zu orientieren und zu qualifizieren." (www.stifterverband.com/forum_hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html, 06.04.14, unten)

 

Definition: Intelligenz ist die Fähigkeit selbstständig komplexe (schwierige) Probleme zu lösen, kombiniert mit der Fähigkeit aus Erfahrungen zu lernen.

 

"Das motivierende Ziel beim maschinellen Lernen ist es, Computersysteme zu bauen, die ihre Leistung entsprechend ihrer Erfahrung verbessern können. Es gibt gute Gründe, solche Systeme zu wollen: Da wir versuchen, immer komplexere Computersysteme zu bauen, wird es immer schwieriger, alle wahrscheinliche Situationen zu planen, denen die Systeme während ihrer Lebenszeit begegnen. Daher ist es sinnvoll, Architekturen zu entwerfen und zu implementieren, die so flexibel sind, dass Computersysteme ihr Verhalten an die jeweiligen Umstände anpassen können." (Lloyd, J. W. (2003). Logic for learning. Springer-Verlag, p. 7)

 

Das ideale Studium: Wie können Studierende sich intelligent Wissen aneignen?

Wie studieren? Das ideale Studium - wie würde es aussehen? sehr gut erklärt, kein Stress, die Persönlichkeit der Studierenden wird gefördert - www.learn-study-work.org

1. Wie kann der zu lernende Stoff sehr gut erklärt und geübt werden?

 

"Im allgemeinen Sprachgebrauch und in den Wissenschaften ist eine Erklärung der Versuch, die Ursachen eines beobachteten Sachverhaltes oder Phänomens durch die sprachliche Darlegung seiner logischen und kausalen Zusammenhänge verständlich zu machen.[1][2] Eine wissenschaftliche Erklärung ist ... die logische Ableitung einer Tatsachenbehauptung aus einem wissenschaftlichen Gesetz ..." (https://de.wikipedia.org/wiki/Erkl%C3%A4rung, 24.01.22)

 

Eine Erklärung beantwortet die Frage nach dem "Warum", indem sie einer anderen Person die Ursachen für einen Sachverhalt verständlich macht. Auch eine Begründung nennt die Ursachen/Gründe für etwas, ist aber nicht so direkt an eine andere Person gerichtet.

 

"Erklären verlangt die Aufklärung der Ursachen. Stelle dir die Frage nach dem
ʹWarumʹ und beantworte sie. ...

Begründen verlangt, den Grund für etwas anzugeben. Überlege, was du über den zu begründenden Sachverhalt weißt und suche nach Ursachen und Wirkungen." (www2.klett.de/sixcms/media.php/229/104004_TB1_10_11.pdf, 23.01.21)

 

Bei den Gründen kann es sich um gültige Regeln (Gesetze) oder Fakten handeln.

Beispiel:

1. In unserem Sonnensystem kreisen die Planeten um die Sonne. Es gilt die Regel, dass sich Körper aufgrund ihrer Masse gegenseitig anziehen (Gravitation). Warum ist die Sonne da? Man muss die Existenz der Sonne als Fakt hinnehmen, weil es zwar Hypothesen zur Entstehung unseres Universums gibt, aber warum die Sonne genau da ist, wo sie ist, kann nicht erklärt werden (vielleicht später einmal).

2. Frage an der Arzt: "Warum haben Sie dieses Medikament gegeben?" Antwort: "Eine Studie hat festgestellt, dass es zu 80% wirksam ist." Die Wirksamkeits-Wahrscheinlichkeit kann man als Fakt ansehen.

 

Die Regeln und Fakten hinter einem Sachverhalt zu sehen ist wichtig, denn eine sehr gute Erlärung beantwortet nicht nur die Frage nach dem "Warum". Sie sagt auch wozu das Gelernte benutzt werden kann. Das Ziel einer Erklärung ist das Verstehen. Deshalb müssen wir uns fragen: Etwas verstehen - was bedeutet das?

 

"Um die Bedeutung einer Sache, eines Ereignisses oder einer Situation zu erfassen, muss man sie in ihren Beziehungen zu anderen Dingen sehen: erkennen wie sie funktioniert und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, was sie verursacht und wie sie genutzt werden kann." (Dewey, J. (1933). How We Think: restatement of the relation of reflective thinking to the educative process. Boston, D.C. Heath and Co., S. 137)

 

"Beim Verstehen geht es um den Transfer ... Von uns wird erwartet, dass wir das, was wir in einer Lektion gelernt haben, auf andere, verwandte, aber unterschiedliche Situationen anwenden können. ... Das ist eine wesentliche Fähigkeit, weil Lehrer den Schülern nur dabei helfen können, eine relativ kleine Anzahl von Ideen, Beispielen, Fakten und Fertigkeiten im gesamten Fachgebiet zu lernen; daher müssen wir ihnen helfen, ihr von Natur aus begrenztes Wissen auf viele andere Situationen, Themen und Probleme übertragen zu können." (Wiggins, G., & McTighe, J. (1998). Understanding by design. Alexandria, VA: ASCD, S. 40, www1.ascd.org/publications/books/103055/chapters/Understanding-Understanding.aspx, 10.12.21)

 

 

 

... Fortsetzung folgt

 

"Die Tatsache, dass Experten mit größerer Wahrscheinlichkeit als Anfänger sinnvolle Muster [Regeln] von Informationen erkennen, gilt für alle Bereiche ... Die Betonung der von Experten wahrgenommenen Muster deutet darauf hin, dass die Mustererkennung eine wichtige Strategie ist, um Lernenden zu helfen, Vertrauen und Kompetenz zu erwerben. ... Studien ... zeigen, dass Experten zunächst versuchen, ein Verständnis für die Probleme zu entwickeln, und dies beinhaltet oft das Denken in Kernkonzepten oder großen Ideen [großen Regeln], wie z. B. Newtons zweites Gesetz in der Physik. Das Wissen von Anfängern ist viel seltener um große Ideen herum organisiert; sie gehen Probleme eher an, indem sie nach korrekten Formeln und einfachen Antworten suchen, die ihren alltäglichen Intuitionen entsprechen." (National Research Council (2000). How People Learn: Brain, Mind, Experience, and School: Expanded Edition. Washington, DC: The National Academies Press, p. 48-49, www.nap.edu/read/9853/chapter/5)

 

Bei einem idealen Studium lernen die Studierenden das, was sie später im Beruf brauchen.

 

"In letzter Zeit wird immer wieder beklagt, Studiengänge seien überfrachtet durch Inhalte und durch Prüfungen. … Das Curriculum [der Lehrplan] muss die Frage beantworten: 'Was ist wert, gewusst zu werden?' Nur so wird Lehre ihrer Aufgabe gerecht, die Einordnung von Fakten und Wissen in Gesamtzusammenhänge zu vermitteln und so das eigenständige Denken zu lehren." (www.stifterverband.com/forum-hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html, 06.04.14, unten)

 

Präsentiert ein Lehrender in seinem Fach sehr viele Details und wenig Zusammenhänge, müssen sich die Studierenden die Gesamtzusammenhänge selber erarbeiten. In diesem Fall wird die Zeit wahrscheinlich knapp und viel Stoff, für den die Zusammenhänge unverstanden bleiben, muss auswendig gelernt werden. Mit auswendig gelernten Stoff werden die Studierenden später im Beruf keine Probleme lösen können.

 

Verteilt lernen

Normalerweise besuchen Studierende ein Semester lang eine Vorlesung und vor der Prüfung wiederholen sie intensiv den präsentierten Stoff.  Dies verursacht meistens Stress und ist auch nicht sehr effektiv, wenn man das Ziel hat, den Stoff gut zu verstehen und lange im Gedächtnis zu behalten.

 

Besser ist es "verteilt" zu lernen: etwas nicht 8 mal an einem Tag lernen, sondern 4 Tage lang zweimal pro Tag. Das heißt, etwas immer wieder auffrischen ist besser, als versuchen alles auf einmal zu lernen (siehe auf Learn-Study-Work "Wie lernen?"). Studierende sollten also nach jeder Vorlesung 20 - 30 Minuten investieren, um sich den Stoff noch einmal anzusehen (am Ende meines Studiums habe ich das selber so gemacht und es hat meinen Stress erheblich reduziert).

 

Fortsetzung folgt ...