Wie studieren?

Kernaussage: Wofür und wie studiert man? Für einen Job mit Routineaufgaben muss man nicht an einer Hochschule studieren.

 

Einmal habe ich zu einer Professorin gesagt: "Studieren heißt mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel zu lernen." Ihre Antwort: "Warum nicht mit etwas mehr Anstrengung noch mehr lernen?" Tja, warum nicht? Weil manchmal weniger mehr ist, weil übertriebene Quantität der Qualität schadet.

 

Der "Spiegel" schreibt: "Mit Perfektionismus kommt man beim Studieren ... nicht weit." (www.spiegel.de/start/richtig-studieren-drei-strategische-fehler-im-studium-und-wie-man-sie-vermeidet-a-63b159b2-fc05-4e76-a6e3-909ed8b3a5e0, 09.12.21).

 

Ich interpretieren diesen Satz so: Man soll nur das lernen, was man für die Prüfungen braucht. In dem Artikel steht, man soll das "Wichtige" lernen. Was das Wichtige ist, wird leider nicht genau erklärt.

 

Wer alles tiefgreifend verstehen will, der wird scheitern. Das ist zwar richtig, aber wer nicht versucht, wenigsten das Grundlagenwissen "perfekt" zu beherrschen, der wird in seinem Leben auch nicht glücklich werden (meine Hypothese).

 

Es gibt also zwei Meinungen:

  1. Es reicht, wenn man für die Prüfungen lernt, weil dort alles das abgefragt wird, was man später braucht.
  2. Man soll auch ein klein wenig Idealist sein und lernen Probleme zu lösen.
Wie studieren? Warum studiere ich? Ich brauche Kreativität und die Fähigkeit Problem zu lösen - www.learn-study-work.org

Was sind die Ziele eines Studiums an einer Hochschule?

Für die Studierenden ist es im Verlaufe ihres Studiums erst einmal wichtig, alle Prüfungen zu bestehen und dies mit einer möglichst guten Note. Was sie nach dem Studium können müssen, darüber haben nur wenige eine klare Vorstellung.

 

"Künftige Arbeitgeber [und auch die Gesellschaft; F. S.] erwarten von Hochschulabsolventen, dass sie in der Praxis Probleme lösen. ... Hochschulen müssen Studierenden Kompetenzen vermitteln und Studierende müssen diese selbst erwerben. Das erfordert Anstrengung. Es geht um Vermittlung und Erwerb von Grundlagenwissen und Methoden, der Fähigkeit, Probleme zu definieren und zu lösen." (Lange, J. (2013) Herausforderungen in Lehre und Studium, www.stifterverband.com/forum_hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html), 06.04.14, nach unten scrollen)

Wie studieren? Die Ziele eines Studiums an einer Hochschule - analytisches Denkvermögen, Problemlösungskompetenz, Kommunikation - www.learn-study-work.orgmmunikations sind die wichtigsten Fähigkeiten - www.learn-study-work.org

„Bei einem Problem besteht Diskrepanz zwischen einem Ist- und einem Soll-Wert, zwischen beiden Zuständen besteht eine Barriere, [die überwunden werden muss] … Bei einer Aufgabe besteht zwar eine geistige Anforderung, die Methoden zur Bewältigung sind jedoch bekannt. … Der Unterschied zwischen Problem und Aufgabe ist vom Vorwissen abhängig, … d. h. die gleiche Situation kann für eine Person eine Aufgabe und für eine andere Person ein Problem darstellen …“ (www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/mitarb/ms/PH_Einfuehrung.pdf, S. 11, 02.05.14, interessant sind die Seiten 1 – 13)

 

Nach einer Berufsausbildung soll man in dem jeweiligen Berufsfeld Aufgaben ausführen und kleinere Probleme lösen können. Ein Studium soll die Fähigkeit vermitteln größere Probleme lösen zu können, auch solche, die unerwartet auftreten.

 

Ein Beispiel: Eine Ärztin stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie, die von einer medizinischen Fachkraft durchgeführt wird. Die Ärztin löst das Problem und die Fachkraft hat die Aufgabe, die festgelegte Therapie optimal durchzuführen, was auch nicht einfach ist und viel Erfahrung erfordert. (Wertvoll sind Menschen, die gut arbeiten, egal an welchem Arbeitsplatz.)

 

„Das Lösen komplexer Probleme gehört zu unserem täglichen Leben: das Finden der richtigen Person, mit der man sein Leben teilen will, eine Karriere zu wählen, die nicht nur Geld einbringt, sondern auch glücklich macht. Natürlich beschränkt sich kreatives Problemlösen nicht nur auf persönliche Probleme – das Leben auf der Erde gibt uns viele harte Nüsse zu knacken: Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Kriegsgefahr, Nutzung und Verteilung natürlicher Ressourcen." (Dörner, D., & Funke, J. (2017). Complex problem solving: what it is and what it is not. Frontiers in psychology, 8, 1153, S. 6)

 

Wissen, analytisches Denkvermögen und Kreativität sind die Voraussetzung für das Lösen von Problemen. Zuerst soll geklärt werden, was Wissen ist und wie man es sich aneignen kann. Danach wird die Frage beantwortet, wie Studierende ihr analytisches Denkvermögen verbessern können. Kreativität kann man sich im Studium nur begrenzt aneigenen.

 

Was ist Wissen?

Das Wort "Wissen" hat zwei Bedeutungen:

 

1. Wissen bedeutet Kenntnis haben von etwas. Das Wissen einer Person sind die Fakten und Regeln, die die Person in ihrem Gedächtnis gespeichert hat.

 

Kenntnisse  (= Wissen) sind "das Ergebnis der Verarbeitung von Information durch Lernen. Kenntnisse bezeichnen die Gesamtheit der Fakten, Grundsätze, Theorien und Praxis in einem Arbeits- oder Lernbereich. Im Europäischen Qualifikationsrahmen werden Kenntnisse als Theorie- [= Regel] und/oder Faktenwissen beschrieben" (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 10.08.21)

 

2. Wissen bedeutet "wissen wie" (know how). Diese Bedeutung wird auch mit Skill (Fertigkeit) oder Kompetenz bezeichnet (für mich sind Skill und Kompetenz das Gleiche).

 

Fertigkeiten sind "die Fähigkeit, Kenntnisse anzuwenden und Know-how einzusetzen, um Aufgaben auszuführen und Probleme zu lösen. Im Europäischen Qualifikationsrahmen werden Fertigkeiten als kognitive Fertigkeiten (logisches, intuitives und kreatives Denken) und praktische Fertigkeiten (Geschicklichkeit und Verwendung von Methoden, Materialien, Werkzeugen und Instrumenten) beschrieben" (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 10.08.21)

 

Definition: Wissen ist zum einen die Kenntnis von Fakten und Regeln und zum anderen die Fähigkeit Fakten und Regeln anwenden zu können.

 

"Wie der Nobelpreisträger Herbert Simon weise feststellte, hat sich die Bedeutung von "Wissen" verlagert von der Fähigkeit sich an Informationen zu erinnern und sie zu wiederholen, zur Fähigkeit sie zu finden und zu nutzen ..." (National Research Council (2000). How People Learn: Brain, Mind, Experience, and School: Expanded Edition. Washington, DC: The National Academies Press, S. 5)

 

Besteht Wissen aus Fakten und Regeln?

"Als Wissen wird üblicherweise ein für Personen oder Gruppen verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln verstanden  ..." (https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen, 02.08.21)

 

"Im Europäischen Qualifikationsrahmen werden Kenntnisse [= Wissen] als Theorie- und/oder Faktenwissen beschrieben"
(https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 10.08.21)

 

Was ist der Unterschied zwischen Theorien und Regeln? In der Wissenschaft werden Regeln oft als "wissenschaftliche Gesetze" bezeichnet.

 

"Wissenschaftliche Gesetze ähneln wissenschaftlichen Theorien insofern, als es sich um Prinzipien handelt, mit denen sich das Verhalten der natürlichen Welt vorhersagen lässt. ... Gewöhnlich beziehen sich wissenschaftliche Gesetze auf Regeln, wie sich die Natur unter bestimmten Bedingungen verhält, häufig in Form einer Gleichung. Wissenschaftliche Theorien sind eher übergreifende Erklärungen dafür, wie die Natur funktioniert und warum sie bestimmte Eigenschaften aufweist." (Poulsen, T. (2010) Introduction to Chemistry. CK-12 Foundation, https://openedgroup.org/books/Chemistry.pdf, S. 15)

 

Theorien sind eine Kombination von Regeln zu einem bestimmten Thema. Also besteht Wissen aus Fakten und Regeln.

 

"Ein Fakt ist eine objektive Beobachtung oder Messung, die von jedem geschulten Beobachter nachprüfbar ist." (Moores, E. M., Twiss, R. J. (2014) Tectonics. Long Grove: Waveland Press, S. 248)

 

"Im weitesten Sinne kann eine Regel jede Aussage sein, die besagt, dass eine bestimmte Schlussfolgerung gültig sein muss, wenn eine bestimmte Prämisse erfüllt ist, d.h. jede Aussage, die als Satz in der Form 'wenn ... dann ...' formuliert werden kann." (Hitzler P., Krötzsch M., Rudolph, S. (2009). Foundations of Semantic Web Technologies. Chapman & Hall/CRC, S. 213 - 216)

  

Regeln sind bedingte Aussagen, die angeben, zu welchem Ergebnis man kommt, wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt ist: wenn diese Bedingung erfüllt ist, dann ergibt sich dies Ergebnis.

 

Beispiel für eine Regel: Wenn ich die Fläche eines Rechtecks berechnen will, kann ich die Formel: Fläche A = Länge x Breite verwenden. Die Formel ist eine Regel: Wenn ich die Länge mit der Breite multipliziere, dann erhalte ich die Fläche des Rechtecks. Das geht aber nur, wenn ich die Werte für die Länge und die Breite kenne. Die Werte sind Fakten.

 

Beispiel für das Anwenden von Regeln: Raps wandert von oben nach unten durch einen Behälter und wird mit heißer Luft im Gegenstrom getrocknet (siehe Bild unten). Es gilt die Regel, dass heiße Luft viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Um die Trockenleistung zu verbessern sollen in den Behälter zusätzliche Heizkörper eingebaut werden. Ist es besser diese längs anzuordnen oder sollen die Heizkörper aus querliegenden Rohren bestehen? Bei den querliegenden Rohren kommen alle Rapskörner auf ihrem Weg von oben nach unten einmal in die Nähe eines heißen Rohres, bei den längsliegenden Heizkörpern befinden sich immer die gleichen Körner in der Nähe der Heizfläche. Es gilt die zusätzliche Regel, dass es vorteilhaft ist, wenn das Trockengut gleichmäßig erhitzt wird. Natürlich gibt es eine Temperatur, die nicht überschritten werden darf, damit der Raps keinen Schaden nimmt. Diese Temperatur ist ein Fakt, den man wissen muss.

Wie studieren? Beispiel für das Anwenden von Regeln und Fakten - Trocknung von Raps - www.learn-study-work.org

Beispiel: Die Entstehung des menschlichen Auges im Verlauf der Evolution

 

"Ist es nicht ein Wunder, dass die Erdatmosphäre genau die Wellenlängen des sichtbaren Lichts durchlässt (etwa 380 bis 780 nm), die unser Auge sehen kann? ... Das zäumt ja das Pferd vom Schwanz her auf, denn das Auge hat sich ja genau aufgrund dieser Gegebenheit entwickelt. ...
Nicht das Endergebnis kommt durch den Zufall zustande, sondern nur sein Ausgangspunkt [die anfängliche Mutation] ... Der Zufall spielt mit – aber er ist nicht der Herr auf dem Platz. ...

Ein komplexes Endprodukt wie das Auge entstand nicht durch Zufall, sondern durch Regeln und Bildungsgesetze – aus einfacheren Vorläufern. Das Komplexe entsteht aus einfachen Strukturen, die aus noch einfacheren Strukturen entstanden – bis hin zu einer Zelle mit lichtempfindlichen Bestandteilen. Die und nur die sind vielleicht durch Zufall entstanden. Beim Auge stand eine Genveränderung am Anfang, die ein Protein („Opsin“ genannt) lichtempfindlich machte. Oder es hatte noch einfachere Vorläufer." (Beetz, J. (2016). Feedback. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg, S. 325 - 329)

 

Welche Art von Wissen sollen sich Studierende im Verlauf des Studiums aneignen?

Viele Studierende glauben, dass es darum geht, nach einem Studium möglichst viel Wissen erinnern zu können. Das Wissen soll breit und tiefgreifend sein. Anders ausgedrückt bedeutet das, man soll auf möglichst vielen Gebieten möglichst viele Details kennen. So formuliert, kommen Zweifel auf, ob das überhaupt machbar ist.

 

Eine Expertin hat ein sehr tiefgreifendes Wissen, aber nur auf einem speziellen Gebiet. (Auf diesem Gebiet ist sie in der Lage schwierige Probleme zu lösen.) Das menschliche Gehirn ist keine Festplatte, die "unendlich" viele Details speichern kann (siehe auf Learn-Study-Work "Wie lernen?").

 

Es gibt drei Stufen von Wissen: oberflächliches Wissen, verstehendes Wissen und Expertenwissen. Die Grenzen zwischen diesen drei Stufen sind fließend.

Arten - Stufen von Wissen - oberflächliches - verstehendes - Experten - www.learn-study-work.org

"Biggs (1987) unterschied zwischen drei Hauptansätzen [des Lernens], nämlich dem tiefgehenden, dem erfolgsorientierten und dem oberflächlichen Lernen. Tiefgehende Lerner sind intrinsisch motiviert und haben Spaß daran, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auf der anderen Seite sind erfolgsorientierte Schüler extrinsisch motiviert und wollen aufgrund der Belohnungen, die mit einer großen Leistung verbunden sind, gut abschneiden. Schließlich sind Oberflächenlerner daran interessiert, nur die unabdingbaren Fakten zu lernen und investieren minimalen Aufwand, um dies zu erreichen. (Chamorro-Premuzic, Furnham, & Lewis, 2007)." (Chamorro-Premuzic, T., & Furnham, A. (2008). Personality, intelligence and approaches to learning as predictors of academic performance. Personality and Individual Differences 44, S. 1597)  

 

Welcher Lernansatz sinnvoll ist, ist nicht nur eine Frage der Motivation, sondern hängt vor allem davon ab, welches Ziel ich erreichen möchte. Deshalb habe ich die Namen für die Ansätze geändert.

 

1. Oberflächliches Lernen

Ich muss eine Prüfung bestehen, aber ich habe nicht die Zeit, viel dafür zu lernen, oder das Fach ist mir nicht wichtig und ich will nur die Prüfung bestehen. Dann macht oberflächliches Lernen Sinn. Ich lerne alle Fakten und Regeln auswendig und verstehe sie nur so weit, dass ich sie in der von der Prüfung geforderten Situation anwenden kann. Dieses "Oberflächenwissen" werde ich nach der Prüfung schnell wieder vergessen.

2. Verstehendes Lernen (kompetenzorientiertes Lernen)

Ich muss für eine Prüfung lernen und möchte eine gute Note bekommen. Dann versuche ich, das Thema zu verstehen, weil ich in der Lage sein muss, das Wissen in der Prüfung auf mehrere verschiedene Situationen anzuwenden. Dieses "verstehende Wissen" kann ich mir eine Zeit lang merken. (Wenn ich es nicht wieder anwende, werde ich es eines Tages vergessen.) "Verstehendes Wissen" wird als Kompetenz bezeichnet.

 

3. Experten-Lernen

Wenn ich ein Thema tiefgreifend verstehen möchte, wende ich mein Wissen zu diesem Thema auf viele problematische Situationen an. Nach einiger Zeit habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Dieses "Expertenwissen" wird mir lange in Erinnerung bleiben.

 

Ein Studium ist zu kurz, um in dieser Zeit zu einer Expertin zu werden. Aber das Ziel muss sein, sich im Verlauf des Studiums möglichst viel verstehendes Wissen anzueignen. Dann hat man die Voraussetzung sich weiterzuentwickeln.

 

„Der erste Studienabschluss vermittelt mit der Berufsbefähigung Rüstzeug für den Berufseinstieg, nicht aber für ein ganzes Berufsleben. Hochschulabsolventen müssen deshalb so studieren, dass sie weiterbildungsfähig sind, um sich selbst in der Wissenschaft und im Beruf weiter zu orientieren und zu qualifizieren." (www.stifterverband.com/forum_hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html, 06.04.14, unten)

 

Definition: Intelligenz ist die Fähigkeit selbstständig komplexe (schwierige) Probleme zu lösen, kombiniert mit der Fähigkeit aus Erfahrungen zu lernen.

 

"Das motivierende Ziel beim maschinellen Lernen ist es, Computersysteme zu bauen, die ihre Leistung entsprechend ihrer Erfahrung verbessern können. Es gibt gute Gründe, solche Systeme zu wollen: Da wir versuchen, immer komplexere Computersysteme zu bauen, wird es immer schwieriger, alle wahrscheinliche Situationen zu planen, denen die Systeme während ihrer Lebenszeit begegnen. Daher ist es sinnvoll, Architekturen zu entwerfen und zu implementieren, die so flexibel sind, dass Computersysteme ihr Verhalten an die jeweiligen Umstände anpassen können." (Lloyd, J. W. (2003). Logic for learning. Springer-Verlag, S. 7)

 

Wie können sich Studierende am besten Wissen aneignen?

Wie studieren? Das ideale Studium - wie würde es aussehen? Stoff wird sehr gut erklärt, kein Stress, die Persönlichkeit der Studierenden wird gefördert - www.learn-study-work.org

1. Wie kann der zu lernende Stoff sehr gut erklärt und geübt werden?

 

"Im allgemeinen Sprachgebrauch und in den Wissenschaften ist eine Erklärung der Versuch, die Ursachen eines beobachteten Sachverhaltes oder Phänomens durch die sprachliche Darlegung seiner logischen und kausalen Zusammenhänge verständlich zu machen.[1][2] Eine wissenschaftliche Erklärung ist ... die logische Ableitung einer Tatsachenbehauptung aus einem wissenschaftlichen Gesetz ..." (https://de.wikipedia.org/wiki/Erkl%C3%A4rung, 24.01.22)

 

Eine Erklärung beantwortet die Frage nach dem "Warum", indem sie einer anderen Person die Ursachen für einen Sachverhalt verständlich macht. Auch eine Begründung nennt die Ursachen/Gründe für etwas, ist aber nicht so direkt an eine andere Person gerichtet.

 

"Erklären verlangt die Aufklärung der Ursachen. Stelle dir die Frage nach dem
ʹWarumʹ und beantworte sie. ...

Begründen verlangt, den Grund für etwas anzugeben. Überlege, was du über den zu begründenden Sachverhalt weißt und suche nach Ursachen und Wirkungen." (www2.klett.de/sixcms/media.php/229/104004_TB1_10_11.pdf, 23.01.21)

 

Bei den Gründen kann es sich um gültige Regeln (Gesetze) oder Fakten handeln.

Beispiel:

1. In unserem Sonnensystem kreisen die Planeten um die Sonne. Es gilt die Regel, dass sich Körper aufgrund ihrer Masse gegenseitig anziehen (Gravitation). Warum ist die Sonne da? Man muss die Existenz der Sonne als Fakt hinnehmen, weil es zwar Hypothesen zur Entstehung unseres Universums gibt, aber warum die Sonne genau da ist, wo sie ist, kann nicht erklärt werden (vielleicht später einmal).

2. Frage an der Arzt: "Warum haben Sie dieses Medikament gegeben?" Antwort: "Eine Studie hat festgestellt, dass es zu 80% wirksam ist." Die Wirksamkeits-Wahrscheinlichkeit kann man als Fakt ansehen.

 

Die Regeln und Fakten hinter einem Sachverhalt zu sehen ist wichtig, denn eine sehr gute Erlärung beantwortet nicht nur die Frage nach dem "Warum". Sie sagt auch wozu das Gelernte benutzt werden kann. Das Ziel einer Erklärung ist das Verstehen. Deshalb müssen wir uns fragen: Etwas verstehen - was bedeutet das?

 

"Um die Bedeutung einer Sache, eines Ereignisses oder einer Situation zu erfassen, muss man sie in ihren Beziehungen zu anderen Dingen sehen: erkennen wie sie funktioniert und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, was sie verursacht und wie sie genutzt werden kann." (Dewey, J. (1933). How We Think: restatement of the relation of reflective thinking to the educative process. Boston, D.C. Heath and Co., S. 137)

 

"Beim Verstehen geht es um den Transfer ... Von uns wird erwartet, dass wir das, was wir in einer Lektion gelernt haben, auf andere, verwandte, aber unterschiedliche Situationen anwenden können. ... Das ist eine wesentliche Fähigkeit, weil Lehrer den Schülern nur dabei helfen können, eine relativ kleine Anzahl von Ideen, Beispielen, Fakten und Fertigkeiten im gesamten Fachgebiet zu lernen; daher müssen wir ihnen helfen, ihr von Natur aus begrenztes Wissen auf viele andere Situationen, Themen und Probleme übertragen zu können." (Wiggins, G., & McTighe, J. (1998). Understanding by design. Alexandria, VA: ASCD, S. 40, www1.ascd.org/publications/books/103055/chapters/Understanding-Understanding.aspx, 10.12.21)

Wie studieren? Verstehen heißt Fakten und Regeln abstrahieren, transferieren und anwenden - www.learn-study-work.org

"Die Tatsache, dass Experten mit größerer Wahrscheinlichkeit als Anfänger sinnvolle Muster [Regeln] von Informationen erkennen, gilt für alle Bereiche ... Die Betonung der von Experten wahrgenommenen Muster deutet darauf hin, dass die Mustererkennung eine wichtige Strategie ist, um Lernenden zu helfen, Vertrauen und Kompetenz zu erwerben. ... Studien ... zeigen, dass Experten zunächst versuchen, ein Verständnis für die Probleme zu entwickeln, und dies beinhaltet oft das Denken in Kernkonzepten oder großen Ideen [großen Regeln], wie z. B. Newtons zweites Gesetz in der Physik. Das Wissen von Anfängern ist viel seltener um große Ideen herum organisiert; sie gehen Probleme eher an, indem sie nach korrekten Formeln und einfachen Antworten suchen ... " (National Research Council (2000). How People Learn: Brain, Mind, Experience, and School: Expanded Edition. Washington, DC: The National Academies Press, S. 48-49, www.nap.edu/read/9853/chapter/5)

 

Wenn man die erkannten Regeln und Fakten ordnet, kann man sie besser erinnern und die Zusammenhänge erklären/verstehen, so dass man weiß, in welchen Situationen sie genutzt werden können.

 

"Wir wenden uns nun der Frage zu, wie das Wissen von Experten organisiert ist und wie sich dies auf ihre Fähigkeit auswirkt, Probleme zu verstehen und darzustellen. Ihr Wissen ist nicht einfach eine Liste von Fakten und Formeln, die für ihren Bereich relevant sind, sondern ihr Wissen ist um Kernkonzepte oder "große Ideen" herum organisiert ... Experten haben sich nicht nur Wissen angeeignet, sondern sind auch gut darin das Wissen abzurufen, das für eine bestimmte Aufgabe relevant ist." (National Research Council (2000). How People Learn: Brain, Mind, Experience, and School: Expanded Edition. Washington, DC: The National Academies Press, S. 36 u.43, www.nap.edu/read/9853/chapter/5)

Organisiertes Wissen - hierarchisch und logisch geordnet - verstehendes Lernen - logisch strukturiert lernen - www.learn-study-work.org

Eine Hauptaussage soll erklärt werden. Zunächst überlegen wir uns, welche Oberbegriffe zu der Hauptaussage gehören. Um den ersten Oberbegriff erklären zu können, benötigen wir hier 2 Unterbegriffe. Die beiden Unterbegriffe stellen in diesem Fall die unterste Ebene dar. Sie werden in einer logischen Reihenfolge erklärt. Dann springen wir wieder zum Oberbegriff zurück. Um dessen Erklärung vollständig zu verstehen, müssen wir das, was wir aus den Unterbegriffen gelernt haben, in einem Satz zusammenfassen (wir ziehen eine Schlussfolgerung). Wenn wir so alle Oberbegriffe erklärt haben, springen wir zurück zur Hausptaussage und formulieren einen Erklärungssatz für die Hausptaussage, der die wichtigsten Gründe enthält, warum die Hauptaussage richtig ist.

 

Ein einfaches Beispiel: Wir wollen einem Kind die Aussage erklären: "Der Klimawandel gefährdet das Leben der Eisbären."

Dazu müssen wir 4 Oberfragen beantworten: 1) Was ist ein Eisbär? 2) Wie lebt ein Eisbär? 3) Was ist der Klimawandel? 4) Wie beieinflusst der Klimawandel das Leben der Eisbären?

Für die erste Oberfrage "Was ist ein Eisbär?" gibt es zwei Unterfragen: 1) Was ist sind Bären? 2) Welche besonderen Eigenschaften haben Eisbären? Aus den Antworten auf diese beiden Fragen schließen wir: Ein Eisbär ist ein weißer Bär mit einem dicken Fell. Genauso gehen wir vor, um die anderen Oberfragen zu beantworten. Als Erklärung für die Hauptaussage formulieren wir den Satz: Wenn die Winter durch den Klimawandel immer kürzer und wärmer werden, haben die Eisbären zu wenig Zeit, um auf dem Eis nach Robben zu jagen.

 

"Can you practice what you preach?" Beispiele für besonders gute Erklärungen auf Learn-Study-Work: "Was ist Wissenschaft?", "Was ist Respekt?", "Wie einen guten Text schreiben?", ...

 

Wenn es sich bei der Sache, die erklärt werden soll, um eine Methode oder einen Prozess handelt, muss nach dem obigen Schema jeder Schritt erklärt werden. Handelt es sich um ein technisches Gerät, muss jedes Bauteil erklärt werden.

 

Nochmal der Ablauf einer Analyse: Die wichtigen Teile einer Sache und alle möglichen Zusammenhänge zwischen den Teilen werden untersucht. Anschließend werden die Erkenntnisse über die Teile zusammengeführt, um Schlussfolgerungen zu ziehen und das "Ganze" der Sache zu erkennen ("Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile"). Das "Ganze" ist das Wesentliche/ Wichtigste an einer Sache, es ist die Schlussfolgerung, die man aus der Analyse zieht (siehe auf Learn-Study-Work "Wie Situationen = Systeme analysieren"). Dabei kommt es darauf an, mehrere alternative Schlussfolgerungen zu entwickeln und dann die beste auszuwählen.

 

Viele Leute können nicht gut erklären, weil sie zwar ein Objekt (eine Situation = ein System) in ihre Teile zerlegen, dabei aber nicht gewissenhaft vorgehen (sie analysieren nur oberflächlich). Sobald sie eine mögliche Schlussfolgerung gefunden haben, beenden vorschnell sie die Analyse. Deshalb können sie nicht erklären, wie alle Teile des Objekts zusammenwirken und so das "Ganze" bilden.

 

"Personen mit sehr hohen Werten auf der Gewissenhaftigkeitsskala organisieren ihre Zeit und ihre physische Umgebung, arbeiten diszipliniert auf ihre Ziele hin, streben nach Genauigkeit und Perfektion bei ihren Aufgaben und überlegen sorgfältig, wenn sie Entscheidungen treffen." (https://hexaco.org/scaledescriptions, 07.02.22)

 

"Es ist nicht so, dass ich so schlau bin, ich beschäftige mich einfach nur länger mit den Problemen." (Albert Einstein)

 

Es ist nicht so, dass ich so schlau bin. Aber ich bleibe viel länger bei den Fragen.

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/1997957-albert-einstein-es-ist-nicht-so-dass-ich-so-schlau-bin-aber-ich/
Es ist nicht so, dass ich so schlau bin. Aber ich bleibe viel länger bei den Fragen.

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/1997957-albert-einstein-es-ist-nicht-so-dass-ich-so-schlau-bin-aber-ich/
Es ist nicht so, dass ich so schlau bin. Aber ich bleibe viel länger bei den Fragen.

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/1997957-albert-einstein-es-ist-nicht-so-dass-ich-so-schlau-bin-aber-ich/

2. Wie kann allzu großer Stress im Studium vermieden werden?

 

Bezüglich Stress gibt es zwei Hauptregeln:

  1. Wer keine Zeit zu verlieren hat, sollte ganz bedächtig vorgehen.
  2. Stress mus man wegorganisieren (soweit wie möglich).

Die erste Regel bedeutet, dass Fehler extra Stress verursachen. Wer unter Stress steht sollte darüber nachdenken, welche Fehler jetzt auf keinen Fall passieren dürfen. Diese würden den Stress zusätzlich erhöhen und zu einer Katastrophe führen. Gleichzeitig sollte man darüber nachdenken, welche Ursachen es für den Stress gibt und das Leben dann so organisieren, dass die Ursachen vermieden werden. Sich nur ganz fest vornehmen nicht in Stress zu kommen, ist nicht erfolgreich.

 

"Das Stresserleben von Studierenden ist laut einer aktuellen Studie der AOK nach wie vor ausgeprägter als das des Durchschnitts der Beschäftigten in Deutschland (vgl. Herbst et al. 2016, S. 1), wobei die Studierenden diesen
Stress mit Zeitdruck, Leistungsdruck, Angst vor Überforderung und Erwartungsdruck verbinden. ... Bezüglich der Lernsituationen entzünden sich die Probleme häufig am Nichtverstehen in den Vorlesungen sowie der nicht ausreichenden Bewältigung von Übungsaufgaben. Schwierigkeiten mit dem Umfang der Anforderungen sind zwar seltener, dafür sind sie aber unter den (sehr) stark fehlbeanspruchten Studierenden mit ausgeprägtem Stresserleben weit verbreitet." (Schwedler, S. (2017). Was überfordert Chemiestudierende zu Studienbeginn?. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 23(1), S. 165, 178).

 

Was sind die möglichen Gründe für Stress im Studium?

  1. Ich weiß nicht, wie ich richtig lernen soll.
  2. Ich habe das falsche Zeitmanagement.
  3. Lehrende sind verantwortlich für Stress.
  4. Persönliche Lebensumstände verursachen Stress.

1. Wie lerne ich richtig?

 

"In letzter Zeit wird immer wieder beklagt, Studiengänge seien überfrachtet durch Inhalte und durch Prüfungen. … Das Curriculum [der Lehrplan] muss die Frage beantworten: 'Was ist wert, gewusst zu werden?' Nur so wird Lehre ihrer Aufgabe gerecht, die Einordnung von Fakten und Wissen in Gesamtzusammenhänge zu vermitteln und so das eigenständige Denken zu lehren." (www.stifterverband.com/forum-hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html, 06.04.14, unten)

 

Präsentiert ein Lehrender in seinem Fach sehr viele Details und wenig Zusammenhänge, müsste ich mir die Gesamtzusammenhänge selber erarbeiten, um den Stoff zu verstehen. Das wird nur in sehr begrenzten Umfang möglich sein ("Mit Perfektionismus kommt man beim Studieren ... nicht weit.", siehe ganz oben). Ich muss also viel Stoff oberflächlich lernen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht versuchen sollte, die allgemeingültigen Regeln zu verstehen, die die Zusammenhänge ausmachen. Es ist wahrscheinlich, dass mir diese Zusammenhänge erst später klar werden. Aber wer es nicht versucht, der wird nie dahin kommen.

 

Wenn ich also in einer Vorlesung sitze, muss ich mich also ständig fragen: "Was ist wichtig und was ist nicht so wichtig? Was muss ich fürs Leben lernen und was nur für die Klausur?"

 

2. Was ist das richtige Zeitmanagement für ein Studium?

 

Normalerweise besuchen Studierende ein Semester lang eine Vorlesung und vor der Prüfung wiederholen sie intensiv den präsentierten Stoff.  Dies kann vor einer Prüfug sehr großen Stress verursachen und ist auch nicht sehr effektiv, wenn man das Ziel hat, den Stoff gut zu verstehen und lange im Gedächtnis zu behalten.

 

Besser ist es "verteilt" zu lernen: etwas nicht 8 mal an einem Tag lernen, sondern 4 Tage lang zweimal pro Tag. Das heißt, etwas immer wieder auffrischen ist besser, als versuchen alles auf einmal zu lernen (siehe auf Learn-Study-Work "Wie lernen?"). Studierende sollten also nach jeder Vorlesung 20 - 30 Minuten investieren, um sich den Stoff noch einmal anzusehen (eine wichtige Frage dabei ist: Wofür kann ich den Stoff anwenden?). Am Ende meines Studiums habe ich das selber so gemacht und es hat meinen Stress erheblich reduziert. Ich hatte mir das Ziel gesetzt, ich arbeite jeden Wochentag 8 Stunden für das Studium, so wie bei einer normalen Arbeit. Wer einen Nebenjob hat, muss das natürlich berücksichtigen.

 

3. Können auch Lehrende verantwortlich für Stress sein?

 

Bei vielen Eigenschaften und Verhaltensweisen von Menschen gibt es zwei gegensätzliche Extreme, aber die meisten Menschen liegen zwischen den Extremen. Zum Beispiel gibt es sehr große und sehr kleine Menschen, aber die meisten haben eine mittlere Körpergröße.

 

Prof. em. Dr.-Ing. Klaus Ehrlenspiel war 20 Jahre Leiter des Lehrstuhls für Konstruktion im Maschinenbau an der TU München. Er beschreibt die beiden Extreme, die für die Lehre an Hochschulen existieren:

 

"Wir (auch mein – Ehrlenspiel – anfängliches eigenes Tun!) stopfen Studierenden wie Mastgänse nach der 'Nürnberger Trichter-Methode' mit Fakten voll. … Diese sind nur auswendig gelernt und nicht am Praxisbeispiel problemlösend per 'trial an error' verinnerlicht. In einer dafür geeigneten Prüfung werden sie dann wieder 'erbrochen' und anschließend vergessen. Wie sollen sie später in der Praxis wirksam werden? – Etwas mehr wissenschaftlich formuliert, geht es darum, …" (Ehrlenspiel, K. , Meerkamm, H. (2013). Integrierte Produktentwicklung – Denkabläufe, Methodeneinsatz, Zusammenarbeit. München, Wien: Carl Hanser Verlag, S. 155)

 

Seine im Anschluss an das Zitat gemachten wissenschaftlichen Aussagen lassen sich so zusammenfassen: Die Studierenden sollen praxisnah üben, selbstständig experimentieren, diskutieren und präsentieren, Fehler machen dürfen und Erfolge erleben.

 

"… Das braucht Zeit, die man sich als Dozent verschaffen kann, wenn man auf einen erheblichen Teil des Stoffes verzichtet und nur exemplarisches, wichtiges Wissen und Können vermittelt." (Ehrlenspiel, K., Meerkamm, H. (2013). Integrierte Produktentwicklung – Denkabläufe, Methodeneinsatz, Zusammenarbeit. München, Wien: Carl Hanser Verlag, S. 155)

 

4. Stress durch persönlichen Lebensumstände

 

Wer arbeiten muss, um sein Studium zu finanzieren, ein Kind erziehen oder Angehörige pflegen muss, der ist natürlich doppelt belastet. Wenn dadurch das Studium länger dauert oder die Noten nicht so gut sind, dann wird das jeder verstehen.

 

3. Wie kann die Persönlichkeit im Studium gefördert werden?

 

Auch bei der Persönlichkeit gibt es zwei gegensätzliche Extreme. Das eine Extrem wird beschrieben durch das Sprichwort: "Arroganz und Dummheit gehen Hand in Hand." Diese Personen tun alles nur des eigenen Vorteils wegen. Sie beschäftigen sich mit einem Thema nur dann tiefergehend, wenn es ausdrücklich gefordert wird. Über andere Menschen, die nicht so sind wie sie, reden sie schlecht.

 

Menschen, die das gegensätzliche Extrem vertreten, haben Spaß daran, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Sie wissen, dass man von anderen lernen muss, um ein Thema tiefgreifend zu verstehen. Deshalb behandeln sie andere Menschen mit Respekt und sind hilfsbereit (siehe auf Learn-Study-Work "Was ist Respekt?").

 

"Personen mit sehr hohen Werten auf der Skala Ehrlichkeit - Bescheidenheit vermeiden es, andere zu ihrem persönlichen Vorteil zu manipulieren, fühlen sich wenig versucht, Regeln zu brechen, sind nicht an verschwenderischem Reichtum und Luxus interessiert und haben kein besonderes Anspruchsdenken nach einem gehobenen sozialen Status. Im Gegensatz dazu, Personen mit sehr niedrigen Werten auf dieser Skala schmeicheln anderen, um zu bekommen, was sie wollen, neigen dazu, Regeln zu brechen, um persönlichen Vorteile zu erzielen, sind an materiellem Gewinn interessiert und haben ein starkes Gefühl der Selbstüberschätzung." (https://hexaco.org/scaledescriptions, 07.02.22)

 

Arrogante Menschen sehen Freundlichkeit als Schwäche an. Deshalb geht es beim Studieren auch darum zu zeigen, dass verstehendes Lernen intelligenter ist als oberflächliches Lernen. Wenn das gelingt, wird das eigene Selbstvertrauen gestärkt.

 

Schlussfolgerung: Wie also studieren?

Studieren ist mit Anstrengung verbunden, weil es darum geht, sich auf einem Gebiet ein großes Fachwissen anzueigenen. Es stellt sich die Frage: Wie soll dieses Fachwissen aussehen?

 

"Unbestritten ist mittlerweile, dass gute Lehre sich dadurch auszeichnet, dass sie ... studentisches (Tiefen-)Lernen bewirkt und (Oberflächen-)Lernen zu verhindern sucht." (Stifterverband (2013). Charta guter Lehre. www.stifterverband.org/download/file/fid/187, S.12)

 

Was ist der Unterschied zwischen einem tiefen und einem oberflächlichen Fachwissen? Jemand mit tiefen Fachwissen kennt viele Details und jemand mit oberflächlichen Fachwissen nicht? Oft ist genau das Gegenteil ist der Fall: Wer ein breites oberflächliches Wissen besitzt, kennt auf einem Fachgebiet eine große Menge von Details, aber er versteht die Regeln nicht, die hinter den Details stehen.

 

Wenn wir die Zusammenhänge zwischen den Grundlagen und den Details erkennen, dann wird aus einer Eisscholle ein Eisberg.

 

Wie studieren? Wie sollte Wissen aussehen? oberflächliches Wissen oder tiefes Fachwissen - www.learn-study-work.org

"Die Dritte Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie ... (Schmidt et al., 1997) kritisiert Lehrpläne, die "eine Meile breit und einen Zoll tief" sind ... " (National Research Council (2000). How People Learn: Brain, Mind, Experience, and School: Expanded Edition. Washington, DC: The National Academies Press, S. 42)

 

Wer Probleme lösen will, muss in der Lage ist, richtig zu analysieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, die alle möglichen Zusammenhänge zwischen den allgemeinen Regeln und den Details berücksichtigen. Je mehr Erfahrung man sammelt, d. h. je mehr Probleme man auf einem Fachgebiet löst, umso tiefer wird das Fachwissen.

 

"Eine Dimension des Kompetenzerwerbs scheint die gesteigerte Fähigkeit zu sein, das wahrgenommene Feld zu analysieren (Sehen zu lernen). Die Forschung zum Thema Fachwissen legt nahe, dass es wichtig ist, den Schülern Lernerfahrungen zu bieten, die speziell ihre Fähigkeit verbessern, sinnvolle Informationsmuster zu erkennen. ... Lehrpläne, die die Breite des Wissens betonen, können eine effektive Organisation von Wissen verhindern, weil nicht genug Zeit zur Verfügung steht, um alles in vertiefter Form zu lernen." (National Research Council (2000). How People Learn: Brain, Mind, Experience, and School: Expanded Edition. Washington, DC: The National Academies Press, S. 36 u.49, www.nap.edu/read/9853/chapter/5)

 

Studierenden sollten also im Studium und auch bei allen anderen Gelegenheiten das Analysieren üben. Bei jeder Vorlesung sollten sie sich fragen: Was ist wichtig, was ist nicht so wichtig? Welche allgemeinen Regeln kann ich erkennen? Wie sind die Zusammenhänge? Wann gelten die Regeln und wann nicht? Wie werden die Regeln in der Praxis angewendet?

 

Wenn der Lehrende nicht gut erklärt, dann sollte man nach der Vorlesung versuchen, die Fragen durch eine eigene Recherche zu beantworten. Wenn das in kurzer Zeit nicht zu bewerkstelligen ist, bleibt nichts anderes übrig, als den Stoff für die Prüfung auswendig zu lernen. Vieleicht wird es später möglich sein, die Zusammenhänge zu verstehen.

 

Auf keinen Fall sollte man resignieren. Studierende mit der gleichen Einstellung können sich gegenseitig helfen. Kleine Erfolge motivieren weiter zu arbeiten. Wer sein Studium doch vorzeitig abbricht, für den war die Zeit nicht nutzlos, weil man das richtige Analysieren im Leben immer gebrauchen kann.

 

Auf Learn-Study-Work wird das richtige Analysieren und das Finden von neuen Ideen zum Lösen von Problemen erklärt, siehe "Wie Probleme lösen", "Wie Situationen/Systeme analysieren", "Wie kreativ werden".