Wie lernen?


Kernaussage: Lernen ist der Erwerb von Wissen oder Fähigkeiten. Die wichtigste Fähigkeit ist das Analysieren und das anschließende Ziehen von Schlussfolgerungen, denn dann versteht man den zu lernenden Stoff besser und kann ihn auch besser erinnern.

 

Was ist Lernen?

Lernen ist die Aneignung von Wissen oder Fähigkeiten. Bei den Fähigkeiten kann es sich um geistige oder motorische Fähigkeiten handeln. Zu den geistigen Fähigkeiten gehören z. B. das logische, analytische und kreative Denken, sowie sprachliche und soziale Fähigkeiten.

 

Lernen hat bezüglich Wissen zwei Ziele:

  1. Wir wollen uns an etwas erinnern können.
  2. Wir wollen etwas verstehen und anwenden können.

Wenn das Lernen Spaß bringt, dann fällt es uns leichter, diese Ziele zu erreichen.

 

"Menschen nehmen vor allem das wahr, wofür sie sich interessieren und worüber sie schon ein Vorwissen haben. Das ist der Grund dafür, dass alle Sachverhalte, die in Verbindung stehen mit den eigenen Vorlieben, so leicht gelernt werden." (Rost, F. (2018) Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. Springer VS, Wiesbaden, S. 43)

 

Wann bringt lernen Spaß und wann nicht?

Lernen in der Schule bringt keinen Spaß, wenn ...

  1. der Stoff, den man lernen soll, nicht gut erklärt wird und man ihn deshalb nicht versteht.
  2. man zuviel Stoff auf einmal lernen muss.
  3. man viele Details lernen soll, von denen man weiß, dass man sie sowieso wieder vergisst.
  4. man Angst davor hat, Fehler zu machen.
  5. man Angst davor hat, seine eigene Meinung sagen.
  6. die Atmosphäre im Unterricht nicht gut ist.

 Im Gegensatz dazu macht lernen in der Schule Spaß, wenn ...

  1. man merkt, dass man Erfolg hat und immer besser wird.
  2. man mit dem Gelernten Sachen erklären kann, denen man schon im Alltag begegnet ist.
  3. man in der Schule viele Freunde hat und auch die Lehrerinnen und Lehrer freundlich sind.
  4. man die Hausaufgaben schnell und gut erledigen kann, weil der Stoff im Unterricht gut erklärt wurde.
  5. man Freunde hat, die sich gegenseitig helfen und mit denen man zusammen lernen kann.

Könnte die Schule, so wie sie in Südkorea ist, ein Vorbild sein für deutsche Schulen?

 

"Bei Pisa sind Südkoreas Schüler Weltspitze. ... Doch der Erfolg ist teuer erkauft. Ab der Mittelschule beginnt für koreanische Jugendliche der Stress. ... Für deutsche Schüler ist schwer vorstellbar, unter welchem Druck Kinder und Jugendliche in Südkorea stehen. Alles, was Spaß macht, bleibt auf der Strecke. ... Beim Unterricht geht es stets um das Ziel, es später auf eine der Top-Hochschulen zu schaffen." (www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/schuelerdrill-in-suedkorea-lernen-heisst-leiden-a-733533.html, 19.10.22)

 

Welches Ziel sollten sich die Schulen setzen?

Meiner Meinung nach sollte das Bildungsziel der Schulen in Deutschland und auf der ganzen Welt so aussehen:

  1. Die Schulen sollen ein gutes Grundlagenwissen vermitteln, dass die Lernenden nicht vergessen.
  2. Die Schulen sollen den Lernenden die Fähigkeit vermitteln, analytisch denken und Schlussfolgerungen ziehen zu können.
  3. Die Schulen sollen die Persönlichkeit der Lernenden fördern, so dass diese bereit sind von anderen zu lernen und anderen zu helfen.
  4. Die Schulen sollen dafür sorgen, dass die Lernenden Spaß am Lernen haben und ohne großen Stress lernen können.

"Es gibt ... gewisse Kenntnisse, die allgemein [und grundlegend] sein müssen, und noch mehr eine gewisse Bildung der Gesinnungen und des Charakters, die keinem fehlen darf. ... Gibt ihm der Schulunterricht, was hierfür erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher so leicht und behält immer die Freiheit ... von einem zum andern überzugehen [er kann den Beruf wechseln]." (P. Berglar (1970): Wilhelm von Humboldt, p. 87, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal, 24.10.22)

 

1. Ein gutes Grundlagenwissen, das man nicht vergisst

Wenn ich Informationen habe über eine Sache oder einen Vorgang, dann habe ich Wissen.

 

Kenntnisse (= Wissen) sind "... das Ergebnis der Verarbeitung von Information durch Lernen." (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 07.11.21)

Wissen - Allgemeinwissen - Grundlagenwissen - Detailwissen - Wissenschaft - www.learn-study-work.org

Wissen wird unterteilt in Allgemeinwissen (= Wissen, das schon länger bekannt ist und in Lehrbüchern steht) und in Wissenschaft. Wissenschaft ist neues Wissen, dass sich noch ändern kann (siehe auf Learn-Study-Work "Was ist Wissenschaft?").

 

Beispiel: Vor einiger Zeit hatte ein Wissenschaftler die Idee aus Sonnenlicht Strom zu gewinnen. Er war aber nicht sicher, ob das funktioniert und hat dazu "geforscht" (er hat untersucht, wie das möglich ist). Heute kennt jeder die Solarmodule auf den Dächern. Das Wissen, dass man mit Solarmodulen Strom gewinnen kann, ist zu Allgemeinwissen geworden.

 

Das Wissen wird weiter unterteilt in Grundlagenwissen und in Detailwissen. In der Schule sollte man sich in vielen Fächern ein sehr gutes Grundlagenwissen aneignen. Das Detailwissen lernt man durch eine Berufsausbildung bzw. ein Studium. Man kann es sich aber auch durch Selbsstudium aneignen (Bücher, Videos, Internet) oder man fragt eine Fachkraft.

 

Beispiel: In Chemie sollte man über Sauerstoff wissen, dass dies ein Gas ist und mit vielen Stoffen reagiert. So verdampft bei einer Kerze das Wachs und reagiert mit dem Sauerstoff der Luft in Form einer Flamme, die Wärme und Licht abgibt. Manchmal sollen die Schüler in Chemie lernen, welche Temperaturen die Flamme eines Bunsenbrenners hat, was sie nach einer Chemiearbeit schnell wieder vergessen werden. Das ist Detailwissen, das nur jemand wissen muss, der in einem chemischen Labor arbeitet.

 

Aber auch das Lernen von Details kann interessant sein, wenn diese gut erklärt werden oder wenn man genug Vorwissen hat und sie sich selbst erklären kann. Trotzdem ist es ist besser sich hauptsächlich auf das Grundlagenwissen zu konzentrieren.

 

"Weswegen fällt uns das Lernen oft so schwer, obwohl es eine grundlegende Eigenschaft unseres Gehirns ist? ... Unser Gehirn ist eigentlich nicht darauf
ausgerichtet, Wissen, insbesondere selten gebrauchtes Detailwissen, zu lernen
und zu behalten. Jedes menschliche Gehirn ist evolutionär mehr auf Können und das Sammeln und Generalisieren von Erfahrungen eingestellt, die das Überleben in seiner Umwelt ermöglichen." (Rost, F. (2018) Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. Springer VS, Wiesbaden, S. 34)

 

Das Zitat sagt, unser Gehirn ist "auf das Generalisieren (Verallgemeinern) von Erfahrungen eingestellt". Was heißt das?

 

"... wenn wir in einer unberechenbaren Welt leben würden, in der sich die Dinge zufällig oder auf sehr komplizierte Weise änderten, dann wären wir nicht in der Lage, die Dinge zu verstehen. Wir leben aber in einem ... Universum, in dem sich die Dinge zwar ändern, aber nach ... Regeln oder, wie wir sie nennen, nach Naturgesetzen. ... Und so wird es möglich, Dinge herauszufinden." (Sagan, C. (2013). Cosmos. New York: Randon House Publishing Group, S. 41)

 

Es kommt also darauf an zu verstehen, welche Regeln und Fakten unser Leben bestimmen (siehe auf Learn-Study-Work "Wie studieren?" bei "Was ist Wissen?").

 

Wenn ich etwas gelernt habe, dann will ich es nicht gleich wieder vergessen. Allerdings ist Vergessen ein natürlicher Prozess:

 

"Vergessen ist ein wichtiger ... Prozess, der von unserem Hirn aktiv gesteuert wird. Anders wären die fortlaufenden Veränderungen und die enormen Informationsmengen, die ständig auf uns einströmen, nicht organisierbar. ... Vergessen bedeutet, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen [das Unwichtige wird vergessen] ... " (www.br.de/wissen/vergessen-gehirn-strategie-filter-100.html, 05.11.2021)

 

Wie kann ich tun, damit ich das Gelernte nicht gleich wieder vergesse?

 

"Wie speichert man Information so, daß sie auch behalten wird?

- Übung
- Verteiltes Lernen
- Elaboration [= etwas verarbeiten]
- Gedächtnisstützen

... Elaboration ist entscheidend" (www.allpsych.uni-giessen.de/thomas/teaching/pdf/G2006/Gedaechtnis2.pdf, 05.11.21)

 

Es ist klar, dass wir durch "Übung" (hier ist mit "üben" das mehrmalige Wiederholen gemeint) eine Sache auswendig lernen und eine gewisse Zeit erinnern können. Vorteilhaft ist dabei, wenn die Übung über einen längeren Zeitraum stattfindet (= verteiltes Lernen", etwas mehrmals über einige Tage verteilt zu wiederholen ist besser, als alles sehr oft an einem Tag zu wiedeholen).

 

Wir lernen Informationen besonders gut, die in Verbindung stehen mit Dingen, die wir aus unserem Alltag kennen. Wenn uns die Dinge dann später im Alltag wieder begegnen, werden wir dadurch an das Gelernte erinnert (Zitat oben: "selten gebrauchtes Detailwissen können wir schlecht behalten").

 

Lernen mit "Gedächtnisstüzen" tun wir, wenn wir das zu Lernende kombinieren mit bildlichen, persönlichen, überraschenden, humorvollen oder anderen Informationen z. B. mit einem Merksatz oder einem aussagekräftigen Bild.

 

Wenn wir etwas erinnern wollen, ist es wichtig, dass wir diese Sache verstanden haben ("Elaboration = Verstehen ist entscheidend").

 

2. Analytisch denken und Schlussfolgerungen ziehen

Wir haben etwas gelernt und verstanden, wenn wir es auf eine neue Situation anwenden oder es einer anderen Person erklären können.

 

"Beim Verstehen geht es um den Transfer ... Von uns wird erwartet, dass wir das, was wir in einer Lektion gelernt haben, auf andere, verwandte, aber unterschiedliche Situationen anwenden können." (www1.ascd.org/publications/books/103055/chapters/Understanding-Understanding.aspx, 10.12.21)

 

"Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden."(Albert Einstein)

 

Wenn wir eine Sache verstehen wollen, müssen wir diese analysieren und dann die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.

 

"Eine Analyse ... ist eine systematische Untersuchung, bei der das untersuchte Objekt in seine Bestandteile (Elemente) zerlegt wird." (https://de.wikipedia.org/wiki/Analyse, 24.11.21)

 

Wenn wir ein Objekt (einer Sache) in seine Bestandteile zerlegt haben, dann müssen wir ...

  • die Eigenschaften der Bestandteile und die Beziehungen der Bestansteile untereinander untersuchen,
  • die Regeln erkennen, die für diese Beziehungen gelten,
  • und dann die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.

Die Sache, die wir verstehen wollen, kann aus Bestandteilen bestehen, aber sie kann auch selber Bestandteil von etwas sein. So ist z. B. ein Motor der Bestandteil eines Autos und gleichzeitig besteht er selbst aus Bestandteilen. Um die Funktion des Motors zu verstehen, muss man die Beziehungen zwischen den Dingen innerhalb und außerhalb des Motors verstehen.

 

"Um die Bedeutung einer Sache, eines Ereignisses oder einer Situation zu erfassen, muss man sie in ihren Beziehungen zu anderen Dingen sehen: erkennen wie sie funktioniert und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, was sie verursacht und wie sie genutzt werden kann." (Dewey, J. (1933). How We Think: restatement of the relation of reflective thinking to the educative process. Boston, D.C. Heath and Co., S. 137)

 

Einfaches Beispiel: Berechne die Fläche des blauen Rechtecks

Flächenberechnung - www.learn-study-work.org

Die Figur wird in die Flächen zerlegt, aus denen sie besteht. Man erkennt, von der Fläche mit dem roten Rand muss man die 4 Dreiecke abziehen, um die blaue Fläche zu erhalten. Die Regel für die Berechnung der Fläche eines Rechtecks ist F = Seite a x Seite b. Die Fläche mit dem roten Rand ist ein Quadrat, deshalb gilt a = b. Die Fläche ist F = a x a = 8 m x 8 m = 64 m2. Die beiden grünen und gelben Dreiecke bilden zusammen auch Quadrate. Deshalb ergibt sich für die Fläche des blauen Rechtecks F = 64 m2 - 6 m x 6 m - 2 m x 2 m = (64 - 36 - 4) m2 = 24 m2  

Die Fläche der Dreiecke könnte auch einzeln berechnet werden nach der Formel:

F = Grundseite x Höhe x 1/2 .

 

Wissen besteht aus Fakten und Regeln. In dem Beispiel sind die Längen der Seiten die Fakten und die Berechnungsformeln sind die Regeln.

 

Regeln sind bedingte Aussagen, die angeben, zu welchem Ergebnis man kommt, wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt ist: wenn diese Bedingung erfüllt ist, dann ergibt sich dies Ergebnis. Angewandt auf eine Formel heißt das: Wenn ich diese Rechenschritte durchführe, dann erhalte ich das gesuchte Ergebnis.

 

Beispiel: Bei der Interpretation eines poetischen Textes besteht eine Dreieckbeziehung zwischen der Autorin, ihrem Werk und dem Leser, die analysiert werden muss. Damit der Leser das Werk "richtig" interpretieren kann, sollte er wissen, nach welchen Regeln die Autorin den poetischen Text geschrieben hat (siehe auf Learn-Study-Work "Wie wird Literatur interpretiert?").

 

Analysieren ist eine Fähigkeit. Fähigkeiten lernt man indem man sie übt (durch anwenden). In jedem Fach und bei jeder Aufgabe können wir das Analysieren üben. Wenn wir das Analysieren erst einmal gelernt haben, dann geht es schnell und bringt Spaß.

 

Wie können wir etwas aus unserem Kurzzeit- in unser Langzeitgedächtnis bringen? Zuerst sehen wir uns an, was andere dazu gesagt haben.

 

"Da die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses auf durchschnittlich 3,5 (bis
max. 5) Elemente begrenzt ist und sinnvolle Information besser behalten
wird als sinnlose, kommt es darauf an, 'Klumpen' (chunks) zu bilden. ... Dabei ist es egal, ob diese 'Klumpen' einzelne Buchstaben, Zahlen oder größere Einheiten wie Wörter oder Sätze sind. ... Das „Klumpen“ klappt allerdings nur, wenn ein Vorwissen vorhanden ist ...

Erst das Langzeitgedächtnis ... sichert Wissen vor dem Vergessen  ... Dabei geht das Gehirn denkökonomisch vor, d. h. es integriert, reduziert, generalisiert und abstrahiert: Informationen, die nicht integriert werden können, werden verdrängt ... Da das Gehirn in dieser Weise funktioniert, sollten wir es unterstützen, indem wir aktiv sog. 'Superzeichen' bilden, d. h. Schlüsselworte, Strukturen und Hierarchien (Ober- und Unterbegriffe), an denen entlang das Gedächtnis weitere Informationen durch Assoziationen rekonstruieren kann." (Rost, F. (2018) Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. Springer VS, Wiesbaden, S. 52 - 54)

 

Ich analysiere: Was ist der wichtigste Satz in diesem Zitat bezüglich der Übergangs von Wissen in das Langzeitgedächtnis? "Dabei geht das Gehirn denkökonomisch vor, d. h. es integriert, reduziert, generalisiert und abstrahiert: Informationen, die nicht integriert werden können, werden verdrängt." Was ist erst einmal das wichtigste Wort in diesem Satz? Es ist "reduziert".

 

Beispiel: Wir wollen die deutsche Geschichte so aufbereiten, dass wir sie nie wieder vergessen. Dazu müssen wir sie analysieren und dann auf die wichtigsten Ereignisse reduzieren (siehe auf Learn-Study-Work "Die deutsche Geschichte"):

  • 9 nach Chr. - Armenius (der Asterix der Deutschen) besiegt die Römer
  • 800 - Karl der Große wird vom Papst zum Kaiser gekrönt - Heiliges Deutsches Reich (schwaches Reich)
  • 1815 - Wiener Kongress - Deutscher Bund (Deutschland ein Flickenteppich)
  • 1848 - Deutsche Revolution (nicht erfolgreich)
  • 1871 - Deutsche Reich - (Bismark, Kaiser Wilhelm und der Hauptmann von Köpenik)
  • 1914 - 1918 - Erster Weltkrieg (Weltmacht als Ziel)
  • 1918 - 1933 Weimarer Republik (Demokratie)
  • 1933 - 1945 Hitler / 1939 - 1945 2. Weltkrieg (Nationalsozialisten an der Macht)
  • 1945 - 1989 zwei deutsche Staaten (03.10. Feiertag der Wiedervereinigung)

Obwohl ich versucht habe für jeden Punkt eine Gedächtnisstütze zu finden, ist die Zahl von 9 Punkten zu groß. Entsprechend dem obigen Zitat müssen wir jetzt "integrieren", d. h. zusammenfassen (wobei wir einige Ungenauigkeiten in Kauf nehmen müssen). Vielleicht so:

  • 9 - 1814  das Land der Barbaren wird zum Heiligen Römischen Reich
  • 1815 - 1918  Deutscher Bund und Deutsches Reich
  • 1918 - jetzt  Demokratie - Nationalsozialisten - Sozialisten - Demokratie

So kommen wir zu der magischen Zahl von 3 Punkten, die man sich gut merken kann (3 Punkte sind optimal, aber 4 gehen auch noch). Wir sind zu einer "hierarchischen Struktur mit Ober- und Unterbegriffen" gelangt.

Arbeit / Klausur vorbereiten - reduzieren - zusammenfassen - hierarchisch ordnen - deutsche Geschichte - www.learn-study-work.org

Wie vom Zitat gefordert müssen wir jetzt noch abstrahieren, d. h. eine allgemeine Schlussfolgerungen ziehen. Die sieht für mich persönlich so aus: In der deutschen Geschichte gibt es drei große Katastrophen: der 1. Weltkrieg, der 2. Weltkrieg und die Verfolgung der Juden. Den Grund sehe ich darin, dass es in Deutschland lange keinen starken Zentralstaat gab, weshalb die Entwicklung in Deutschland langsamer verlief als in den anderen europäischen Großmächten. Weil die deutschen Führer diesen Rückstand mit aller Macht aufholen wollten, kam es zu diesen Katastrophen.

 

Auf diese Art und Weise kann man den Prüfungsstoff für jede Klassenarbeit/Klausur vorbereiten (da braucht man für einem Thema wahrscheinlich 3 oder 4 Ebenen). Voraussetzung ist, dass man analysieren kann und so die Zusammenhänge versteht. Generalisierend kann man sagen:

 

"Strukturierte Informationen sind leichter zu merken und abzurufen als ungeordnete Informationen." (www.nature.com/articles/s41598-019-46908-z, 09.01.22)

Wie lernen? Hierarchisch und logisch (sinnvoll) geordnete Aussagen sind leichter zu verstehen und besser zu erinnern - www.learn-study-work.org

"Herausragende Gedächtnisleistungen sind auch Gegenstand der Skilled Memory-Theory von Chase and Ericson (1981). ... Chase und Ericson (1981) konnten so demonstrieren, dass durch bedeutungshaltige Strukturierung und Entwicklung einer hierarchischen Abrufstruktur die Grenzen des Arbeitsspeichers deutlich überwunden werden können." (Hagemann, N., Tietjens, M., & Strauss, B. (Eds.). (2007). Psychologie der sportlichen Höchstleistung: Grundlagen und Anwendungen der Expertiseforschung im Sport. Hogrefe Verlag., S. 10)

 

Wenn wir unser Wissen heirarchisch aufbauen, dann bekommt es die Form eines Eisberges, bei dem wir die Details aus den Grundlagen ableiten können (siehe auf Learn-Study-Work "Wie studieren?" ganz unten). Den Eisberg können aber nur Personen konstruieren, die das Thema gut analysieren und ordnen können.

 

Für das Verstehen und das Erklären ist das Analysieren eine Voraussetzung:

  • Beim Verstehen geht es um eine Frage, die ich für mich beantworten will. Ich zerlege die Frage in Teilfragen, die ich in einer logischen Reihenfolge beantworte. Dann fügen ich alle Antworten zusammen und beantworte so die Ausgangsfrage.
  • Beim Erklären kenne ich die Antwort auf eine Frage, die eine andere Person an mich stellt. Ich zerlege die Antwort in Teilaussagen, die ich in einer logischen Reihenfolge erkläre. Dann füge sich alle Teilaussagen zusammen und bentworte so die Frage vollständig. Wenn Teilantworten/Teilaussagen in einer Erklärung fehlen, hat die Struktur Lücken und die Erklärung bleibt unverständlich. Dann ist man unzufrieden, wie wenn man vor einem Puzzle steht, bei dem Teile fehlen.

Beispiel für eine Erklärung:

Wikipedia erklärt die Frage "Was ist Wissenschaft?" so:

 

"Das Wort Wissenschaft ... bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird.[2]

(Wikipedia, 16.12.21)

 

Um diese Definition auf Wikipedia zu verstehen, müssten viele Fragen zu den verwendeten Begriffen beantwortet werden: Gehört alles Wissen eines Menschen zur Wissenschaft, auch das einfachste? Wie ist das mit der Zeitepoche gemeint? Wenn eine geforderte Eigenschaft (systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert) nicht erfüllt wird, ist es dann keine Wissenschaft? ... Leider werden diese Fragen von Wikipedia nicht beantwortet. Aber auf die Definition folgen eine große Menge an Details über die Wissenschaft. Details darzustellen ist einfach, man muss sie nur zusammentragen.

 

Im Gegensatz zu Wikipedia habe ich "Wissenschaft als neues, resproduziertbares und nützliches Wissen" definiert und erklärt, warum es neu, reproduzierbar und nützlich sein muss. Dafür musste ich analysieren, was andere zu dem Thema geschrieben haben (siehe auf Learn-Study-Work "Was ist Wissenschaft?").

 

Das Zitat oben zur Bedeutung einer Sache sagt, dass man bei der Sache auch verstehen muss, "wie sie genutzt werden kann". Z. B. reicht es nicht eine Regel zu kennen, man muss auch wissen, in welchen Situationen man sie angewenden werden kann, welche Fakten zum Anwenden bekannt sein müssen und welche weiteren Regeln in solchen Situationen gelten.

 

Beispiel: Beim Satz des Pythagoras muss man wissen, dass dieser nur für rechtwinklige Dreiecke gilt, dass man mit ihm dann bei zwei bekannten Seiten, die dritte ausrechnen kann. Wenn man also in einer Situation ein rechtwickliges Dreieck erkennt, könnte man den Satz des Pythagoras anwenden. Wenn nur eine Seite und ein Winkel bekannt sind, dann kann man mit dem Sinus oder Cosinus die zweite Seite berechnen kann.

 

3. Die Persönlichkeit der Lernenden fördern

Das Ziel der Schulen sollte sein, die Persönlichkeit der Lernenden so zu fördern, dass sie höflich, ehrlich und hilfsbereit sind. Dieses Ziel leitet sich ab von der Definition von Respekt (siehe auf Learn-Study-Work "Was ist Respekt"):

 

Respekt ist tolerantes, höfliches, ehrliches Verhalten gegenüber anderen und das Einhalten berechtigter sozialer Regeln. Wer intolerant ist, der ist nicht höflich, ehrlich und hilfsbereit gegenüber anderen. Also beinhalten diese drei Verhaltensweisen die Forderung nach Toleranz.

 

Wie können diese Verhaltensweise in der Schule gefördert werden? Da gibt es zwei Möglichkeiten: durch Kontrolle und Strafen oder durch vorbildhaftes Verhalten. Beides ist notwendig, aber ich schreibe hier nur über das Letztere.

 

Höflichkeit und Ehrlichkeit

 

"Immer wieder kommt die Diskussion auf, Höflichkeit und Manieren als Unterrichtsfach einzuführen. An einer Grundschule in Dahn wurde diese Idee sechs Wochen lang umgesetzt. ... Auch das Thema "Ehrlichkeit" stand auf dem Stundenplan. ... 'Was die Kinder in diesem Alter lernen, nehmen sie mit in die Zukunft.' Die Schüler selbst berichten von einem besseren Umgang miteinander, zum Beispiel in den Pausen. Am Ende waren auch die Lehrer überrascht, wie viel das Projekt tatsächlich bewirkt hat, es gäbe viel seltener Streitigkeiten." (www.sr.de/sr/sr1/programm/themen/unterrichtseinheit_hoeflichkeit100.html, 06.11.22)

 

Höflichkeit und Ehrlichkeit als Unterrichtsfach ist gut, wichtiger ist, wie sie im Alltag vorgelebt werden: Egal wie falsch sich ein Schüler oder eine Schülerin verhalten hat, trotzdem bleiben alle höflich und es gibt eine gerechte Strafe.

 

Hilfsbreitschaft

 

 "Ein respektvoller, gemeinschaftlicher Umgang miteinander und eine gute Lernatmosphäre – das wünscht sich jede Lehrkraft für ihre Klasse(n). ... Manche Schüler/-innen tun sich schwer, Anschluss zu finden und ein Teil der Klassengemeinschaft zu werden. Damit auch sie sich anerkannt und geschätzt fühlen, braucht es oft ein wenig Extra-Zuwendung. ... Nehmen Sie sich zwischendurch immer mal ganz bewusst die Zeit für ein kurzes Lob. ... Ein Lob, das positiv aufgenommen werden soll, muss ein berechtigtes Lob sein. Doch es gibt sicherlich immer wieder etwas, das tatsächlich lobenswert ist." (www.cornelsen.de/magazin/beitraege/acht-ideen-fuer-ein-besseres-miteinander, 0.11.22)

 

Einige Lernende denken, wenn eine gute Schülerin etwas einem weniger guten Schüler erklärt, dann ist dies für die Schülerin langweilig. Jemand anderen etwas zu erklären, trainiert aber das eigene Denkvermögen.

 

4. Lernen mit Spaß und ohne großen Stress

"Betrachtet man einzig die Leistungen der Schüler, macht Südkorea offenbar einiges richtig: Bei der jüngsten [Pisa Studie] landete das Land in allen Bereichen (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) weit vorn. ... Eine Schule, die im Sommer mit einem etwas gelockerten Lehrplan, mehr Sportanteilen und mehr Freizeitaktivitäten angetreten war, musste sich dem Elternwillen weitgehend beugen. Die Eltern verlangten nach weniger Freizeit und der Möglichkeit für Privatunterricht am Abend und am Wochenende." (www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/schuelerdrill-in-suedkorea-lernen-heisst-leiden-a-733533.html, 19.10.22)

 

Warum ist es besser, ohne übergroßen Stress zu lernen? Robert W. White schreibt über das Lernen im Kleinkindalter, aber es ist wahrscheinlich auch später gültig:

 

"Es gibt jedoch gute Gründe für die Annahme, dass ein starker Trieb genau das falsche Mittel ist, um eine flexible, kenntnisreiche Handlungsfähigkeit gegenüber der Umwelt zu gewährleisten. Starke Triebe [oder starker Druck] führen dazu, dass wir bestimmte Lektionen gut lernen, aber sie schaffen keine maximale Vertrautheit mit unserer Umgebung.
Dieser Punkt wurde ... in einigen Experimenten von Yerkes und Dodson (1908) demonstriert. Sie zeigten, dass maximale Motivation nicht zum schnellsten Lösen von Problemen führt, insbesondere wenn die Probleme komplex sind. Für jedes Problem gab es ein optimales Motivationsniveau, weder das höchste noch das niedrigste, und das Optimum war bei komplexeren Aufgaben niedriger." (White, R. W. (1959). Motivation reconsidered: The concept of competence. Psychological Review, 66(5), 297–333)

 

Auch im Sport ist es vorteilhaft, wenn die Kinder am Anfang Spass haben.

 

"Die erste Phase der Sportbeteiligung, die Schnupperjahre, fand bei allen Teilnehmern im Alter zwischen 6 und 13 Jahren statt.
Die Eltern [von Spitzensportlern] bieten ihren Kindern die Möglichkeit, Sport zu genießen. Die Eltern der Kinder in den Stichprobenjahren waren dafür verantwortlich, ihr Interesse am Sport zu wecken und ihnen die Möglichkeit zu geben, ein breites Spektrum an unterhaltsamen Aktivitäten auszuprobieren, ohne sich auf intensives Training zu konzentrieren. ... Einige wichtige Elemente des Sporttreibens in den Stichprobenjahren sind die aktive Beteiligung des Kindes, die Freiwilligkeit und der Spaß an der Sache ..." (Côté, J. (1999). The influence of the family in the development of talent in sport. The sport psychologist, 13(4), 395-417)

 

Kinder sollten Freizeit haben, in der sie aktiv und ohne Druck Sachen ausprobieren und eine "maximale Vertrautheit" mit ihnen entwickeln können. Das zahlt sich später aus.

 

Jeder muss selber entscheiden, wie er oder sie in der Schule lernt bzw. lehrt. Ich glaube, wer ein gutes und breites Grundlagenwissen hat, sowie die Fähigkeit zu analysieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, der kann sich Fachwissen leicht aneignen (siehe das Zitat vom Humboldt oben) und dann bringt das Lernen auch Spaß.

 

Auf Learn-Study-Work wird das Analysieren erklärt, siehe "Wie Situationen/Systeme analysieren" (der Text ist allerdings nicht so einfach zu verstehen).