Hamburg Innovation Summit - Webinar am 03.06.22

Wie kreativ werden - finde oder habe neue Ideen zur Lösung von Problemen

Kernaussage: Neue Ideen fallen nicht vom Himmel. Sie entstehen aus Wissen und Erfahrung.

 

Was ist Kreativität?

Wenn wir ein Problem lösen wollen, dann benötigen wir zuerst eine Idee und dann eine zu der Idee passende Methode: Eine Idee ist ein knappes geistiges Bild von etwas, eine Vorstellung, die das Wesentliche (Prinzipielle) von etwas beschreibt. Eine Methode ist der Weg zu einem gewünschten Ziel (eine genaue Beschreibung dieses Weges).

 

Wenn wir aus mehreren Alternativen eine optimale Lösung für unser Problem auswählen wollen, müssen wir mehrere Ideen haben. Ideen entstehen auf der Grundlage von Wissen. Es macht z. B. keinen Sinn, ein Brainstorming mit Leuten durchzuführen, die nichts über das Problem wissen, welches gelöst werden soll.

 

"... schwierige Probleme sind solche, für die ein Problemlöser (Mensch oder Computer) nicht genügend Wissen und Ressourcen hat ..." (Wang, P. (2007). The logic of intelligence. In Artificial General Intelligence eds. B. Goertzel and C. Pennachin. New York, NY: Springer, S. 39)

Wie kreativ werden? Neue Ideen fallen nicht vom Himmel - das passende Wissen führt zu neuen Ideen - optimale Lösung für ein Problem - www.learn-study-work.org

Mit ausreichendem Wissen wäre es für uns leicht, das Ziel zu erreichen oder wir würden erkennen, dass das Problem unlösbar ist. Albert Einstein sagte: "Es ist nicht so, dass ich so schlau bin, ich beschäftige mich einfach nur länger mit den Problemen." Das heißt, er konnte Probleme lösen, weil er sich zu diesen viel Wissen aneignet und dann darüber nachgedacht hatte.

 

Wie können wir zu dem fehlenden Wissen kommen? Es gibt zwei Möglichkeiten:

 

1.Wir finden Ideen, die andere zur Lösung eines ähnlichen Problems verwendet haben


Dazu führen wir eine Literaturreche durch. Um mit den richtigen Schlüsselwörtern zu suchen, stellen wir eine grundlegende Frage oder sehen uns die Definitionen der Begriffe an, die zu unserem Problem gehören.

 

"Vor jedem Projekt müssen wir innehalten und uns fragen, ob jemand dieses Problem bereits gelöst hat. Dann müssen wir uns ernsthaft fragen, ob es einen guten Grund gibt, warum unsere Lösung anders sein muss." (www.producttalk.org/2013/08/find-someone-else-who-has-solved-your-problem-before, 03.10.2020)

 

Auch wenn wir eine bereits erfolgreiche Idee finden, sollten wir trotzdem versuchen, diese zu verbessern.

 

2.Wir müssen kreativ sein und neue Ideen haben, um unser Problem zu lösen


Was ist Kreativität?
Kreativität ist, wenn eine Person "etwas Neues" schafft, das nützlich ist. "Etwas Neues" ist nützlich, wenn es unser Leben verbessert und hilft, ein Problem zu lösen.

 

""Ich definiere Kreativität genauer als den Prozess, originelle Ideen zu haben, die wertvoll sind. ... Bei der Kreativität geht es darum, etwas Neues zu schaffen. ... Es muss zumindest für den Schöpfer neu sein und nicht nur eine Kopie oder eine Wiederholung." (www.interaliamag.org/interviews/ken-robinson, 21.09.20)

 

"Allzu oft ... bedeutet 'Kreativität', große, originelle Ideen zu haben. ... die Ideen werden oft mehr nach ihrer Neuartigkeit als nach ihrem potenziellen Nutzen beurteilt ..." (https://hbr.org/2002/08/creativity-is-not-enough, 26.09.20)

 

Definition: Kreativität ist die Fähigkeit, neue Ideen zu haben, mit denen ein Ziel erreicht werden kann.

 

Warum benötigen wir Wissen für neue Ideen?

"... in Leo Tolstois Roman 'Krieg und Frieden' erklärt Fürst Andrej Bolkonski das Konzept des Krieges ʹ... Im Krieg kennt man die Position des Gegners nicht; manches kann man vielleicht beobachten, manches muss man erahnen (aber das hängt von den eigenen Fähigkeiten ab!), und manches kann man nicht einmal erraten. ... Wenn man sich zu einem Angriff entschließt, kann man nicht wissen, ob die notwendigen Bedingungen für einen Erfolg erfüllt sind.ʹ Im Grunde ist der Krieg durch ein hohes Maß an Unsicherheit gekennzeichnet. Ein guter Befehlshaber ... kann das, was er oder sie sieht, ergänzen, die Lücken versuchsweise ausfüllen ... Ein schlechter Befehlshaber extrapoliert aus dem, was er sieht, und kommt so zu falschen Schlussfolgerungen." (Dörner, D., & Funke, J. (2017). Complex problem solving: What it is and what it is not. Frontiers in Psychology, 8,1153, S. 7)

 

Ein guter Befehlshaber hat so viel Wissen und Erfahrung, dass er Wissenslücken kreativ füllen kann und so zu richtigen Schlussfolgerungen kommt.

 

"Im Idealfall möchten wir, dass Agenten der Künstlichen Intelligenz (KI) mit einer beliebigen Umgebung interagieren, in der nur Teilinformationen mit Unsicherheit verfügbar sind. ... KI-Agenten sind viel besser im quantitativen Rechnen als Menschen, aber sie sind weniger in der Lage, Konzepte qualitativ wahrzunehmen. Dies ist der Grund, warum KI-Agenten menschliche Experten in deterministischen Spielen wie Schach und Go schlagen können, aber Schwierigkeiten haben, eine alltägliche Aufgabe zu erledigen ..." (https://openresearch-repository.anu.edu.au/handle/1885/154259, 11.10.20)

 

"Ein guter Befehlshaber ... kann ... die Lücken versuchsweise ausfüllen". Die Methode "Versuch und Irrtum" ist die einfachste Methode, eine Wissenslücke mit einer Idee zu füllen und so eine Lösung für ein Problem zu finden, aber niemand will sich auf sein Glück verlassen und die Ideen für die Versuche zufällig auswählen.

 

"Wenn die Versuche zufällig ausgewählt werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, eine brauchbaren Lösung für ein komplexes, interaktionsreiches Problem zu finden. Effizientere Verfahren nutzen Wissen, um diesen Suchprozess zu steuern." (Nickerson, J. a. and Zenger, T.R. (2004). A Knowledge-Based Theory of the Firm—The Problem-Solving Perspective. Organization Science, Vol. 15 No. 6, S. 620)

 

Welche Art von Wissen ist erforderlich, um kreativ werden zu können?

1. Fachwissen

 

Wer Experte auf einem Fachgebiet ist, liest die Fachliteratur, führt Expermente durch und diskutiert mit anderen Experten.

 

"... Experten verfügen nicht über bessere allgemeine kognitive [geistige] Fähigkeiten als Neulinge - wie etwa eine bessere Gedächtnisleistung -, sondern Experten haben aufgrund ihrer Erfahrung ein besseres Fachwissen ..." (Pisa 2012 Field Trial Problem Solving Framework, www.oecd.org/pisa/pisaproducts/46962005.pdf, 01.11.20, S. 40/41)

 

Die Wissenslücke von Experten in Bezug auf ein Problem seines Fachgebietes ist kleiner als die von Neulingen. Da Experten alle Fakten und Regeln in ihrem Bereich kennen, können sie diese nutzen, um neue Ideen zu entwickeln.

 

"Ein Expertensystem ist ein modulares Programm, das aus einer Wissensbasis, einer Inferenzmaschine und einer Benutzeroberfläche besteht ... Die Wissensbasis enthält menschliches Fachwissen, das oft in Form von Regeln und Fakten ausgedrückt wird. Regeln sind bedingte Aussagen, die angeben, welche Aktion erfolgt, wenn eine bestimmte Voraussetzung erfüllt ist. ... Eine 'Inferenzmaschine' wendet eine Schlussfolgerungsstrategie an und generiert Lösungen auf der Grundlage der Regeln in der Wissensbasis und der vom Expertensystem gesammelten Daten." (Taylor, T. and Lubkeman, D. (1989). Applications of Knowledge-Based Programming to Power Engineering Problems. IEEE Transactions on Power Systems, Vol. 4, No. 1, S. 345)

 

Ein Experte weiß auch, welches Wissen für das jeweilige Problem relevant ist.

 

"Experten haben nicht nur Wissen erworben, sondern sind auch gut darin, das Wissen abzurufen, das für eine bestimmte Aufgabe relevant ist. In der Sprache der Kognitionswissenschaftler ist das Wissen von Experten "konditionalisiert" - es enthält eine Spezifikation der Situationen, in denen es nützlich ist (Simon, 1980; Glaser, 1992). Wissen, das nicht konditioniert ist, ist oft 'träge', weil es nicht aktiviert wird, obwohl es relevant ist (Whitehead, 1929). ... 'Lehrbücher sind viel eindeutiger darin, die Gesetze der Mathematik oder der Natur zu formulieren, als etwas darüber zu sagen, wann diese Gesetze bei der Lösung von Problemen nützlich sein können' (Simon, 1980:92)." (National Research Council. (2000) How people learn: Brain, mind, experience, and school. Washington, DC: National Academy Press, S. 43, www.nap.edu/read/9853/chapter/5)

 

Gesetze sind wie Regeln konditionale Aussagen (wenn Prämisse dann Konsequenz). Wenn ich den Flächeninhalt eines Rechtecks berechnen will, kann ich die Formel A = L x B verwenden (Regel: Wenn ich die Länge mit der Breite multipliziere, dann bekomme ich den Flächeninhalt). Das ist aber nur möglich, wenn ich die Werte für L und W kenne (Fakten).

 

"Der Problemlöser muss ... die Problemsituation erkunden oder mit ihr interagieren, bevor er versucht, das Problem zu lösen. ... Dies beinhaltet oft die Interaktion mit einem neuen System, um Regeln zu entdecken, die wiederum zur Lösung des Problems angewendet werden müssen." (Pisa 2012 Field Trial Problem Solving Framework, www.oecd.org/pisa/pisaproducts/46962005.pdf, 01.11.20, S. 14 -15)

 

"Im weitesten Sinne kann eine Regel jede Aussage sein, die besagt, dass eine bestimmte Schlussfolgerung immer dann gültig sein muss, wenn eine bestimmte Prämisse [Voraussetzung] erfüllt ist, d.h. jede Aussage, die als Satz der Form 'wenn ... dann ...' gelesen werden kann ... Es ist anzumerken, dass es außerhalb der Logik erster Ordnung eine Reihe von recht unterschiedlichen Interpretationen des Begriffs 'Regel' gibt." (Hitzler P., Krötzsch M., Rudolph, S. (2009). Foundations of Semantic Web Technologies. Chapman & Hall/CRC, S. 213 - 216)

 

Beispiel: Wenn ich fliegen will, sollte ich alle Dinge studieren, die in die Luft aufsteigen: heiße Luft, einige Gase, Vögel, Blätter im Wind usw. Wenn ich die Regeln verstehe, warum diese Dinge in die Luft aufsteigen, dann kann ich diese Regeln vielleicht nutzen, um selbst zu fliegen. Vögel können fliegen. Es ist möglich, dass sie fliegen können, weil ihre Flügel eine besondere Form haben. Ich sollte also die Form ihrer Flügel untersuchen.

 

"... für alle fliegenden Tiere in der Natur [gelten] die gleichen physikalischen Gesetze [Regeln] für Vortrieb und Auftrieb ...: Vortrieb durch den Flügelschlag, Auftrieb durch den Unterdruck an der gewölbten Flügeloberseite (Bernoulli-Prinzip[- Effekt]). (www.planet-schule.de/wissenspool/tierische-flugpioniere/inhalt/hintergrund.html#kap2, 23.04.22)

 

In den Jahren 1486 - 1513 beschäftigte sich Leonardo da Vinci mit dem Fliegen, z. B. entwarft er ein Schwingenflugzeug. 1881 veröffentlichte Otto Lilienthal sein Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst". Dies nutzten die Gebrüder Wright für den Bau ihrer Flugzeuge: "Die wichtigste Erkenntnis (…) war die Entdeckung, dass gewölbte Trag­flächen einen größeren Auf­trieb lieferten als ebene."

 

Leonardo da Vinci war ein sehr kreativer Mensch, aber weil ihm das Wissen zu den Regeln des Auftriebs fehlte, konnte er keinen Apparat bauen, der fliegen konnte.

Otto Lilienthal schreibt:

 

"Werfen wir nun einen Rückblick auf das in diesem Werke zur Darstellung gebrachte, so heben sich darin eine Anzahl aus Versuchen hergeleiteter Sätze [Regeln] ab ... Die Einsicht von der Richtigkeit dieser Sätze [Regeln] erfordert nur ein Verständnis der einfachsten Begriffe der Mechanik, wie es überhaupt ein Vorzug der wichtigsten Momente der Fliegekunst ist, dass dieselben vom mechanischen Standpunkte höchst einfacher Natur sind, und eigentlich nur die Lehre vom Gleichgewicht und Parallelogramm der Kräfte zur Anwendung kommt." (www.luftfahrt-bibliothek.de/datenarchiv/otto-lilienthal-der-vogelflug-als-grundlage-der-fliegekunst.pdf, 25.04.22, S. 182)

 

Auch Logik ist wichtig für die Kreativität: Wenn Experte eine unbefriedigende Situation untersucht, dann sollte er sich vorstellen, welches Wissen ihm möglicherweise fehlt.

 

"Ein Sinn für Möglichkeiten ... stellt sich etwas vor, was möglich sein könnte, aber bisher nicht für möglich oder auch nur potenziell möglich gehalten wurde. (... Sinn für Möglichkeit wird oft synonym mit Vorstellungskraft verwendet, obwohl Vorstellungskraft nicht dasselbe ist wie Möglichkeitssinn, denn die Vorstellungskraft umfasst auch das Unmögliche)." (Dörner, D., & Funke, J. (2017). Complex problem solving: What it is and what it is not. Frontiers in Psychology, 8,1153, p. 7)

 

Die Schwierigkeit besteht darin, sich auch die "unbekannten Unbekannten" vorzustellen.

 

"Ein Großteil der wissenschaftlichen Forschung basiert auf der Untersuchung bekannter Unbekannter [known unknowns]. Mit anderen Worten: Wissenschaftler entwickeln eine zu prüfende Hypothese, und dann werden im Idealfall Experimente durchgeführt, um die Nullhypothese zu testen. ... es ist üblich, dass der Forscher davon ausgeht, dass das Ergebnis, das er erhalten wird, innerhalb eines Bereichs bekannter Möglichkeiten liegen wird. Gelegentlich ist das Ergebnis jedoch völlig unerwartet - es war eine unbekannte Unbekannte [unknown unknowns]." (Logan, D. C. (2009). Known knowns, known unknowns, unknown unknowns and the propagation of scientific enquiry. Journal of Experimental Botany, 60(3), S. 712)

  

2. Allgemeinwissen

 

Wir brauchen Allgemeinwissen, um Analogien finden zu können, die uns zu neuen Ideen inspirieren.

 

"Die Fähigkeit, Ähnlichkeiten und Analogien zu erkennen, ist einer der grundlegendsten Aspekte der menschlichen Kognition. Sie ist entscheidend für das Erkennen, Klassifizieren und Lernen und spielt eine wichtige Rolle bei wissenschaftlichen Entdeckungen und Kreativität. ... Analoges Schlussfolgern beinhaltet die Identifizierung und Übertragung von strukturellen Informationen von einem bekannten System (der Quelle) auf ein neues und relativ unbekanntes System (das Ziel)." (Vosniadou, S. and Ortony, A. (1989). Similarity and analogical reasoning, Cambridge: Cambridge University Press, S. 1)

 

"Eine Analogie liegt vor, wenn die Struktur der Beziehungen zwischen einer Menge von Elementen ... mit der einer anderen Menge übereinstimmt." (Barr, N. (2014). Reasoned connections: Complex creativity and dual-process theories of cognition. UWSpace, S. 12)

 

Für die Beziehungen zwischen den Elementen eines Systems gelten oft Regeln (Muster). Wenn zwei Systeme Analogien aufweisen, kann es möglich sein, die Regeln des bekannten Systems auf das unbekannte System anzuwenden. Menschen mit einem großen Allgemeinwissen kennen in sehr vielen Fachgebiete die wichtigsten Regeln und können diese von einem Fachgebiet auf anderes übertragen.

 

"... Fachwissen in einem Bereich hilft den Menschen, eine Sensibilität für Muster [Regeln] sinnvoller Informationen zu entwickeln, die Anfängern nicht zur Verfügung stehen. ... Experten und kompetente Anfänger (College-Studenten) wurden gebeten, den Ansatz, den sie zur Lösung von Physikproblemen verwenden würden, verbal zu beschreiben. Experten nannten das/die wichtigste(n) Prinzip(e) oder Gesetz(e), das/die auf das Problem anwendbar war/sind, zusammen mit einer Begründung, warum diese Gesetze auf das Problem zutreffen und wie man sie anwenden könnte (Chi et al., 1981). ... Unterschiede in der Art und Weise, wie Physikexperten und -neulinge an Probleme herangehen, zeigen sich auch, wenn sie gebeten werden, auf Karteikarten geschriebene Probleme nach dem Ansatz zu sortieren, mit dem sie gelöst werden könnten (Chi et al., 1981). Die Problemstapel der Experten sind nach den Prinzipien [Regeln] geordnet, die zur Lösung der Probleme angewendet werden können; die Stapel der Anfänger sind nach den Oberflächeneigenschaften der Probleme geordnet."

 

Es kommt also darauf an, die Regeln hinter den Oberflächeneigenschaften zu erkennen.

 

3. Problemlösungskompetenz

 

Das Lösen von Problemen ist eine Kompetenz. Was ist eine Kompetenz?

 

Wissen hat zwei Bedeutungen: Wir verwenden das Wort Wissen für Dinge, die wir wissen, und für Dinge, die wir verstehen. Wir wissen all die Dinge, die wir in unserem Gehirn gespeichert haben und abrufen können. Verstehen bedeutet etwas anderes.

 

"Erschwerend kommt hinzu, dass wir dazu neigen, die Begriffe wissen, wissen wie und verstehen in der Alltagssprache austauschbar zu verwenden. ... Beim Verstehen geht es um den Transfer ... Die Fähigkeit, unser Wissen ... effektiv zu übertragen, beinhaltet die Fähigkeit, das, was wir wissen, kreativ, flexibel und mühelos in verschiedenen Situationen oder bei verschiedenen Problemen anzuwenden." (Wiggins, G. P., & McTighe, J. (2005). Understanding by design (Expanded 2nd ed.). Alexandia, VA: Association for Supervision and Curriculum Development)

 

Englischsprachige Länder bevorzugen das Wort 'skill', in Deutschland wie eher das Wort 'Kompetenz' benutzt. Meiner Meinung nach bedeuten beide das Gleiche.

 

'Skill' ist "... die Fähigkeit, Kenntnisse anzuwenden und Know-how einzusetzen, um Aufgaben auszuführen und Probleme zu lösen. ... 'Kompetenz' die nachgewiesene Fähigkeit, Kenntnisse, Fertigkeiten [skills] sowie persönliche, soziale und methodische Fähigkeiten ... zu nutzen." (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008H0506(01)&from=DE#d1e32-4-1, 07.11.21)

 

Wissen und Skill/Kompetenz gehören zusammen und sind notwendig, um Probleme kreativ lösen zu können. Wir müssen wissen, was wir tun und uns selbst kontrollieren können.

 

"Wissen und Können sind also notwendige Elemente des Verstehens, aber sie reichen alleine nicht aus. Verstehen erfordert mehr: die Fähigkeit, die Arbeit mit Bedacht und aktiv mit Unterscheidungsvermögen zu 'tun', sowie die Fähigkeit, dieses 'Tun' selbst einzuschätzen, zu rechtfertigen und zu kritisieren." (Wiggins, G., & McTighe, J. (1998). Understanding by design. Alexandria, VA: ASCD, www1.ascd.org/publications/books/103055/chapters/Understanding-Understanding.aspx, 10.12.21, p. 6)

 

Problemlösungswissen ist sehr hilfreich für jemanden, der Probleme optimal lösen will.

 

"Der Grund, warum die Führungskraft neue Ideen so oft ablehnt, liegt darin, dass sie ein vielbeschäftigter Mann ist, dessen Hauptaufgabe darin besteht, tagtäglich einen ständigen Strom von Problemen zu bewältigen. Er erhält einen nicht enden wollenden Strom von Fragen, zu denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Ständig ist er gezwungen, sich mit Problemen zu befassen, deren Lösungen mehr oder weniger dringend sind und auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Einem Untergebenen mag es großartig erscheinen, seinen Chef mit vielen brillanten neuen Ideen zu versorgen, um ihm bei seiner Arbeit zu helfen. Aber die Befürworter der Kreativität müssen ein für alle Mal die dringenden Tatsachen im Leben einer Führungskraft verstehen: Jedes Mal, wenn ihm eine Idee vorgelegt wird, schafft sie mehr Probleme für ihn - und er hat schon genug." (https://hbr.org/2002/08/creativity-is-not-enough, 26.09.20)

 

Viele Menschen denken, dass Problemlösungswissen und Kreativität nur für große Probleme notwendig sind. Sie denken, dass sie keine Zeit haben, um die Lösungen für ihre täglichen Probleme zu optimieren. Sie sehen, dass sie Zeit investieren müssen, aber sie verstehen nicht, dass sie auch viel Zeit gewinnen können. Optimieren lernen beginnt mit kleinen Schritten (wenn es sich nicht um eine Notfallsituation handelt). Lösen Sie zunächst einige kleine Probleme optimal, dann können Sie versuchen, ein größeres Problem optimal zu lösen.

 

"Harrington (1995) beschrieb, dass jede Organisation, die Schritt halten will mit einem sich schnell verändernden Umfeld, sowohl CI [kontinuierliche Verbesserung] als auch bahnbrechende Verbesserung in vollem Umfang nutzen muss. Unternehmen, die gerade erst mit ihren Verbesserungsaktivitäten beginnen, sollten ihre Bemühungen zunächst auf CI richten und eine Arbeitsgrundlage schaffen. Dann sollten sie ihre Verbesserungsbemühungen auf die bahnbrechende Verbesserung ausweiten." (Singh, J., and Singh, H. (2015). Continuous improvement philosophy–literature review and directions. Benchmarking: An International Journal, Vol. 22 No. 1, S. 95)

 

Schlussfolgerung

Das vierte Hindernis, auf das wir auf dem Weg zur Lösung eines Problems stoßen können, ist ein Mangel an Wissen, der uns daran hindert vorhandene Problemlösungsideen zu finden oder neue zu entwickeln.

 

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