Wie studieren?

Kernaussage:

 

Für die Studierenden ist es im Verlaufe ihres Studiums erst einmal wichtig, alle Prüfungen zu bestehen und dies mit einer möglichst guten Note. Was sie nach dem Studium können müssen, darüber haben nur wenige eine klare Vorstellung.

 

"Künftige Arbeitgeber [und auch die Gesellschaft; F. S.] erwarten von Hochschulabsolventen, dass sie in der Praxis Probleme lösen. Diese Probleme orientieren sich nicht an den traditionellen Fachgrenzen, die sich über Studiengänge oder Forschungsschwerpunkte definieren. Hochschulen müssen Studierenden Kompetenzen vermitteln und Studierende müssen diese selbst erwerben. Das erfordert Anstrengung. Es geht um Vermittlung und Erwerb von Grundlagenwissen und Methoden, der Fähigkeit, Probleme zu definieren und zu lösen." (Lange J.(2013) Herausforderungen in Lehre und Studium, www.stifterverband.com/forum_hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html), 06.04.14, nach unten scrollen)

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Berufsausbildung und einem Studium?

Nach einer Berufsausbildung soll man in dem jeweiligen Berufsfeld Aufgaben ausführen und kleinere Probleme lösen können. Ein Studium soll die Fähigkeit vermitteln größere Probleme zu lösen, auch solche, die unerwartet auftreten.

 

Ein Beispiel: Eine Ärztin stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie, die von einer medizinischen Fachkraft durchgeführt wird. Die Ärztin löst das Problem und die Fachkraft hat die Aufgabe, die festgelegte Therapie durchzuführen. (Das soll nicht heißen, dass Menschen nach einem Studium wertvoller sind. Wertvoll sind Menschen, die gut arbeiten, egal an welchem Arbeitsplatz.)

 

Eine Aufgabe ist „die dauerhafte … Aufforderung zum Tätigwerden im Interesse der Zielerreichung …“ (Krems in: Online-Verwaltungslexikon, www.olev.de, Stichwort „Aufgabe“, 26.09.14). Entsprechend dieser Definition gehört das Lösen von Problemen zu einer Aufgabenerfüllung dazu. Aufgabenerfüllung und Problemlösen werden aber auch als zwei unterschiedliche Tätigkeiten definiert:

 

„Bei einem Problem besteht Diskrepanz zwischen einem Ist- und einem Soll-Wert, zwischen beiden Zuständen besteht eine Barriere, [die überwunden werden muss] … Bei einer Aufgabe besteht zwar eine geistige Anforderung, die Methoden zur Bewältigung sind jedoch bekannt. … Der Unterschied zwischen Problem und Aufgabe ist vom Vorwissen abhängig, … d. h. die gleiche Situation kann für eine Person eine Aufgabe und für eine andere Person ein Problem darstellen …“ (www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/mitarb/ms/PH_Einfuehrung.pdf, S. 11, 02.05.14, interessant sind die Seiten 1 – 13)

 

Was sind die Ziele eines Studiums an einer Hochschule?

Am Ende Ihres Studiums möchte man seinen Abschluss bekommen und auf das Berufsleben vorbereitet sein. Die wichtigste Fähigkeit für einen anspruchsvollen Job ist, Probleme lösen zu können, was ohne Wissen und andere Fähigkeiten nicht machbar ist (siehe auf Learn-Study-Work "Wie Probleme lösen?")

Ziele eines Studiums - www.learn-study-work.org

Wie können Studierende sich die notwendigen Fähigkeiten aneignen?

„Der erste Studienabschluss vermittelt mit der Berufsbefähigung Rüstzeug für den Berufseinstieg, nicht aber für ein ganzes Berufsleben. Hochschulabsolventen müssen deshalb so studieren, dass sie weiterbildungsfähig sind, um sich selbst in der Wissenschaft und im Beruf weiter zu orientieren und zu qualifizieren. In letzter Zeit wird immer wieder beklagt, Studiengänge seien überfrachtet durch Inhalte und durch Prüfungen. … Das Curriculum [der Lehrplan] muss die Frage beantworten: „Was ist wert, gewusst zu werden?“ Nur so wird Lehre ihrer Aufgabe gerecht, die Einordnung von Fakten und Wissen in Gesamtzusammenhänge zu vermitteln und so das eigenständige Denken zu lehren.“ (www.stifterverband.com/forum_hochschulraete/update/update_2013-02/schwerpunktthema/lange/index.html, 06.04.14)

 

Präsentiert ein Lehrender in seinem Fach sehr viele Details und wenig Zusammenhänge, müssen sich die Studierenden die Grundzusammenhänge selber erarbeiten. In diesem Fall wird die Zeit wahrscheinlich knapp und viel Stoff, für den die Zusammenhänge unverstanden bleiben, muss auswendig gelernt werden. Mit auswendig gelernten Stoff werden die Studierenden später im Beruf keine Probleme lösen können.

 

"Die Dritte Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie (TIMSS) (Schmidt et al., 1997) kritisierte Lehrpläne, die "eine Meile breit und einen Zoll tief" sind ..." (National Research Council. (2000) How people learn: Brain, mind, experience, and school. Washington, DC: National Academy Press, p. 42)

 

"Gibt man den Studierenden eine Antwort, dann können sie ein Problem lösen, aber zeigt man ihnen die Techniken, die sie brauchen, um die Antwort selbst zu finden, dann können sie auf dem Gebiet selbständig werden." (www.bygpub.com/eot/eot1.htm, 31.08.21)