Was ist Respekt?

Kernaussage: Man muss nicht jeden Menschen mögen, aber man muss zu jedem höflich sein. Für viele Menschen ist es bequem, wenn sie nicht genau wissen, was Respekt ist, weil sie sich dann für respektvoll halten können, aber nicht so handeln müssen.

 

Respekt ist wichtig

"Als Kinder wird uns beigebracht (hoffentlich), unsere Eltern, Lehrer und Ältere, Schulregeln und Verkehrsgesetze, familiäre und kulturelle Traditionen, die Gefühle und Rechte anderer Menschen, die Flagge und die Führer unseres Landes, die Wahrheit und die unterschiedlichen Meinungen der Menschen zu respektieren. ... Obwohl es eine Vielzahl von Dingen gibt, die Respekt verdienen, hat sich das zeitgenössische philosophische Interesse an Respekt überwiegend auf den Respekt vor Personen konzentriert, auf die Idee, dass alle Personen mit Respekt behandelt werden sollten einfach, weil sie Personen [Menschen] sind." (https://plato.stanford.edu/entries/respect, 12.08.21)

 

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Respekt: Respekt ohne Bewertung und Respekt mit Bewertung (Darwall, S. L. (1977). Two Kinds of Respect. Ethics, 88: 36–49). Die "Idee, dass alle Personen mit Respekt behandelt werden sollten einfach, weil sie Personen sind", ist Respekt ohne Bewertung. Respekt mit Bewertung ist, wenn wir jemanden respektieren, weil er eine besondere Fähigkeit hat.

 

"Eine Bewertung erfolgt immer mit Bezug auf qualitative Standards. Für ein und dieselbe Person können unterschiedliche Standards gelten. Daher ist Respekt mit Bewertung eine Frage des Grades, inwieweit die Person die Normen erfüllt (wir können also jemanden mehr oder weniger respektieren und eine Person mehr respektieren als eine andere), und kann mit (einigen) negativen Beurteilungen einer Person oder ihrer Eigenschaften koexistieren (die mit Bezug auf andere Normen beurteilt werden). Wir können die Ehrlichkeit einer Person schätzen, obwohl wir sie für faul halten, ... wir können eine Person als exzellenten ... Zimmermann respektieren und sie dennoch nicht als moralisches Vorbild ansehen." (https://plato.stanford.edu/entries/respect, 12.08.21)

 

Hier soll der "Respekt vor Personen" ohne Bewertung definiert werden.

 

Welches Verhalten ist respektvoll und welches ist respektlos?

Krankenschwestern wurden befragt, was für sie Respekt bedeutet:

 

"Respekt gegenüber und von Kollegen
- Hören Sie wirklich zu und seien Sie ganz aufmerksam.
- Behandeln Sie andere so, wie Sie selbst behandelt werden möchten.
- Drücken Sie Anerkennung und Wertschätzung aus.
- Zeigen Sie Einfühlungsvermögen und Verständnis.
- Seien Sie höflich und rücksichtsvoll.
- Seien Sie verantwortungsbewusst und professionell.
Respekt von Managern
- Erkennen Sie Ihr Personal an.
- Kommunizieren Sie und sorgen Sie für Informationsaustausch.
- Fragen Sie die Mitarbeiter nach ihrer Meinung und nach ihren Bedürfnissen.
- Seien Sie hilfsbereit, fair, konsequent und einfühlsam."

(Ulrich, B., Breugger, R., Lefton, C. (2009). Respect: Beginning to define the concept in nursing. The Official Journal of the Center for American Nurses, 2(3), S. 8)

 

Wir müssen aber auch in der Lage sein, Respektlosigkeit zu erkennen:

 

"Obwohl die sozialen Medien es den Menschen ermöglicht haben, miteinander in Kontakt zu treten und zu interagieren, haben sie diese auch anfällig für Beleidigungen, Demütigungen, Hass, Mobbing und Drohungen von bekannten (z. B. Kollegen, Freunde) oder unbekannten (z. B. Fans, Kunden, anonyme Personen) Personen gemacht. ... Wir schlagen fünf kontextbezogene Arten der Belästigung in der Online-Kommunikation in sozialen Medien vor:


1. Sexuelle Belästigung ist eine beleidigende sexuelle Ansprache, die sich in der Regel gegen Frauen richtet. ...
2. Rassistische Belästigung zielt auf rassische und ethnische Merkmale eines Opfers wie Hautfarbe, Land, Kultur, Religion in beleidigender Weise ab ...
3. Bei der Belästigung aufgrund des Aussehens wird eine peinliche Sprache verwendet, die sich auf das Erscheinungsbild des Körpers bezieht. ...
4. Intellektuelle Belästigung beleidigt die intellektuellen Fähigkeiten oder Meinungen von Personen. ...
5. Politische Belästigung bezieht sich auf die politischen Ansichten einer Person ..."

 

(Rezvan, M., Shekarpour, S., Alshargi, F., Thirunarayan, K., Shalin, V.L., Sheth,
A.: Analyzing and learning the language for different types of harassment. Plos one 15(3), p. 1-3)

 

32 Jahre lang habe ich Studierende in Verfahrenstechnik und Arbeitswissenschaft in Laboren unterrichtet und in dieser Zeit mit etwa 3000 Studierenden gearbeitet. Um ihnen respektvoll zu begegnen, habe ich für mich die folgenden Fragen beantwortet:

  • Dürfen Studierende und ich unterschiedliche Meinungen haben? Ja
  • Muss ich alle Studierende mögen? Nein
  • Darf ich Studierende, die eine andere Meinung haben oder die ich nicht mag, benachteiligen? Nein
  • Muss ich zu allen Studierenden höflich sein? Ja
  • Darf ich Studierende kritisieren? Ja, aber höflich.
  • Darf ich hinter dem Rücken von Studierenden schlecht über sie reden? Nein
  • Darf ich zu einer Gruppe von Studierenden respektlos sein? Nein

Respekt hat also vier Eigenschaften:

  1. Toleranz: Akzeptiere, wenn jemand anders ist und eine andere Meinung hat.
  2. Höflichkeit: Sei immer höflich.
  3. Ehrlichkeit: Sage anderen Personen direkt deine Meinung. Spreche nicht schlecht über andere Personen hinter deren Rücken. Erzähle keine Lügen.
  4. Einhalten sozialer Regeln: Jeder Mensch gehört zu mindestens einer sozialen Gemeinschaft (z. B. einem Staat). Respektiere nicht nur den Menschen, sondern auch die berechtigten Regeln seiner Gemeinschaft.

Was ist die Definition von Respekt?

Die Definition eines Begriffes benennt die Klasse, zu der der Begriff gehört und die wesentlichen Merkmale, die diesen Begriff von den anderen Begriffen der Klasse unterscheiden (siehe "Wörter definieren" auf Learn-Study-Work).

 

Klasse: Ist Respekt ein Verhalten oder eine Haltung (Einstellung)? Die Haltung einer Person zeigt sich in ihrem Verhalten. Das Verhalten einer Person kann ich beurteilen, während die Einstellung, die hinter einem Verhalten steht, nicht so einfach zu erkennen ist. Deshalb ist es sinnvoll Respekt als ein Verhalten zu betrachten.

 

Definition: Respekt ist tolerantes, höfliches, ehrliches Verhalten gegenüber anderen und das Einhalten berechtigter sozialer Regeln.

 

Mit dieser Definition kann und soll jeder Mensch sein Verhalten überprüfen. Wenn eine Bedingung nicht erfüllt ist, dann handelt es sich nicht um Respekt.

Was ist Respekt? Definition: Repekt ist tolerantes, höfliches, ehrliches Verhalten und das Einhalten sozialer Regeln- www.learn-study-work.org

Warum ist Toleranz wichtig?

Nach dem Zweiten Weltkrieg war klar, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen darf. Deshalb verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 in Paris:

 

"... da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben ... verkündet die Generalversammlung diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal ...

Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. ...

Artikel 2: Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand."

 

Niemand wird bezweifeln, dass Toleranz eine wesentliche Voraussetzung für Respekt ist.

 

"Jeder Mensch hat eine Würde und genießt das Recht, dass seine Würde von seinen Mitmenschen geachtet wird ... Die Würde, die durch den achten Verfassungszusatz, die "Due Process Clause" und die amerikanischen Verfassungen auf Bundes- und Staatsebene geschützt wird, ist nicht die soziale Würde, sondern die menschliche Würde, eine Eigenschaft, die alle Menschen als solche besitzen. Es handelt sich nicht um eine Würde, die Personen von anderen Personen oder vom "Staat" oder von der "Gesellschaft" oder von irgendeiner Gemeinschaft verliehen wird und sie kann deshalb nicht weggenommen werden."

(Dubber, M. D. (2004). Toward a Constitutional Law of Crime and Punishment, Hastings Law Journal Vol. 55, S. 515)

 

Bedeutet Toleranz, dass man keine anderen Personen kritisieren darf? Nein, jeder hat das Recht offen und höflich (s. u.) seine Meinung zu äußern.

 

"Artikel 19: Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; ... Artikel 29: ... Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern ..."

 

Toleranz bedeutet also zu akzeptieren, dass andere Menschen ihre Meinung äußern und ihre eigenen Interessen verfolgen dürfen. Wenn unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und keine Seite nachgeben will, dann kommt es zu einem Konflikt.

 

Ein Konflikt ist "unvereinbares Verhalten zwischen Parteien deren Interessen unterschiedlich sind." (Brown, L. D. (1983). Managing Conflict at Organizational Interfaces. Ad-dison-Wesley. Reading, MA.)

 

Im Fall eines Konfliktes sollten wir versuchen, die Interessen der anderen Partei zu verstehen und einen Kompromiss zu finden. Ist dies nicht möglich, muss ein Gericht oder eine andere anerkannte Autorität entscheiden. Um Konflikte zu vermeiden, sollte eine Gemeinschaft klar festlegen, welche Regeln für sie gelten (siehe unten).

 

Warum ist Höflichkeit wichtig?

Die Grundlage für ein höfliches Zusammenleben der Menschen in einem Staat sind die Gesetzte des Staates, wobei vorausgesetzt wird, dass diese Gesetze die Menschenrechte umsetzen.

 

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sagt:

 

"Artikel 29: ... Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen. ..." (Hervorhebung von mir)

 

Ich darf meine Meinung äußern (s. o.) und Handlungen anderer kritisieren, aber ich bin dabei eingeschränkt, weil ich die Rechte und Freiheiten der anderen anerkennen und respektieren muss. Das bedeutet, dass ich höflich zu anderen sein muss.

 

"Etiquette ...

Definition: die Sitten oder Verhaltensregeln, die im gesellschaftlichen Leben als korrekt gelten ...

Synonyme: gutes oder angemessenes Verhalten ... Höflichkeit" (www.collinsdictionary.com/de/worterbuch/englisch-thesaurus/etiquette#etiquette__1 , 04-01-21)

 

"... jede hochgradig gegliederte Gesellschaft wird eine Etikette besitzen, in der jeder Mensch weiß, welches Verhalten von ihm gegenüber anderen und von anderen gegenüber ihm erwartet wird. ... Mitte des 20. Jahrhunderts war die Besorgnis um höfliches Benehmen jedoch nicht mehr nur auf eine gesellschaftliche Elite beschränkt. Gute Manieren wurden für normale Menschen in alltäglichen Situationen festgelegt ..." (www.britannica.com/topic/etiquette, 04.01.21)

 

Definition: Höflichkeit ist eine Anzahl von Regeln für gutes Benehmen.

Jede Kultur hat ihre eigenen Regeln der Höflichkeit. Diese Regeln ändern sich im Laufe der Zeit. Beispiel: Früher war es normal, dass Krankenhausmanager keine Informationen mit Krankenschwestern austauschten. Heute betrachten die Krankenschwestern es als unhöflich, wenn die Manager dies nicht tun (siehe oben).

 

Warum ist Ehrlichkeit wichtig?

Das Vorbild für Ehrlichkeit ist ein fairer Gerichtsprozess:  Vor Gericht ist jeder verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Der Staatsanwalt trägt die Anklage vor. Der Angeklagte darf sich in allen Punkten verteidigen. Der Angeklagte wird höflich behandelt. Wenn er schuldig ist, erhält er eine gerechte Strafe.

 

Konflikte sollten offen und ehrlich ausgetragen werden:

 

"Konflikte können allerdings auch ein Motor sein. Vorausgesetzt, sie werden offen ausgetragen, es geht um die Sache und alle Beteiligten verhalten sich dabei fair [tolerant und höflich]." (www.zeit.de/karriere/beruf/2012-03/chefsache-konfliktmanagement/komplettansicht, 08.04.22)


Wenn sich zwei Menschen treffen, gibt es drei Möglichkeiten:

  • Beide haben Respekt voreinander und kommen gut miteinander aus.
  • Beide haben keinen Respekt voreinander, sie streiten und der Stärkere gewinnt.
  • Eine Person hat Respekt und die andere nicht. Die Person mit Respekt könnte in Schwierigkeiten geraten.

Diese Einteilung sieht einfach aus, aber sie ist es nicht, denn die Grenze zwischen respektvoll und respektlos ist fließend. Manchmal verhält sich eine Person respektvoll, manchmal nicht. Das hängt ab von der jeweiligen Situation. Was eine Person als respektlos betrachtet, ist für eine andere Person noch akzeptabel.

Wer har Respect? respektvoll - respektlos - www.learn-study-work.org

Wer Respekt hat, lügt nicht über andere. Wenn wir eine andere Person kritisieren, können wir im Unrecht sein. Deshalb geben wir der anderen Person die Möglichkeit, sich zu verteidigen. Menschen ohne Respekt versuchen oft, offen oder verdeckt, anderen Menschen durch Lügen, Schikane, Belästigung oder Mobbing zu schaden.

 

Warum ist das Einhalten sozialer Regeln wichtig?

"Wir leben die meiste Zeit unseres Lebens in Gemeinschaften, ähnlich wie Löwen, die in sozialen Gruppen leben, und nicht wie individualistische Tiger, die die meiste Zeit allein leben. Diese Gemeinschaften prägen unsere moralischen und politischen Urteile ... und wir haben eine starke Verpflichtung, die besonderen Gemeinschaften, die unserem Leben einen Sinn geben, zu unterstützen und zu pflegen ..." (https://plato.stanford.edu/entries/communitarianism/, 23.10.21)

 

"Die politische Ökonomin Elinor Ostrom (die 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt) beobachtete das gleiche Phänomen der spontanen Regelbildung, wenn Menschen gemeinsame Ressourcen wie Land, Fischerei oder Wasser für die Bewässerung verwalten müssen. Sie fand heraus, dass Menschen kollektiv Regeln aufstellen, z. B. darüber, wie viel Vieh eine Person wo und wann weiden darf, wer wie viel Wasser bekommt und was zu tun ist, wenn die Ressource begrenzt ist, wer wen überwacht und welche Regeln Streitigkeiten lösen. Diese Regeln werden nicht einfach von Herrschern erfunden und von oben verordnet, sondern ergeben sich oft unaufgefordert aus den Erfordernissen einer einvernehmlichen sozialen und wirtschaftlichen Interaktion. Der Drang, erdrückende, ungerechte oder schlichtweg sinnlose Regeln aufzuheben, ist durchaus berechtigt. Aber ohne Regeln - und ohne eine gewisse Tendenz, uns an sie zu halten - würde die Gesellschaft schnell ins Pandämonium [Chaos] abgleiten." (https://warwick.ac.uk/newsandevents/knowledgecentre/science/psychology/world_without_rules, , 23.10.21

 

Eine Gemeinschaft kommt nicht ohne soziale Regeln aus, sonst kann sie sich nicht entwickeln. Respekt vor einer anderen Person muss berücksichtigen, dass diese Person immer auch ein Mitglied einer Gemeinschaft ist. Wer die Regeln dieser Gemeinschaft nicht respektiert, zeigt dadurch keinen Respekt vor den Mitgliedern der Gemeinschaft.

 

Beispiel: Zwei Freunde wohnen im gleichen Mietshaus. Jeder hat seine eigene Wohnung. Der eine verschmutzt das Treppenhaus und der andere ist darüber nicht glücklich. Seinem Freund fehlt der nötige Respekt vor der Gemeinschaft der Hausbewohner.

 

Oft kommt es zu Konflikten, weil eine Person die Regeln einer Gemeinschaft nicht respektiert und sich eine andere Person darüber aufregt, wütend ist und dann unhöflich seine Meinung sagt (z. B. im Straßenverkehr).

 

Sinnvolle Regeln sind die Voraussetzung für Respekt. Vor Gericht kann der Richter den Angeklagten respektvoll behandeln, weil er weiß, dass er das Gesetz anwenden und ihn zu einer Strafe verurteilen wird, wenn er schuldig ist:

 

"Jede Strafnorm folgt einem einfachen Prinzip. Es lässt sich auf folgende Formel herunterbrechen: 'Wenn jemand das und das tut, dann muss er mit diesen und jenen Konsequenzen rechnen.' Wer eine bestimmte verbotene Verhaltensweise an den Tag legt, muss mit einer bestimmten Strafe rechnen. Die verbotenen Verhaltensweisen werden im Strafrecht Tatbestand genannt, die Konsequenz Rechtsfolge." (www.koerperverletzung.com/tatbestandsmerkmale/, 09.04.22)

 

"Im weitesten Sinne kann eine Regel jede Aussage sein, die besagt, dass eine bestimmte Schlussfolgerung immer dann gültig sein muss, wenn eine bestimmte Prämisse [Voraussetzung] erfüllt ist, d.h. jede Aussage, die als Satz der Form 'wenn ... dann ...' gelesen werden kann ..." (Hitzler P., Krötzsch M., Rudolph, S. (2009). Foundations of Semantic Web Technologies. Chapman & Hall/CRC, S. 213 - 216)

 

Beispiel: In dem Video "Die Mannschaft braucht klare Regeln" (auf der Webseite www.planet-schule.de/wissenspool/entscheide-dich/inhalt/sendungen/was-heisst-hier-respekt.html#, 09.04.22) sagt die professionelle Streitschlichterin: "Die Regeln müssen klar sein und die Konsequenzen müssen klar sein." Besser formuliert: "Die Regeln müssen klare Konsequenzen beinhalten (wenn .., dann)." Der Kapitän einer Fußballmannschaft stellt dann im weiteren Verlauf des Videos diese "Regel" auf (sie wird nur ganz kurz gezeigt): "Die Ansagen von Trainer und Kapitän sind zu befolgen (keine Diskussion)". Das ist keine Regel, sondern ein Wunsch. Die entsprechende Regel könnte lauten: "Wenn ein Spieler die Ansagen des Trainers nicht befolgt, dann muss er ein Spiel aussetzen." Wenn ein Spieler diese Regel missachtet und darauf hingewiesen wird, dann wird er wahrscheinlich sein Fehlverhalten einsehen. Er setzt ein Spiel aus und die Sache ist vergessen.

 

"Eltern, die sich nicht mehr getrauen, klare Regeln zu kommunizieren, greifen oft unbewusst zum Liebesentzug ... Statt dass das Kind lernt, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, verinnerlicht es, irgendwie nicht liebenswert zu sein. ... Das heisst, wenn ein 5-Jähriger immer wieder die Jacke auf den Boden wirft, wird vereinbart, dass er als Konsequenz die Jacken der ganzen Familie aufräumt. Es ist wichtig, dass man mit dem Kind abmacht, welche Konsequenzen ein bestimmtes Handeln hat. Es stärkt ein Kind in seinem Selbstwert, wenn es darin unterstützt wird, diese Konsequenzen selbst zu tragen und Verantwortung zu übernehmen." (www.sabine-ihle.ch/dokumente/gewaltfreie-erziehung.pdf, 11.08.22, S. 12)

 

Es müssen also Regeln aufgestellt werden (Regeln gemeinsam vereinbaren ist besser als sie anordnen), aber es darf nicht zu viele Regeln geben. Zu viele Regeln engen die Freiheit ein, nerven und bewirken das Gegenteil.

 

"Es ist gut beforscht, dass positive Verstärkung günstigere Wirkung hat als Bestrafung (Hautzinger, 2013). Positive Verstärkung richtet sich immer auf Verhalten: «Toll, hast du Schuhe und Jacke aufgeräumt.» ... Da zeigt sich Bestrafung eindeutig im Nachteil, da sie ständige Überwachung des Verhaltens von Kindern fordert. Und Bestrafung kann zu einer allgemeinen Abnahme von Verhalten führen, statt nur zu einer Abnahme des bestraften Verhaltens (Mazur, 2006). So können zum Beispiel bei unerwünschtem Verhalten des Kindes wiederholte, strenge Zurechtweisungen der Bezugsperson dazu führen, dass sich das Kind zurückzieht und sich gar nicht mehr unbefangen äussert." (www.sabine-ihle.ch/dokumente/gewaltfreie-erziehung.pdf, 11.08.22, S. 14)

 

Respekt und ein "guter Wille" gehören zusammen

Niemand ist perfekt, weshalb es manchmal zu Missverständnissen kommt. Bevor wir jemanden für respektlos halten, sollten wir versuchen objektiv zu prüfen, ob unsere Sichtweise richtig ist. Es besteht auch die Möglichkeit, dass bei der anderen Person ein Missverständnis vorliegt. Wenn alle Personen, die an einem Konflikt beteiligt sind, einen "guten Willen" haben, dann kann man einen Fehler verzeihen und einen Kompromiss zur Beilegung des Konfliktes finden.

 

"Verstand, Witz, Urteilskraft, und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder Mut, Entschlossenheit, Beharrlichkeit im Vorsatze, als Eigenschaften des Temperaments, sind ohne Zweifel in mancher Absicht gut und wünschenswert; aber sie können auch äußerst böse und schädlich werden, wenn der Wille, der von diesen Naturgaben Gebrauch machen soll und dessen eigentümliche Beschaffenheit darum Charakter heißt, nicht gut ist.

 ... ich soll niemals anders verfahren, als so, daß ich auch wollen könne, meine Maxime solle ein allgemeines Gesetz werden." (Immanuel Kant (1785). Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Verlag J. F. Hartknoch, S. 1, 17)

 

Andere Menschen soll man also auch nach dem Willen beurteilen, der hinter ihren Handlungen steckt.

 

Lesen Sie weiter auf Learn-Study-Work "Wie auf Respektlosigkeit reagieren?".